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Julius Dreyfsandt zu Schlamm : Deutsche Lyrik

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Archief

Ein wahrhaftiges Gedicht




heute versuche ich gewiß
aufrichtige Lyrik zu schreiben

es liegt nicht wirklich
in meinen Händen
nur Götter entscheiden
ob meine Verse am Ende
in lyrischem Sinn

in Ihrer überragenden Seele
haften werden welche so
von Werten und Normen der
Literaturordnung geführt wird

und sie, strophisch,
wie gesagt,
in Ihrem edlen Gemüt
zu landen wünschen

ich rede nunmehr von
unberührtem Grieß
getragen vom alten Pfad
welcher entlang der
Buchenhecke schlängert

und schweige deshalb:

der Rollsplitt kennt
beim Betreten noch
sein eigenes Rauschen

Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

Frühlingstränen

 

ich tupfte Frühlingstränen
mit einem weichem Tuch

sie suchten einen Weg
nach draußen
Regen und Sonne
mein Geleit waren

es war kurz lüften
nach einer  düsteren Nacht  
und mein Gefühl nur eintönig
die Partitur beherrschen konnte

es war verkapselt
in einer Klangfarbe
vom distanzierten Dröhnen 

ich tupfte
ausstehende Tränen

bis das zarte Moos
meine Füße streifte
und der Saft der Erde
mir erzählte von Farben
aus alten Zeiten


Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

ich gebe dir zu essen





ich gebe dir zu essen  
doch bleibst du so hungrig  
 
zu trinken  
aber durstig suchst du  
immerfort  
in tiefen Brunnen  
 
wenn die Seele  
und der Leib  
nackt gescheuernd sind  
tut jede  
Befruchtung weh  
 
sie spiegelt  
die Liebe wie  
unerreichbar  
 
aber ist auch oft  
verzerrt von  
Erwartung  
 
allein sein  
heißt:  
ich bin  
 
 
die Brücke nach draußen  
kennt keine Stützen  
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

Mein fahler Mantel


 
es war mein fahler Mantel
möglicherweise noch gemacht vom Vater
von Kleidung in Ruhe
oder im Übergang
zu einer zweiten Chance
 
ja, so war damals die Zeit
und ich stand einmal für Kodak          
nicht mehr wissend
wer der Späher war
 
ich war mein fahler Mantel
mit großen Herrenknöpfen
auf einer Kindertracht
wo mein Kopf,
blaß getönt, ragte
über erwachsene Revers
 
was Augen genannt wurde
sah im Foto
an mir entlang oder
mich einsam denkend
 
es war vor einem Strauch
irgendwo bei einer Allee
benannt nach dem Paradies
 
ich weiß nicht
ob ich davon zurück kam
oder nach dort unterwegs war
 
*
 
neben der Kirche blühte auch
der Garten
der Vergänglichkeit    






        
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

Milde Vertröstung

 
 
manchmal ist Licht weiter
als der Tag von Morgen
und scheint Hoffnung 
eingegraben in losem Sand

das Glücksrad
dreht sich nur in

ängstlicher Erwartung,
kann nicht anhalten
ist dauernd heiß wie Feuer

nochmals entbunden
aufs neue geboren werden
lässt Ewigkeit fühlen

auch wenn du dann  
nicht allein stehst
oft ist nichts schwieriger
zu verstehen

als was die Heiligen
mit Einblick und
Hingabe meinen
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

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