GALERIE MIT SELBSTPORTRÄT 2
Ein Porträt
Ich suche nach dem Wesen
Anwesend in allem und jedem
Und entdecke die Wahrheit:
Meines ganzen irdischen Lebens
Manchmal überfallen von einem Stolz,
Kämpfend im Buch und Verstand,
Den Einblick gefunden zu haben
Und der Menschheit ein neuer Kant
Genießend diese Leistung
Lese ich in der Zeitung von gestern
Und erschaue mit bedauern,
Dass viele Leute
Meine Entdeckung schon
Abgetan haben wie
So schaffe ich mein Universum
Ja, sie sehen nach meinem Porträt
Ich bin ein intelligenter Mann
In einem unsichtbaren Lichtchen
Für sie niedergesetzt
KURZ ANGEBUNDEN
Ich bin kurz
Angebunden
Füge nichts zu
Es sind auch noch
Kurze Sätze
Bin schon muede
ICH WAR
Ich war
Ich war dort kurz
Und lasse es wieder
Sein wie Luft
Leer
IHR VERGESSENES ICH
Sie geht
Aber dann so langsam
Mit wechselnder Bewußtheit
In immer größere Leere im Heute:
Ein fortschreitendes Leid
Wo Zukunft
Nur eine abnehmende
Vergangenheit kennt
Und ein ungefragtes
Gnadenbrot sendet
Wie verwaist
Geht sie fort in
Nacktes Elend
Wenn auch das Kind
In ihr nichts mehr
Weiß von der Liebe
Oder wie es ist
Geliebt zu werden
Sie sieht, so scheint es
Noch tief in sich selber
Hungert nur und zehrt
Von dem gefühlten Nichts
So ist ihr ich gegangen
Noch wartend
Auf Atemnot
Im nackten Dasein
Die Natur
Nimmt "ihre"Zeit:
Ein Mensch
Wird schon im Leben
In die Ewigkeit gefuehrt
GERADE ERST
Gerade erst
Also
Noch nahe dem Heute
Wurde ich in eine Zeile
Von Schweigen gesogen
Es war eine Übermacht
Von außen oder
Möglicherweise
Unbewußten Gedanken,
Von fast gestorbener Art,
Die mich bis
Vor kurzem belogen
Jedenfalls
Irgendwo wartete
Ein betäubendes Licht:
Ein Gott oder ein Teufel
Lockten mich
Die Ansicht ist mir
Deswegen entzogen
Und es konnte
Nur versucht werden,
Im Schatten,
Einen einzigen Einblick
Zu gewähren
Ich wurde gezwungen
Das Innere zu befragen
MORGENDÄMMERUNG
ICH, DER NICHTNUTZ
SINGE MEIN GEDICHT
Singe mein Gedicht
Mit kräuselnden Lippen
Wie ein wellenförmiger Strom
An milden Ufern entlang
Mit sprießendem Gras
Der mit sich führt
Und finde die Melodie
In einem drehenden Strudel
Dort formen sie,
Abwärts gerichtet,
Einen Klangboden
Wo das Echo lauscht,
Fast unhörbar,
Den frühen Worten
So findet mein Gedicht
Das Lied von Zungen
Es werden neue Sätze
Ins Herz geboren
Welche emporsteigen
Aus dem tragenden Leib
Lasse dich dann gleiten
Auf den Atem
Des Gefühls
Wie in das fließende blau
ICH SCHREIE DEINE TRÄNEN
Ich schreie deine Tränen
EIN NEUER TAG
Es schallt
SO GEHT ES
So geht es
Sagte ich
Und ein Räuspern
War in meiner Kehle
Ja, nickte sie
Es sind schon viele Jahre
Daß ich dich quäle
Zum letzten mal
So geht es
Sagte ich wieder
Sang schöne
Abschiedslieder
WENN DU SAGST
Wenn du sagst
Du bist nicht so schön
Sie erzählen von Liebe
Wenn du sagst
So viele andere
Stehlen dir die Schau
Dann entgeht mir nicht
Welche entsteht aus einem
normalen Gedankenfluß
Wenn du denkst
Du bist nicht des Ansehens wert
Meiner Träume
Meine Seele spiegelt sich
In einem unsichtbaren Gefühl
Das ich nicht in Worte
Wenn ich sage, du bist da
STERBLICHKEIT
Oder in Bescheidenheit
Wie der tote Mensch war oder
Ihm dachten
Nachdem sie ihn behutsam
In die Erde gelegt hatten
Hatte ich in meiner Zeit
Viel zu lange hinausgeschoben
Erkennt wieder
Das alte Denkmal meines Vaters
Bedeckt mit verwittertem Kies
Oder habe ich meine eigene
Sterblichkeit nur verdrängt
DAS SAITENSPIEL
Mit erhitzten und ins
Schwitzen geratenen Köpfen
Wissen wir nicht
Uns zu halten
Du ziehst an
Einem von meinen
Grauen Haaren
Du spielst die
Geige mit
Eigenen Saiten
Mit deinen Fingern
Die streichen und recken
Wagst du mich
Fast zu necken
Es macht mich verrückt
Und verstört keuche ich
Mit deinem Zupfen
Gleich einer alten Geige
Welche knarzt unter
Einer bezaubernden
Spielerin
EIGENE WEGE
Die Leere, deine Leere
Rechne mir nicht an,
Ich bin nicht das Wunder,
VON LIEBE ERWÄRMT
UNTERWEGS NACH NOVGOROD
Der Eisenhammer besiegelt
Sie verschließen
Der Priester singt in
Träger beladen, nur kurz,
ICH RUFE NOCH
KOMM DOCH, KOMM
Einst werde ich dir
Winken und rufen
Komm doch, komm
Um mich selber zu geben
Und dich schweigend
Auf Händen zu tragen
Gebrochenen Finger
Zugleich beherrscht
Von einer Leidenschaft
Flieht fort zwischen
Meinen Lippen
An wem das Leben
Eigentlich nicht frisst
Nichts wissen
Von Verschlammung

