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J. Dreyfsandt zu Schlamm : Deutsche Gedichte 5

Teil 5
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Höllenfeuer

deine  Schultern
tragen
eine Winterdecke
 
darunter
 
treibt ein gekreuzigter Leib
unaufhaltsame Tränen aus
zur Lösung von Schmerzen
 
meine Hände
verleugnen

so sind
auch meine Áugen
zugeschlagen
 
denn,
 
ich bin es selbst,
welcher das Feuer
herbeigetragen hat
 
 
+
manchmal bin ich
hungrig und blind,
wenn meine Leere
eine bereits gestorbene
Zukunft findet
+
 
 

Geschreven door Julius Dreyfsandt zu Schlamm om 00:00

Warten auf einen Zug

wann kommt ein Zug vorbei?


er darf natürlich  kurz stoppen
wenn ich rede von einem Gedanken
welcher passiert und mich zu
einigen Bewegungen
meiner Fingerspitzen bringt

oder ein  Bildnis, welches sich
sanft hinlegt zu mir
woraus ich Einsicht habe
auf  hinreichende Buchstaben
welche Worte bauen können
aus einem schaffenden Brei

und Zeilen zieht
über weißes Papier
welche kundtun
ein reimendes
oder prosaisches Ereigniss

wo in etwa auch
ein Gefühl entgegnet wird
mit dementsprechenden Farben

in der Hoffnung, dass in allem zusammmen
auch etwas musikalisch erweckt wird,
nicht zum Entwerfen eines Gitters
doch dass die Phantasie von manch einem
mühelos ausgeweitet werden kann


 

Geschreven door Julius Dreyfsandt zu Schlamm om 00:00

Nach Wert schätzen

was ich schreibe
geht dich nichts an
du wirst es  ja
doch nicht berühren

du sollst meine
Gedanken
nicht verstehen
können,
wenn ich erzähle
von meinem Traum;
das Suchen
nach Gefühl

dann kann ich
noch so viel deuten
du bleibst immer ahnungslos
von dem, was ich meine

aber sag mir,
was bewegt dich

ich weiß,
es geht mich
nichts an,
nur du kennst
den wahrhaften Wert

wenn du dann doch
deine Worte seufzst,
verdampfen sie
gleich Tropfen
und fahren später nieder
wie verwässerte Phrasen
zurück zur Erde

 

 

Geschreven door Julius Dreyfsandt zu Schlamm om 00:00

Ein Schlager von Julius: Durch zärtliche Lüfte

Mädchen,
ich glaube an dich
du, von so weit her

la la tra la la la
 
ich denke
über unsichtbare Grenzen
denn du hörst nicht,
was ich sage
von unserem Zweck

tra tra tra la la la la
 
aber meine Gedanken rasen
durch zärtliche Lüfte
umhüllend
rühren sie dich an

la la
 
du empfindest mithin
doch in Herz und Seele
dass ich, ja gerade ich,
mit dir die Welten teile

lalalala tralalala
küsslala


 

Geschreven door Julius Dreyfsandt zu Schlamm om 00:00

Der Gongschlag

Auf dem großen stillen Platz
des Himmlischen Friedens
strecken sich tausende
Arme nach rechts
 
Die Köpfe linksgerichtet
so befiehlt es der Gongschlag
in seinem schallenden Flehen
 
Man hört die Muskeln spannen
wenn das Spiegelbild befohlen wird
im Echo der bronzenen Klänge
 
Den Rhythmus der Schläge
erkennt man im Atmen der Steine           
 
Der herabhängende Zirkel
mit Geräusch erzählt,
dass der chinesische Tag
nach der ewigen Tradition
angefangen hat.
 
Geschreven door Julius Dreyfsandt zu Schlamm om 00:00

Das Hohe Lied

in meinem Hohen Lied
über Liebe
sprüht es gewaltig
Trompetgeschall
Stimmen brüsten sich 
mit Klängen
rauh gestöhnt von meiner
voce particolare

der eine mit Glotzaugen
der andere mit starren Augen
erfahren wir die Liebe
"Hosianna gehört dazu"    
 
wie können wir das erklären
die ewige Gier,
die andauernden Bauchkrämpfe
das Füttern der unsichtbaren
Schmetterlinge
und der fortfahrende Durchfall
sind nicht nur allein von heute

so jauchzen wir wegen
das zärtliche Gefühl
reisen  in der Welt herum
können Bäume ausreißen
und Wüsten durchkreuzen
wir lassen alles stehen
und liegen 

*

an der Straßecke
sehe ich die Frauen
mein Hohes Lied, meine Gier

könnte ich sie
doch einmal erreichen
warum bleibe ich
für meine grosse Liebe
nur entweichende Ballonluft

 

 

Geschreven door Julius Dreyfsandt zu Schlamm om 00:00

Einbildung

wie trocken waren meine Lippen
wenn ich, letzten Endes, durstig     
kostete von verstaubter Weisheit

zähneknirschend ging
mein Weltbild in die Brüche
von leeren Blasen zugedeckt

suchte wiederum,
ähnlich dem Mensch,
ein anderes Schattenbild

welches auch in meiner
verspiegelten Vitrine
verweilte

ich war der Zeuge
meiner Schöpfung
und konnte wieder
den Gesichtskreis
erklären

 

Geschreven door Julius Dreyfsandt zu Schlamm om 00:00

Der schönste Tag

ich war jung
und suchte die Zukunft
nicht im Heute

jetzt suche ich
den schönsten Tag
in meiner Vergangenheit,
nun, da  ich grauer bin

oder wird der Jüngste Tag
eine Schönheit bringen,
welche ich noch nicht kenne

wenn ich alle Glücksaugenblicke
sammle,
würde ich dann einen
Zeitraum von vierundzwanzig Stunden
völlig füllen

oder werde ich eher
die Momente von Liebe
hegen und umhüllen

 

Geschreven door Julius Dreyfsandt zu Schlamm om 00:00

Ad Tempus (Zeitweilig)

ich fühlte Ruhe
als Geflüster
die Ohren entlang
blies und fragte:
gehst du mit

mit mir
nur so
fliegend entfliehen

*

erstaunlich,
dass es mich
beruhigte mit
Vergänglichkeit


ich wusste nicht, 
dass es mein
Inneres war
welches sich selber
ein Lebewohl küsste

 

 

Geschreven door Julius Dreyfsandt zu Schlamm om 00:00

Ich kann dich nicht ausstehen

ich kann dich nicht ausstehen
heute fasel ich nicht herum
habe keinen Schwung,  das zu tun
nicht, dass es mich kümmert,
wenn ich einigen Unfrieden höre

da gerät auch nichts in Verlust
zerbricht keinen Bohrer oder
hat ein verschlicktes Ohr
nein, meine Gedanken sind unflätig

und dann muss man schweigen
keine ellenlangen Reimchen auffädeln
von Seufzen oder einmal schnaufen vor Aufregung

damit gehe ich nicht deine Seele bedrohen
mein Beitrag ist deswegen kurz
sozusagen ein leerer Teller
vor dem ein Schwein nicht grunzt

o ja, das kann ich sicher sagen
ohne mein Gewissen zu quälen

"ich kann dich nicht ausstehen",
das hört sich vielleicht etwas krude an

es musste einfach raus
in der Hoffnung, dass du dich nicht ärgerst

 

 

Geschreven door Julius Dreyfsandt zu Schlamm om 00:00

Alte Liebe

erzähle nicht weiter die Worte, bei  denen ich schweige
sie sind vermisste Gedanken von damals
sie streifen ständig von Fühlen zum Tun

möchte sie in gesalzener Feuchtigkeit offenbaren
wozu ich so ab und zu
oder eigentlich, doch ja häufig neige,
um einen beleuchteten Schatten
nachträglich mit Speichel zu erklären

ich würde von der Birke mit folgsamen Ranken
die geerdeten Wurzeln zärtlich küssen,
als ob Sehnsucht das schwelende Feuer
mit trockenen Lippen beschwichtigen kann

und die Rinde nicht die Partitur adern wird
von loderderden dumpfen Klängen

höre nicht die Augenblicke, von denen ich schweige
sie  tragen die Flanken, welche eine alte Liebe erben

 

 

Geschreven door Julius Dreyfsandt zu Schlamm om 14:14

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