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J. Dreyfsandt zu Schlamm : Deutsche Gedichte 5

Teil 5
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ICH DICHTE NICHT (2)

 
 
Der Lenz hat mich befruchtet
Kann das gewiss sagen
Ohne nach Worten zu fragen
 
Es wird unumstritten
Mit dem atem ausgestöhnt
Oder ab und zu
Ist es wie ein Darmwindchen lassen
 
Dass ich noch eine Feder brauche
Ist nur für die Romantik
Eigentllich geht es bei mir nicht weiter
Es aus dem  Finger zu saugen
Wartend auf eine phänomenale Lyrik
 
So einfach kann Schreiben sein
Ich bin kein Wörterritter
Aber glaube an mich selber
Bin deutlich nicht ein kritischer
Reimeschmied
Ich möchte nur sagen
 
Nein, ich dichte nicht
 
 
 
 

 
Geschreven door Julius Dreyfsandt zu Schlamm om 12:03

MEINE STERBENDE SEELE

 
 
 
Mit dem letzten Zug
Ist auch meine
Seele verschwunden
 
Ich rief noch und winkte,
Fühlte Flüssigkeit
In meinen Augen
 
Der Arm war kurz,
Meine Hand zu klein
Um nach der Ferne zu greifen;
Ich hörte, heimlich
Den Teufel jauchzen
 
Was kann die Leere,
So eingebunden,
Endlos weit scheinen
 
Ich weiß,
Nur ich kann
Innerlich sterben,
Vielleicht mich
Ins Leben vergraben
 
Erst dann komme ich,
Am Ende,
Mit mir selbst
Ins Reine
 
 

 
 
Geschreven door Julius Dreyfsandt zu Schlamm om 12:01

CATWALK

 
 
 
Mit wiegenden
Herausragenden Hüften
Versucht die Vorführdame,
Grazil programmiert
Über die ausgeschlagene
Landepiste zu laufen
 
Während die Voyeure,
Wie ich,
Eine  anorektische
Wasserjungfer bestaunen                                         
 
Ausgestattet mit in Haut
Abgepackten runden Knöpfen
 
Mit einem  Lächeln
Aufgesetzt auf zwei Wangen                                        
Sieht sie durch mich hindurch
 
Sie trägt einen  modischen
Aufwischlappen
Unter dem ihre leicht
Mitgenommenen Glieder wohnen
 
Welche wohl auf hohen Absätzen
Es muss gesagt werden, dezidiert
Vorwärts schreiten
 
 
 
 

 
Geschreven door Julius Dreyfsandt zu Schlamm om 11:57

ICH TRAGE DICH

Ich trage dich
Bis an den kahlen Felsrand
Ein gähnendes Loch
Dominiert unsere Sicht
 
Sehr nah, nach unten,
Eine  steile Wand
Weiter weg zeigt der Himmel
Seine immense Wichtigkeit ;
 
Ein sich unendlich
Ausdehnendes Gewölbe
Welches mein Bestehen verengt,
Ungreifbar für mich als Mensch
 
Meine Gedanken werden
Allmählich, wie gezwungen,
Ins Innere gerichtet,
Suchend nach einem
Letzten Wunsch
 
Der Abschied fällt schwer
Nicht nur im Geist
Oder in deinen Augen
Auch in dem letzten Schritt
Auf dem unvollkommenen Pfad
 

Ich bin fertig,
Du jedoch noch mehr    
 
 

 

Geschreven door Julius Dreyfsandt zu Schlamm om 10:26

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