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J. Dreyfsandt zu Schlamm : Deutsche Gedichte 4

Teil 4
akke.beakke.be

Archief

ICH SCHREIBE DIR DIES

Ich schreibe dir dies
Wenn das Schwarz
Noch die Fenster
Bedeckt
 
Und Ruhe
Neben Stille sitzt
Als ob die Nacht,
Spielend, noch kurz,      
Die Ewigkeit
Streckt
 
Ich schreibe dir dies,
Nur so,
Ohne Heute
Und Vergangenheit,
 
Und träume dass das Licht
Noch nicht
Von hektischen Gedanken
Zugeritten wird
Von Unsittlichkeit
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 12:06

VERGÄNGLICHKEIT

 
 
 
Heute verliert das Kind in mir
 
Heute verliert das Kind in mir
Aufs neue die Hoffnung
 
Diese scheint,
Obschon es das wissen konnte
Verborgen in einem
Unlösbaren Knoten
Von Liebe und Sorgen
 
Wiewohl getragen
Von einem frühen Morgen
Liegt das Dunkel auf der Lauer
Wo allmählich,
Unter der unerreichbaren Sonne,
Die Erwartung stirbt
 
Was dann das Leben
Immer ungefragt nachlässt
Ist die Einsamkeit
Welche man erbt
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

HÖRE MICH

Höre mich
Wenn ich flüstre
Vom Pfad zu dem See
Mit rufenden Schmetterlingen
Und fragilen Wasserjungfern
 
Höre dich um
Wie leise Klänge 
Wehen
Um meine Zunge
Und díe ranken
Lippen entlang
 
Vom Harfenspiel
Aus meiner atmenden Seele
 
Es sind weiße Engel
Welche noch aus meinen Seufzern
Duftende Röschen pflücken
 
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

SANFTER WÖRTERWIND



Mein Lächeln

Nährt verdorrte Wurzeln

Welche lange

Das Licht entbehren

Mussten

 

Ich fragte mich aber

Gibt es da noch Hoffnung 

Auf Leben aus

Trockener Erde

Da es nur

Von Tränen

Zehren konnte

 

Ich umsorge die noch
Scheuen Schößlinge

Blase einen sanften

Wörterwind

Das zarte Grün entlang

 

Ich weiß es sicher

Nichts hindert

Den trägen Weg

Zur Blüte

 

Einst bekommt die Sonne

Nachträglich die Gelegenheit

Ihre Arbeit

Zu wiederholen

 

Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

REICHE MIR DEINE HAND

 
 
 
Eine Hand
Gleichwie deiner
Ja, du dort
Du ziehst gerade vorbei
 
Die Hand
Sie scheint fügsam
Und ist noch frei
 
Würdest du meine           
Berühren wollen
Fühlen, fassen,
Schmeichelnd lieben
 
Oder wie eine Gabe
Empfangen in deiner     
Kurz umschließen
Möglicherweise
Teilen um zu verheilen
Oder einfach im Vertrauen
 
Meine Finger sind weich
Umhüllt von einer
Sensiblen Oberfläche
Ohne sich zu scheuen
Werden sie näher
Zu dir kommen
 
Ich werde nichts sagen
Nur schweigen im Stillen
Lassen wir sie sich schenken
 
Wünschen, dass eine Zärtlichkeit
Sich möge senken
 

 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 20:23

EIN STILLEBEN

 
 
Gebogen
Stütze ich mich
Auf den Armlehnen
Meiner Würde
 

Eine Ruhestätte
Abseits des offenen Kamins;
Ein Denkmal von Dignität
 
Ein hoher Stuhl mit Leder
Aus dunklem Eichenholz
 

Die Jahre sind uns anzusehen
Wenn die zierliche Schreinerarbeit
Verschossen trauert
 

Das Ofenfeuer erlöscht
Gleich meiner Zukunft
Welche allmählich abflaut


 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 19:21

KOMM DOCH

Meine Hände strecke ich dir entgegen
Getragen von fragenden Armen
 
Komm doch,
Flüstert meine Stimme
 
Ich hebe dich zu meinem Rosenbett
Werde deine zarte Haut erwärmen
 
 
Ich streiche deinen verletzbaren Leib entlang
Meine Augen auf dich gerichtet
Verlegen siehst du ins Innere
Das  Verrät dein lächelndes Gesicht
 
Komm doch,
Flüstert meine Stimme
 
Fühle die Stille in uns sinken
Schaue auch meine Runzeln an
Sie zeigen die Weichheit
Geboren aus sprachlosen Erzählungen
 
 
 
Komm......
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

DEM STERBEN ZUGETAN

 
 
 
Wenn dem Jahr das Ende naht
Verbleibe ich etwas tiefer im Inneren
Der Himmel taucht dann ungefragt
In meine Seele
 
Ich ziehe mich in
Mich selbst zurück
Als ob ich die
Hinwendung zum
Sterben erlernen muss
 
Das hängende Grau
Zwingt sich durch meine Haut
Um die Machbarkeit
Und den Winterschlaf vorzuziehen
Wie meine allerletzte Braut
 
Wenn Hoffnung weiter reicht
Als die Einsicht und
Das Gebirge sich  ausweitet
Bis in den Sehkreis
Der letzten schwelenden Tage                           
Kann ich nur warten auf etwas Licht                   
Um mich der Natur gegenüber                           
Demutsvoll zu geben                                         
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 13:27

ICH GEBE EUCH EINEN LESEFREIEN TAG (IRONIE)

Ein einziges Wort ist genug
Schweigen noch besser
Ich komme dann zur Ruhe
Und du wirst nicht gestört
Während deiner täglichen Schufterei
 
Nicht, dass du darum fragst
Und ich weiß, wie es sich gehört,
Bin dann schnell ausgequengelt
 
Ich, ein großer Schriftsteller,
Falle dir heute nicht zur Last
Mit erbaulichem Getue
Oder poetischem Geschwätz
 
Manchmal werde ich echt müde
Von meinem eigenen Gedrängel
Du kennst das doch auch
Jeder hat einmal
Seinen schwachen Augenblick    
 
Also, ich gehe nun
Du hast heute von mir
Nichts zu befürchten
 

 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 13:24

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