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Deutsche Gedichte von J. Dreyfsandt zu Schlamm 1

TEIL 1
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ICH




Dasjenige was
Du nicht siehst
Bin ich auch
 
Fühlst du etwas
Wenn meine Worte
Anderes zeigen
 
Sie bleiben jedenfalls
Wertvolle Klänge
Manchmal mit
Schwankenden Akkorden
 
Aber nur um dich 
Zu erreichen  






                     
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

GALERIE MIT SELBSTPORTRÄT 1

 
 
Ich skizziere hier
Ein Porträt
Eines großartigen Mannes
 
Obwohl mein Wesenswuchs
Ufert in Gedrungenheit                         
Und meine Finger ähnlich
Klein und dick
Entgeht keiner meine Grossartigkeit
In unschöpferischem Unsinn               
Worin ich nahezu ersticke
 
Meine Liebe, vom Magen gelenkt
Ist basal und primitiv
Sie verübeln mir das nicht
Manchmal drehe ich mich
In glückseligem Komfort
So unendlich tief
 
So schaffe ich mein Universum
Ja, sie sehen nach meinem Porträt
Ich bin eine großartiger Mann
In einem unsichtbaren Lichtchen
Für sie niedergesetzt




Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

GALERIE MIT SELBSTPORTRÄT 2

 
 
Ich skizziere es hier
Ein Porträt
Eines intelligenten Mannes

Ich suche nach dem Wesen
Anwesend in allem und jedem
Und entdecke die Wahrheit:
Ein gang während
Meines ganzen irdischen Lebens

Manchmal überfallen von einem Stolz,
Kämpfend im Buch und Verstand,
Den Einblick gefunden zu haben
Und der Menschheit ein neuer Kant

Genießend diese Leistung
Lese ich in der Zeitung 
von gestern
Und erschaue mit bedauern,
Dass viele  Leute        

Meine Entdeckung  schon
Vor Jahrhunderten
Abgetan haben wie
Ein unbedeutendes Märchen

So schaffe ich mein Universum
Ja, sie sehen nach meinem Porträt
Ich bin ein intelligenter Mann
In einem unsichtbaren Lichtchen
Für sie niedergesetzt

Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

IHR VERGESSENES ICH



Sie geht
Aber dann so langsam
Mit wechselnder Bewußtheit
In immer größere Leere im Heute:
Ein fortschreitendes Leid

Wo Zukunft
Nur eine abnehmende
Vergangenheit kennt
Und ein ungefragtes
Gnadenbrot sendet

Wie verwaist
Geht sie fort in
Nacktes Elend
Wenn auch das Kind
In ihr nichts mehr
Weiß von der Liebe
Oder wie es ist
Geliebt zu werden

Sie sieht, so scheint es
Noch tief in sich selber
Hungert nur und zehrt
Von dem gefühlten Nichts

So ist ihr ich gegangen
Noch wartend
Auf Atemnot
Im nackten Dasein

Die Natur
Nimmt "ihre"Zeit:
Ein Mensch
Wird schon im Leben
In die Ewigkeit gefuehrt


 

Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

GERADE ERST



Gerade erst
Also
Noch nahe dem Heute
Wurde ich in eine Zeile
Von Schweigen gesogen

Es war eine Übermacht
Von außen oder
Möglicherweise
Unbewußten Gedanken,
Von fast gestorbener Art,
Die mich bis
Vor kurzem belogen

Jedenfalls
Irgendwo wartete
Ein betäubendes Licht:
Ein Gott oder ein Teufel
Lockten mich

Die Ansicht ist mir
Deswegen entzogen
Und es konnte
Nur versucht werden,
Im Schatten,
Einen einzigen Einblick
Zu gewähren

Ich wurde gezwungen
Das Innere zu befragen



Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

MORGENDÄMMERUNG

 
 
Die Vögel singen,
So erwartet mein Ohr,
Wenn ich die Türe
Meines Gartenzimmers öffne
Die Welt kommt dann
Nackt herein
So denke ich jedenfalls
 
Es ist eine Henne
Welche ihre rauhen Laute
Hören läßT
Sie weiß wie es ist,
Unbewust,
Aufzustehen bei
Aufgehendem Licht
 
In der Ferne etwas von Lärm
Des frühes Verkehrs
Noch friedfertig ohne Gedröhne
 
Ach ja, dort gibt es einen Spatz
Könnte auch eine Amsel sein
Es macht nichts
Nun in aller Frühe
In einem noch
Schlafenden Garten
 
Es ist solch ein  unbefleckter Augenblick
Im beginn eines Tages
Du kennst ihn auch vom Abend
Aber dann, um die Seele zu reinigen
Und das müssen abzulegen



Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

ICH, DER NICHTNUTZ

 
Ich bin ein Nichtnutz
Mit einem
Gemeinnützigen Ziel
Mühelos geht mir
Das von der  Hand
 
Wirkliche eine
Anlage und keine Strafe
Denn ich bin
Gewünscht unnötig     
In dem Land
 
Und das gibt Ruhe
Für alle Streber
Mit ihrem
Zügellosen müssen
 
Ohne mich
Wären sie verloren
Es gibt ein großen
Bedarf
Sich an mir
Zu stören


Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

SINGE MEIN GEDICHT




Singe mein Gedicht
Mit kräuselnden Lippen
Wie ein 
wellenförmiger Strom
An milden Ufern entlang
Mit sprießendem Gras

Der mit sich führt
Wasserreiche Buchstaben
Gefangen in Noten
Und finde die Melodie
In einem
drehenden Strudel

Dort formen sie,
Abwärts gerichtet,
Einen Klangboden
Wo das Echo lauscht,
Fast unhörbar,
Den frühen Worten

So findet mein Gedicht
Das Lied von Zungen                         
Es werden neue Sätze
Ins Herz geboren
Welche emporsteigen
Aus dem tragenden Leib

Lasse dich dann gleiten 
Auf den Atem
Des Gefühls
Wie in das fließende  blau
Von sanften  Wellen

Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

ICH SCHREIE DEINE TRÄNEN




Ich schreie deine Tränen
Alten Mauern entlang
Wo Pfade kreuzen
Mit verwildertem Efeu
 
Alt und verwachsen
Verraten sie deinen Schmerz
In einem verstummten Gesang
Der schon lange Asche geworden ist
 
Wie gelöschte Feuer
In einer viel zu frühen Stunde
Es holt fortwährend das Heute ein
 
Übrig bleibt ein leeres Gedicht
Auf einer liegenden Grabplatte:
Wie ein unkenntliches Gesicht
In einem verdorrten Beet
 
Ich schreie mit dir deine Tränen
Sie lindern die Falten
In meiner fragenden Hand
 
Ich lasse sie furchtlos fließen
In die warme Erde
Sie werden dann zu Kristallen
Der Liebe




 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

WENN DU SAGST



Wenn du sagst
Du bist nicht so schön          
Sehe ich
Den Glanz deiner Augen
Sie erzählen von Liebe
 

Wenn du sagst
So viele andere
Stehlen  dir die Schau
Dann entgeht mir nicht
Deine gazellenhafte Grazilität
Welche entsteht aus einem
normalen Gedankenfluß


Wenn du denkst
Du bist nicht des Ansehens wert   
Nimmst du mir
Das Gold
Meiner Träume


Meine Seele spiegelt  sich
In einem unsichtbaren Gefühl
Das ich nicht in Worte
Fassen kann
 

Wenn ich sage, du bist da
Erzählt das auch
Meine Lebensgeschichte
Mit ewigen Fragen





Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

STERBLICHKEIT

 
 
 
Im Umfang großartig
Oder in Bescheidenheit
Wie der tote Mensch war oder
 
Die Hinterbliebenen von
Ihm dachten
Nachdem sie ihn behutsam
In die Erde gelegt hatten
 
Mein kommen hierher
Hatte ich in meiner Zeit
Viel zu lange hinausgeschoben
 
Mein suchendes Auge
Erkennt wieder
Das alte Denkmal meines Vaters
Bedeckt mit verwittertem Kies
 
War es sein Tod
Oder habe ich meine eigene
Sterblichkeit nur verdrängt 
 
 
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

DAS SAITENSPIEL





Mit erhitzten und ins
Schwitzen geratenen Köpfen
Wissen wir nicht
Uns zu halten
 

Du ziehst an
Einem von meinen
Grauen Haaren         
Du spielst die
Geige mit
Eigenen Saiten
 

Mit deinen Fingern
Die streichen und recken
Wagst du  mich
Fast zu necken 
Es macht mich verrückt
Und verstört keuche ich
Mit deinem Zupfen
 

Gleich einer alten Geige
Welche knarzt unter
Einer bezaubernden
Spielerin


 

Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

EIGENE WEGE

 
 

Die Leere, deine Leere
Kann ich nicht füllen
Diese ist  tief und zu alt
Ich kann dich nur mit
Einer warmen Decke umhüllen
Aber der Schmerz bleibt
Echt und kalt
 

Rechne mir nicht an,
Wenn ich einen Augenblick
Nicht da bin
Ich kann sagen
Ich liebe dich oder
Dich in ein Rosenbeet legen     
 

Ich bin nicht das Wunder,
Welches alles für dich lindert,
Sondern auch ein Mensch
Mit seinen eigenen Wegen





Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

VON LIEBE ERWÄRMT

 
 
Ich trage  nicht
Fortwährend deine Hand
Und du schaust  wenig
Mein Angesicht an
 
Doch ich verbleibe
In meinem Land                                           
Wo Zuneigung zueinander
Gezeigt werden kann
 
Höre die Worte an, welche
Ich rufe von weit entfernt
Sieh nur in meine Augen
Sie sind von Liebe erwärmt
 
Ein Gefühl ist
Schwierig zu greifen
Aber will sehnsüchtig
Im Inneren reifen





Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

UNTERWEGS NACH NOVGOROD

 

Der Eisenhammer besiegelt
Das letzte Schicksal
Und sinkt wie Donnerschlag
In Wiederholung
Nieder im Totenzimmer;
Sechs Holzbretter,
Überzogen mit einem blauen Fetzen
 

Sie verschließen
Das fortgegangene Leben
Von einem Mann
Mit einer Vergangenheit;
Nun von Nägeln
Ins Dunkle getrieben
 

Der Priester singt in
Einem Nebel von Weihrauch
Über ein jüngstes Gericht,
Das saugt an unserem
Winzigen Dasein
 

Träger beladen, nur kurz,
Die Schultern mit ihm,
Der in die Ewigkeit
Eingegangen ist
 
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

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