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J. Dreyfsandt zu Schlamm : Deutsche Gedichte 4

Teil 4
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Archief

WENN HEUTE

 
 
Wenn heute
Ein Frühlingsblatt
Dich nicht erreichen wird
 
Dann lege ich kurz
Meine Hand
Auf deine Wange
Wir sind einen Augenblick
Verbunden
 
Ich schaue dich an
Nein,sei nicht bange
Wir sind im
Freundschaftsland
 
Um einander
Im Vorbeiziehen
Mit sprachloser Wärme
Zu bereichern
 
Für mich
War es Liebe
Welche ich dir
Gesandt habe
 
 
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 19:11

KEIN GESICHT

 
 
Dieses Gedicht
Hat eigentlich kein Gesicht
Es kennt kein Lächeln
Oder sich verbeugen nach Trauer
 

Es kennt nur eine Zahl,
Zweihundert in Worte,
Einfach arithmetisch festgelegt,
Ich habe keine Wahl
 

Eine Bemerkung kann ich machen
Meine Finger spielen noch immer
Mit einer großen Sahnetorte
 
 
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 19:06

DER TEUFEL

 
 
Meine liebevolle Hand
Möchte ich geben
Und so Vollkommenheit schenken
Ich werde von uneigennütziger
Passion getrieben
 
Will dich mit einem
Pfauenschwanz schwingend
In meine Richtung winken
 
Wo ich den Pfad einstweilen
Mit Rosenblättchen
Gestreichelt habe
Damit du ungehindert
Fortschreiten kannst
Und Gunst dir zuteil wird
Und behutsam zum
Reichtum führt
 
Jedoch trifft,noch bevor
Du diesen Weg beschreitest,
Ein Stein auf mein Herz
Während die Finsternis fällt
Über meine Seele
 
Das Schicksel ist gekentert
Der Tag verblendet sich mir
Plötzlich
 
In meinen guten Absichten
Entlarvte sich der Teufel      
 
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 19:05

ZUM HORIZONT BEUGEN

 
 
Ich werde gewahr meiner abnehmenden Jahre                          
In einer schattenreichen Aussicht
Wie meine Wege sich zum Horizont beugen
Während ich doppelwürdevoll auf mein Ende Gerichtet bin
 
Erfahre ich die Geringfügigkeit meiner Schätze                              
Welche mir eher wie angedichteter Besitz  erscheinen
Womit ich mich selber zu oft erschöpfte
In faktischem bis zwingendem Überleben abgerichtet
 
Es wäre ein unermesslicher schaffender Entwurf  
Mich treibt es  bis an ein menschliches dunkles Unbekanntes
Wo erst nach einer blinden Widerspenstigkeit
Stille herrscht und Hinnahme heranreifen kann
 
Auf diese Weise, so ist meine Annahme,                                         
Verfällt der Herbst in den letzten Winter
Ich hatte das keinesfalls in meiner Jugend      
Wissen können, geschweige denn erahnen wollen
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 19:04

FRÜHER GLANZ


 
 
Ich sehe
Das Flaumhaar
Schweben in
Der Morgenröte         
Wenn das Licht
Sich zerstreut
Über deiner Haut
 
Ich will dich
Friedlich streifen,
Fühle schon
Wärme aufkommen
In meinem Leib
 
Zusammen mit dir
Werde ich die
Ersten leichten
Frühlingsseufzer
Von mir geben 
 
Und die Winternacht
Mit meinen Augen
Bekämpfen
 
Wenn ich den Schatten,
Noch schlummernd
Anwesend,
Aus dir vertreibe
 
 
 
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

MEIN SCHÖNER JÜNGLING ( Adonis)

 
 
Er war noch so jung
Der ruppige Adonis
Welcher meine Seele berührte
Als er mein Herz besang
 
Was war es doch
Das mir tief rührte
 
Ich selber war schon ergraut
Schon lange arriviert
Im so genannten Leben,
In der Welt herumgezogen,
Von Üppigkeit umringt
 
Er schaute mich einladend
Mit großen offenen Augen an
Mich aufsaugend in seinem
Strahlenden Lachen
 
Jede Bewegung, welche er machte
Verstörte mein fest gefügtes Bestehen
Ohne zu fragen griff ich seine Hand
Doch wurde verwirrt
In all meinen Seelenschichten
 
Schwamm ich nun in einem
Erwärmten Bett mit Rosen
Oder erzählte meine Jugend
Von verpasster Chance
In meinen vorletzten Tagen
 

Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

TRAUERMARSCH

 
 
Ich gehe
Der Musikkapelle voraus             
Das tue ich ja öfter
Spiele auf
Meiner alten Traversflöte
Das Largo meines
Ewigen Verdrusses
 
In meinem Rücken fühle ich
Die Vibration der Trommelschläger,
Mit kaltem Zittern gepaart,
In  wehmütiger Reihe das Geräusch
Der Klarinettenbrüder
 
Ich gehe voraus, Spüre                                             
Die Tragik in meinen
Beine geerdet                           
 
Der letzte Gang,
Getragen wird                                  
Meine junge Braut                                            
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

GEBROCHENE SPRACHE

 
 
 
Und dann,
Zum anderen,
Senkte sich die Stille
 
Es fehlte Lippensprache
Verdutzt die sich
Allmählich
Eingeschlichene Kühle
 
Das helle Licht
Gedeihte dunkel zu
Das verbeißen
War nur auf
Schwarz gerichtet
 
Räume mit
Verstummten Gedanken,
Wirrwarr von Hirngespinst,
Welche die Wirklichkeit
Verachteten
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

DIE HARFENISTIN

 
 
 
 
Spiel mit mir
Noch einmal am Holz,
Mit Saiten vergittert
Von der Erde zum Himmel
 
Schenke uns, die Stimmen
Von Engeln, welche singen   
Durch den Klang von
Trompeten und Geigen
 
Wo ich in meinem
Späten Frühling die Finger
Noch einmal von ihr 
Berühren möchte
 
Angelehnt an mich das
Muskalische Fenster wie ein 
Ewiges Denkmal,
Das mich führen wird
In liebliche Tiefen und
Himmlische Sehkreise
 
Damit wiederum
Das nicht Geschaffene
Durch Klangfarbe geboren wird
 
Ich strecke meine Finger,
Wo sie erst
Und wohl durch viele Jahre
Wie von selbst an ihr klebten
Wo nun die Geistesstärke mich
Zum Ende schicken muss
 
Spiel mit mir noch einmal
In meinem späten Frühling
Dann werde ich sterben
Bei toten Saiten
 
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 16:41

IZABELLA

 

Warum sehe ich doch immer wieder die bleiche Frau
Mir gescheit anschauwend mit dunklen Augen
Und Haar das auseinanderfällt über ihren fragilen Schultern
Wie schwarze hauchfeinen Fäden welche nicht zulassen
Das ich meine Häende ausweite, wenn ich das möchte


Irhe roten herausfordernden Lippen
Saugen mir noch näher nach ihrem Leib
Sie schweift ab, ich verfehle meinen Ziel
Und verstricke mir in einem erotischen Gefühl
Wenn ich in Gedanken mit ihr die Liebe machen

Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

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