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J. Dreyfsandt zu Schlamm : Deutsche Gedichte 4

Teil 4
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DEUTSCHE GEDICHTE : BALD ERSCHEINT--LYRIKBAND

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     ISBN 978-3-86703-678-8

März 2008:  Gedichte von Julius Dreyfsandt zu Schlamm
                            Engelsdorfer Verlag        
                                                             Leipzig Deutschland

                                     Information:  julius.dreyfsandt.zu.schlamm@gmail.com

Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 11:06

WEIBLICH

 
 
Keine Frau entgeht meinem Blick                                             
Ich kann mich dem nicht entziehen                                      
Sie durchströmt mein körperliches Ich                                              
Gestützt von Seelengewölben                                                                
 

Mitgeschliffen in unantastbaren Kräften
Zerreißt es mich  oft  
So stark in mir und in Gedanken
Es gibt mir fast unmögliche Farben
 

Geerdet in diesem Wesen, mit getriebener Passion
Suche ich meinen Weg, wo Zuchtlosigkeit regiert
Ich bin angewurzelt in dieser stofflichen Version
Wo Chaos mich schonungslos berührt
 

 
 
 
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 11:05

-HUGO CLAUS - WENN EIN MEISTER GEHT =

 
 
 
Ich gehe
Ich gehe dann wenn es Mittag ist
 
Fragt nicht nach dem Tag, meine Freunde
Meine Zeit und Morgen
Dind bereits in der Reihe
Der Verirrungen
In meinem Kopf
 
So, soll er gedacht haben
In wachen Augenblicken
 
Er verlor das Schaffen
Auf der Suche nach
Einem neuen Lenz  
 
Nur das Sterben hat er noch
Umgesetzt unter weißen
Tücher der Dramatik
 

Der Meister von dargestellten Worten,
Von Sehen umstellt in Leinenbilder
Und von Worten nach Strophen
 
Wählte einen baldigen Tod
Und erschuf ein Leben lang
Meine Muttersprache
 
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 11:02

DER POSAUNIST

 
 
Er schiebt vorwärts
Und dann wieder zurück
Doch nicht in gleichem Maß
 
In wechselnden Ständen
Spuckt er Klänge vor sich aus
In verschiedenen
Tönen und Maßen
 
Entweder nach links
Oder rechts
Aber immer in die Luft
 
Wo Pausbacken,
Ein trockener Hals
Mit aufgedunsenen Adern
Im Nacken und auf dem Kopf
Zusammen mit
Verlangenden Lippen
 
Sich umsehen nach einem
Zwischenzeitlich
Inhalierenden Seufzer
 
Weil der Inhalt
Der behaarten Brust
Fortwährend von seinem
Volumen beraubt wird
 
Die Flügel der
Schnaubenden Nase
Haben sich rotblau gefärbt
 
Nicht von dem vollauf Musizieren
Aber von dem Anfeuchten
Der Luftröhre und Füllen
Des überhängenden Bauches
 
So versorgt der Posaunist
Sein Repertoire
Mit Cola und Bier
 
Und er weiß
Rhythmus zu halten
In dem Blasen, Trinken,
Atmen und Schlucken,
 
Alles der Reihe nach,
Durch Nase und Oberluke
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 10:58

EIFERSUCHT

 
 
Wenn
Eifersucht aus Liebe
Richtungslos
Angetrieben wird
 
Ungreifbar oft
Und in Klarheit
Als schlecht erfahren  
 
Schlägt die Verzweiflung
Immer mehr zu
Und wo immer meine
Zuneigung  hinführt
 
Scheint sie wie dünner
Sand geartet zu sein
Der durch die Finger gleitet
 
Dann kenne ich
Mich selber nicht mehr
Bin entfesselt vom Eigenwert
Und ich irre herum durch mein
Quengelndes  Hirngewölbe
 
Ich berühre nicht mehr
Die ertragreiche Erde,
Liebevoll sprechend
Von mir selber
 
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 10:55

ICH NENNE SIE NICHT BEIM NAMEN

Ich werde Ihren Namen nicht nennen
Gehöhn oder Gelächter
Ist ein Augenblick vom Übel
Noch dass ich ihn rühmen will
Ich erwähne nichts davon
Diesbezüglich
 
Es ist nicht an mir
Den Deckel vom
Schmutz zu heben
Oder stehend auf
Einer Seifenkiste
Laut zu rufen:
 
Dieser Mann ist ein........
Oho, da verhaue ich fast mich
Passe auf,
Sage ich gegen mich selber,
Nicht wieder von
Meiner Schattenseite
 
Und mein Hass,
Wie das langsame Lecken
An einem Lutscher,
Farbe für Farbe,
Abzunaschen
 
Oder kundzutun
Vom Duft des Schweißes
Unter Achselhöhle und Füßen
 
Nein,
Dies scheint für diesen Moment
Selbst für mein Gemüt
Etwas zu dreist
Mein Gewissen wird dann
Büßen müssen
 
Auch das Schreien
Dass ich  liebe
Wird gepaart gehen,
Verzeihe es mir
Von ewigem Gähnen
 
Ich lasse nichts von dir heraus
Das ist, offenherzig gesagt,
Einfach niederträchtig
Ich werfe dich nicht
Den Löwen zum Fraß vor
 
Bin nicht wie manch einer 
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 10:52

NEUER LENZ

 
 
Morgen wird es Licht,
Meines Wissens
 
Dann verstreicht die Finsternis
Gerichtet auf unempfindliche Sicht
 
Das Tal  ist wieder erfüllt 
Vom frohen Lied
Komm und schaue mit mir
Nach dem Aufblühen in weiter Ferne
 
Morgen, ja morgen
Öffnet sich mein Herz
Es war verschlossen für lange Zeit
Versteckt in beengender Tiefe
Durchtränkt von trübem Schmerz
 
Meines Wissens wird
Die selige Hoffnung
Wiederum in Gold gegossen
 
Wenn das Heute ist vergangen
Entsprießen neue freudvolle Schöße
 
 
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 19:18

THE LAST POST

 
 
Manchmal bin ich alleine
Und habe dann kurz nichts
Mit jenem oder dir
Oder es soll die Einsamkeit sein
Wenn ich leide am Leben;
Eine nicht zu fassende Rauheit
 
* Ich liebe rote Gladiolen* 
 
Auch mitten an einem Sommertag
Weine ich meine dunklen Wolken;
Gefühle, welche nicht anderes tun
Als stechen in meinem Körper
Von plötzlich erscheinenden Dolchen
 
* Ich liebe Gladiolen: mit roten oder weißen Blüten* 
 
Wenn es scheint, dass ich meinen Griff verliere
Und die Sicht sich verschmälert
Bis zu einer leeren Geschichte,
Was hält mich dann noch hier
Erzähle es mir, in meiner eigenen Sprache
 
* Ich liebe rote Gladiolen* 
 
Ich weiß, ich werde geliebt,
Abwechselnd besungen,
Ist das nun der Glückskomfort
Wonach ich schrie
Mit meinen Geburtslungen
 
* Manchmal gibt es weiße, finde ich auch schön*
 
Nein, bereits damals
Blies ich  "The last Post"
Es bleibt das Warten
Auf die Willkür
Bis auch auf meinen Abschied
Getoastet wird
 
* Ich liebe Gladiolen*
* Sie können rot sein, aber auch von  weißer Farbe*
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 19:16

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