Das Hohe Lied
in meinem Hohen Lied
über Liebe
sprüht es gewaltig
Trompetgeschall
Stimmen brüsten sich
mit Klängen
rauh gestöhnt von meiner
voce particolare
der eine mit Glotzaugen
der andere mit starren Augen
erfahren wir die Liebe
"Hosianna gehört dazu"
wie können wir das erklären
die ewige Gier,
die andauernden Bauchkrämpfe
das Füttern der unsichtbaren
Schmetterlinge
und der fortfahrende Durchfall
sind nicht nur allein von heute
so jauchzen wir wegen
das zärtliche Gefühl
reisen in der Welt herum
können Bäume ausreißen
und Wüsten durchkreuzen
wir lassen alles stehen
und liegen
*
an der Straßecke
sehe ich die Frauen
mein Hohes Lied, meine Gier
könnte ich sie
doch einmal erreichen
warum bleibe ich
für meine grosse Liebe
nur entweichende Ballonluft
Sich umsehen nach Morgen (2)
Ich sehe mich um
Nach Morgen
Wo das Licht
Noch fleckenlos ist
Fühle mich dann
In der Zukunft
Geborgen
Eine Erwartung
Ohne Not
Was ich dir wünsche
ich möchte dir
gerne schenken
das Wunder
in dich selber
unantastbar,
nicht zu kränken
geh deinen Weg
in milder Stille
ohne ein belastetes
Gewissen
doch mit einem
friedfertigen Willen
FOTO
Einbildung
wie trocken waren meine Lippen
wenn ich, letzten Endes, durstig
kostete von verstaubter Weisheit
zähneknirschend ging
mein Weltbild in die Brüche
von leeren Blasen zugedeckt
suchte wiederum,
ähnlich dem Mensch,
ein anderes Schattenbild
welches auch in meiner
verspiegelten Vitrine
verweilte
ich war der Zeuge
meiner Schöpfung
und konnte wieder
den Gesichtskreis
erklären
Der schönste Tag
ich war jung
und suchte die Zukunft
nicht im Heute
jetzt suche ich
den schönsten Tag
in meiner Vergangenheit,
nun, da ich grauer bin
oder wird der Jüngste Tag
eine Schönheit bringen,
welche ich noch nicht kenne
wenn ich alle Glücksaugenblicke
sammle,
würde ich dann einen
Zeitraum von vierundzwanzig Stunden
völlig füllen
oder werde ich eher
die Momente von Liebe
hegen und umhüllen
FOTO
Ad Tempus (Zeitweilig)
ich fühlte Ruhe
als Geflüster
die Ohren entlang
blies und fragte:
gehst du mit
mit mir
nur so
fliegend entfliehen
*
erstaunlich,
dass es mich
beruhigte mit
Vergänglichkeit
ich wusste nicht,
dass es mein
Inneres war
welches sich selber
ein Lebewohl küsste
Ich kann dich nicht ausstehen
ich kann dich nicht ausstehen
heute fasel ich nicht herum
habe keinen Schwung, das zu tun
nicht, dass es mich kümmert,
wenn ich einigen Unfrieden höre
da gerät auch nichts in Verlust
zerbricht keinen Bohrer oder
hat ein verschlicktes Ohr
nein, meine Gedanken sind unflätig
und dann muss man schweigen
keine ellenlangen Reimchen auffädeln
von Seufzen oder einmal schnaufen vor Aufregung
damit gehe ich nicht deine Seele bedrohen
mein Beitrag ist deswegen kurz
sozusagen ein leerer Teller
vor dem ein Schwein nicht grunzt
o ja, das kann ich sicher sagen
ohne mein Gewissen zu quälen
"ich kann dich nicht ausstehen",
das hört sich vielleicht etwas krude an
es musste einfach raus
in der Hoffnung, dass du dich nicht ärgerst
Gegensätzlich
ich entdeckte
einen Schritt zur Seite
gleich
etwas neues
während der Schlamm
mich aufsog
bei Ebbeströmung
Jasper van der Sandt
in meinem Land herrscht
das Grau
Früher
Winter genannt
der Schöpfer dachte
ich sende dem alten Dichter
einen Enkelsohn
Jasper ist sein Name,
es geschah gestern
Alte Liebe
erzähle nicht weiter die Worte, bei denen ich schweige
sie sind vermisste Gedanken von damals
sie streifen ständig von Fühlen zum Tun
möchte sie in gesalzener Feuchtigkeit offenbaren
wozu ich so ab und zu
oder eigentlich, doch ja häufig neige,
um einen beleuchteten Schatten
nachträglich mit Speichel zu erklären
ich würde von der Birke mit folgsamen Ranken
die geerdeten Wurzeln zärtlich küssen,
als ob Sehnsucht das schwelende Feuer
mit trockenen Lippen beschwichtigen kann
und die Rinde nicht die Partitur adern wird
von loderderden dumpfen Klängen
höre nicht die Augenblicke, von denen ich schweige
sie tragen die Flanken, welche eine alte Liebe erben
Femme Fatale
stramm streckt sich
der Schleier
ihren dürren Leib entlang
wo Raum
schrumpft bis an
eine schmale Enge
und Knochenbeine
eine lange Wiedergabe sind
einer verwundbaren Länge
eine Frau mit
entsprießenden Brüsten
in einer schlichten Grazie
mit nackten Füßen
wer möchte nicht
ihren hervorquellenden
quengeligen erhabenen
Augen begegnen
doch,
in einem
vorbeigehenden Moment
wird mancher Mann
sich selber
zusammemkrampfen sehen
und nicht sie,
doch sich selbst
beschimpfen
Ein Eremit
bin ich zu einem
Eremiten entartet
wenn ich schweigend spreche
von meinen Gedanken
welche manchmal,
so dem Menschen zu Eigen,
ein Geheimnis zu
bewahren scheinen
es sind oft
vollkommene Worte
welche bereits verdampfen
ehe sie meine Zunge
berühren
aber in
dem Weltall von Stille
kann ich unbeschränkt
die ganze Schöpfung
begeistern
1) Aufgeklärt .............. 2) Aufklärung
1) Aufgeklärt
in dem Maße
wie die Zeit sich verwischt
betäubt
die Ursache
wenn auch noch
das Denken sich verzögert,
eröffnet die Einfachheit
seine Aufgabe
2) Aufklärung
wenn meine Seele weniger sucht
nach Gebärden welche Worte aus Staub tragen
und Licht meinen Schatten nicht mehr verdammt
wird der Geist allmählich befreit von Fragen
Mensch, wer bist du?
wenn Farben blühen
das ganze Jahr hindurch
Liebe schließt keine Türen
im Einklang mit
dem Rhythmus der Saisons
oder zergeht im Himmelsnass
falls Schnee oder Hagelkorn
Recht sprechen ohne Verhör
es befeuchten auch nicht
Tränen einen toten Teppich
ausschließlich
wenn der Herbst sich senkt
über Alleen
Kühle kennt keine Zeit
stößt dem Mensch zu,
wenn das Leben
am Inneren reißt
oder die Seele die Machtlosigkeit
vertreiben will
sobald unsere natürliche
Einsamkeit im Übermaß gedeiht
Du, der du kommst
während du reist
unterwegs nach
deinem Namen
treibst du unter
einem klopfenden,
eroberten Frauenherz
wie federleichtes Gewicht,
nach Anerkennung
in einer geborgenen Finsternis,
zusammen
im Singular startest
zurück in den Boden
und deine Tage
welche bald geboren
werden
begegnest,
wirst du einem
ewigen Wert
angehören
Der Ferne nahe....
wird mein Boden
unter den Füßen dunkel
dass der Geist
eine andere Route wählt
oder Absätze
kleben an der Erde
und Schönheit versagt in ihrem
eigentlichen Wert
es ist Gehen über eine Brücke
ebenso schwer wie das Erklimmen
des losen Dünensandes
um oben auf der blanken Spitze zu sehen
dass der Gesichtskreis verpackt scheint
in eine dunkle Ferne
Ich liebe die Stille
besinnlich verteil
habe ich die Stille lieb,
so lieb
wo fortschreitende Zeiger,
vergangene Erwartungen
verwinden
dass ich immer öfter
ältere Früchte anbaue
in Erwartung der Nacht,
welche endgültig
auf mich wartet
in meinem Abend
und fühle mich erwärmt
von dem Lächeln
deines Kindes
besinnlich verteil
habe ich die Stille lieb,
so lieb

