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J. Dreyfsandt zu Schlamm : Deutsche Gedichte 4

Teil 4
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TRAUERMARSCH

 
 
Ich gehe
Der Musikkapelle voraus             
Das tue ich ja öfter
Spiele auf
Meiner alten Traversflöte
Das Largo meines
Ewigen Verdrusses
 
In meinem Rücken fühle ich
Die Vibration der Trommelschläger,
Mit kaltem Zittern gepaart,
In  wehmütiger Reihe das Geräusch
Der Klarinettenbrüder
 
Ich gehe voraus, Spüre                                             
Die Tragik in meinen
Beine geerdet                           
 
Der letzte Gang,
Getragen wird                                  
Meine junge Braut                                            
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

GEBROCHENE SPRACHE

 
 
 
Und dann,
Zum anderen,
Senkte sich die Stille
 
Es fehlte Lippensprache
Verdutzt die sich
Allmählich
Eingeschlichene Kühle
 
Das helle Licht
Gedeihte dunkel zu
Das verbeißen
War nur auf
Schwarz gerichtet
 
Räume mit
Verstummten Gedanken,
Wirrwarr von Hirngespinst,
Welche die Wirklichkeit
Verachteten
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

DIE HARFENISTIN

 
 
 
 
Spiel mit mir
Noch einmal am Holz,
Mit Saiten vergittert
Von der Erde zum Himmel
 
Schenke uns, die Stimmen
Von Engeln, welche singen   
Durch den Klang von
Trompeten und Geigen
 
Wo ich in meinem
Späten Frühling die Finger
Noch einmal von ihr 
Berühren möchte
 
Angelehnt an mich das
Muskalische Fenster wie ein 
Ewiges Denkmal,
Das mich führen wird
In liebliche Tiefen und
Himmlische Sehkreise
 
Damit wiederum
Das nicht Geschaffene
Durch Klangfarbe geboren wird
 
Ich strecke meine Finger,
Wo sie erst
Und wohl durch viele Jahre
Wie von selbst an ihr klebten
Wo nun die Geistesstärke mich
Zum Ende schicken muss
 
Spiel mit mir noch einmal
In meinem späten Frühling
Dann werde ich sterben
Bei toten Saiten
 
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 16:41

IZABELLA

 

Warum sehe ich doch immer wieder die bleiche Frau
Mir gescheit anschauwend mit dunklen Augen
Und Haar das auseinanderfällt über ihren fragilen Schultern
Wie schwarze hauchfeinen Fäden welche nicht zulassen
Das ich meine Häende ausweite, wenn ich das möchte


Irhe roten herausfordernden Lippen
Saugen mir noch näher nach ihrem Leib
Sie schweift ab, ich verfehle meinen Ziel
Und verstricke mir in einem erotischen Gefühl
Wenn ich in Gedanken mit ihr die Liebe machen

Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

ICH SCHREIBE DIR DIES

Ich schreibe dir dies
Wenn das Schwarz
Noch die Fenster
Bedeckt
 
Und Ruhe
Neben Stille sitzt
Als ob die Nacht,
Spielend, noch kurz,      
Die Ewigkeit
Streckt
 
Ich schreibe dir dies,
Nur so,
Ohne Heute
Und Vergangenheit,
 
Und träume dass das Licht
Noch nicht
Von hektischen Gedanken
Zugeritten wird
Von Unsittlichkeit
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 12:06

VERGÄNGLICHKEIT

 
 
 
Heute verliert das Kind in mir
 
Heute verliert das Kind in mir
Aufs neue die Hoffnung
 
Diese scheint,
Obschon es das wissen konnte
Verborgen in einem
Unlösbaren Knoten
Von Liebe und Sorgen
 
Wiewohl getragen
Von einem frühen Morgen
Liegt das Dunkel auf der Lauer
Wo allmählich,
Unter der unerreichbaren Sonne,
Die Erwartung stirbt
 
Was dann das Leben
Immer ungefragt nachlässt
Ist die Einsamkeit
Welche man erbt
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

HÖRE MICH

Höre mich
Wenn ich flüstre
Vom Pfad zu dem See
Mit rufenden Schmetterlingen
Und fragilen Wasserjungfern
 
Höre dich um
Wie leise Klänge 
Wehen
Um meine Zunge
Und díe ranken
Lippen entlang
 
Vom Harfenspiel
Aus meiner atmenden Seele
 
Es sind weiße Engel
Welche noch aus meinen Seufzern
Duftende Röschen pflücken
 
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

SANFTER WÖRTERWIND



Mein Lächeln

Nährt verdorrte Wurzeln

Welche lange

Das Licht entbehren

Mussten

 

Ich fragte mich aber

Gibt es da noch Hoffnung 

Auf Leben aus

Trockener Erde

Da es nur

Von Tränen

Zehren konnte

 

Ich umsorge die noch
Scheuen Schößlinge

Blase einen sanften

Wörterwind

Das zarte Grün entlang

 

Ich weiß es sicher

Nichts hindert

Den trägen Weg

Zur Blüte

 

Einst bekommt die Sonne

Nachträglich die Gelegenheit

Ihre Arbeit

Zu wiederholen

 

Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

REICHE MIR DEINE HAND

 
 
 
Eine Hand
Gleichwie deiner
Ja, du dort
Du ziehst gerade vorbei
 
Die Hand
Sie scheint fügsam
Und ist noch frei
 
Würdest du meine           
Berühren wollen
Fühlen, fassen,
Schmeichelnd lieben
 
Oder wie eine Gabe
Empfangen in deiner     
Kurz umschließen
Möglicherweise
Teilen um zu verheilen
Oder einfach im Vertrauen
 
Meine Finger sind weich
Umhüllt von einer
Sensiblen Oberfläche
Ohne sich zu scheuen
Werden sie näher
Zu dir kommen
 
Ich werde nichts sagen
Nur schweigen im Stillen
Lassen wir sie sich schenken
 
Wünschen, dass eine Zärtlichkeit
Sich möge senken
 

 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 20:23

EIN STILLEBEN

 
 
Gebogen
Stütze ich mich
Auf den Armlehnen
Meiner Würde
 

Eine Ruhestätte
Abseits des offenen Kamins;
Ein Denkmal von Dignität
 
Ein hoher Stuhl mit Leder
Aus dunklem Eichenholz
 

Die Jahre sind uns anzusehen
Wenn die zierliche Schreinerarbeit
Verschossen trauert
 

Das Ofenfeuer erlöscht
Gleich meiner Zukunft
Welche allmählich abflaut


 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 19:21

KOMM DOCH

Meine Hände strecke ich dir entgegen
Getragen von fragenden Armen
 
Komm doch,
Flüstert meine Stimme
 
Ich hebe dich zu meinem Rosenbett
Werde deine zarte Haut erwärmen
 
 
Ich streiche deinen verletzbaren Leib entlang
Meine Augen auf dich gerichtet
Verlegen siehst du ins Innere
Das  Verrät dein lächelndes Gesicht
 
Komm doch,
Flüstert meine Stimme
 
Fühle die Stille in uns sinken
Schaue auch meine Runzeln an
Sie zeigen die Weichheit
Geboren aus sprachlosen Erzählungen
 
 
 
Komm......
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

DEM STERBEN ZUGETAN

 
 
 
Wenn dem Jahr das Ende naht
Verbleibe ich etwas tiefer im Inneren
Der Himmel taucht dann ungefragt
In meine Seele
 
Ich ziehe mich in
Mich selbst zurück
Als ob ich die
Hinwendung zum
Sterben erlernen muss
 
Das hängende Grau
Zwingt sich durch meine Haut
Um die Machbarkeit
Und den Winterschlaf vorzuziehen
Wie meine allerletzte Braut
 
Wenn Hoffnung weiter reicht
Als die Einsicht und
Das Gebirge sich  ausweitet
Bis in den Sehkreis
Der letzten schwelenden Tage                           
Kann ich nur warten auf etwas Licht                   
Um mich der Natur gegenüber                           
Demutsvoll zu geben                                         
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 13:27

ICH GEBE EUCH EINEN LESEFREIEN TAG (IRONIE)

Ein einziges Wort ist genug
Schweigen noch besser
Ich komme dann zur Ruhe
Und du wirst nicht gestört
Während deiner täglichen Schufterei
 
Nicht, dass du darum fragst
Und ich weiß, wie es sich gehört,
Bin dann schnell ausgequengelt
 
Ich, ein großer Schriftsteller,
Falle dir heute nicht zur Last
Mit erbaulichem Getue
Oder poetischem Geschwätz
 
Manchmal werde ich echt müde
Von meinem eigenen Gedrängel
Du kennst das doch auch
Jeder hat einmal
Seinen schwachen Augenblick    
 
Also, ich gehe nun
Du hast heute von mir
Nichts zu befürchten
 

 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 13:24

MEINE GRACHT

 
Ich schlendere die tiefe Gracht entlang
Betrachte stets, was mir begegnet
Nicht alles kommt dann herein
So ich gerne möchte
Die Wirklichkeit hat eingebüßt
Das Große würde mich schwer tun lassen
 
So gehe ich oft hier meinen Weg
Manchmal irrend in Gedanken
Eine Stelle von Nachsinnen
Von imaginären Kräften
Welche mich erstaunen
Von der Palette des Wassers
 
Grün und Kopfstein
Hier so überreichlich anwesend
Und mein Gemüt mildern
Bis entsteht Zuneigung
Für mich selber und Manchen
 
Im Wasser widerspiegelt  meine Welt
Endlos blau mit leichten Schatten
Durchkreuzt von trägen Enten
Welche wegtreiben zum Stauwerk
 
So, denke ich nun
Auch ich führe mit dem Wasser,
Eine intensive Lebensgestik,
Wodurch ich werde mitgeschleppt
 
Nun, morgen oder später
 
 
 

 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 14:27

DIE UNSICHTBARE ANDERE SEITE

 
 
Wenn die Sonne
Sich verkroch in
Meiner Hand
Und das Gesicht
Von Blättern
Bedeckt war
 
Fühlte ich mich
Überwältigt
Von Freude
Welche strömte durch
Unendliche Adern
 
Es war nahe einem Feld,
Das sich an den
Weiträumigen Waldrand
Anschmiegte
Wo der Tag, so schien es,
Sich fast nahezu
Erschöpft zeigte
 
Der Abend hing
Über voll gesäten
Rinnen des flachen Landes,
Das wartete auf die
Feuchtigkeit der Dunkelheit
 
Ich war dort kurz
Mit meinen Gedanken
Sie änderten sich in
Träume der unsichtbaren
Anderen Seite
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

BEI VERSCHWINDENDEM LICHT

 
 
 
Wenn die Dunkelheit
Des Abends
Ihr Maul öffnet
Und das Licht uns
Noch kurz die Hand
Reichen mag
 
Empfinde ich
Eine sich nähernde Stille
Als würde der Tod mich
Beim Schlafittchen
Fassen wollen
 
Oder wird es
Mein Verjähren sein,
Dass Gedanken
Im Dämmerlicht
Sich mehr reflektieren
An meinem Sterben
 
Aber auch der Tag
Von morgen                       
Ist nur eine Idee
Noch etwas von der Zukunft
Erben zu dürfen
 

 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 22:22

EIN KALEIDOSKOP

 
 
Erste Version:
 
Ein Gedicht ist
Wie ein Kaleidoskop
Für die
Individuelle Seele
 
Wo Worte,
Sprachlos,
Nach dem Gefühl
Wehen
 

Zweite Version:
 
Ein Gedicht ist
Wie ein Kaleidoskop
Für die
Individuelle Seele
 
Wo Worte,
Sprachlos,
Nach dem Gefühl
Sehnen
 
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

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