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J. Dreyfsandt zu Schlamm : Deutsche Gedichte 5

Teil 5
akke.beakke.be

Archief

Das Hohe Lied

in meinem Hohen Lied
über Liebe
sprüht es gewaltig
Trompetgeschall
Stimmen brüsten sich 
mit Klängen
rauh gestöhnt von meiner
voce particolare

der eine mit Glotzaugen
der andere mit starren Augen
erfahren wir die Liebe
"Hosianna gehört dazu"    
 
wie können wir das erklären
die ewige Gier,
die andauernden Bauchkrämpfe
das Füttern der unsichtbaren
Schmetterlinge
und der fortfahrende Durchfall
sind nicht nur allein von heute

so jauchzen wir wegen
das zärtliche Gefühl
reisen  in der Welt herum
können Bäume ausreißen
und Wüsten durchkreuzen
wir lassen alles stehen
und liegen 

*

an der Straßecke
sehe ich die Frauen
mein Hohes Lied, meine Gier

könnte ich sie
doch einmal erreichen
warum bleibe ich
für meine grosse Liebe
nur entweichende Ballonluft

 

 

Geschreven door Julius Dreyfsandt zu Schlamm om 00:00

Einbildung

wie trocken waren meine Lippen
wenn ich, letzten Endes, durstig     
kostete von verstaubter Weisheit

zähneknirschend ging
mein Weltbild in die Brüche
von leeren Blasen zugedeckt

suchte wiederum,
ähnlich dem Mensch,
ein anderes Schattenbild

welches auch in meiner
verspiegelten Vitrine
verweilte

ich war der Zeuge
meiner Schöpfung
und konnte wieder
den Gesichtskreis
erklären

 

Geschreven door Julius Dreyfsandt zu Schlamm om 00:00

Der schönste Tag

ich war jung
und suchte die Zukunft
nicht im Heute

jetzt suche ich
den schönsten Tag
in meiner Vergangenheit,
nun, da  ich grauer bin

oder wird der Jüngste Tag
eine Schönheit bringen,
welche ich noch nicht kenne

wenn ich alle Glücksaugenblicke
sammle,
würde ich dann einen
Zeitraum von vierundzwanzig Stunden
völlig füllen

oder werde ich eher
die Momente von Liebe
hegen und umhüllen

 

Geschreven door Julius Dreyfsandt zu Schlamm om 00:00

Ad Tempus (Zeitweilig)

ich fühlte Ruhe
als Geflüster
die Ohren entlang
blies und fragte:
gehst du mit

mit mir
nur so
fliegend entfliehen

*

erstaunlich,
dass es mich
beruhigte mit
Vergänglichkeit


ich wusste nicht, 
dass es mein
Inneres war
welches sich selber
ein Lebewohl küsste

 

 

Geschreven door Julius Dreyfsandt zu Schlamm om 00:00

Ich kann dich nicht ausstehen

ich kann dich nicht ausstehen
heute fasel ich nicht herum
habe keinen Schwung,  das zu tun
nicht, dass es mich kümmert,
wenn ich einigen Unfrieden höre

da gerät auch nichts in Verlust
zerbricht keinen Bohrer oder
hat ein verschlicktes Ohr
nein, meine Gedanken sind unflätig

und dann muss man schweigen
keine ellenlangen Reimchen auffädeln
von Seufzen oder einmal schnaufen vor Aufregung

damit gehe ich nicht deine Seele bedrohen
mein Beitrag ist deswegen kurz
sozusagen ein leerer Teller
vor dem ein Schwein nicht grunzt

o ja, das kann ich sicher sagen
ohne mein Gewissen zu quälen

"ich kann dich nicht ausstehen",
das hört sich vielleicht etwas krude an

es musste einfach raus
in der Hoffnung, dass du dich nicht ärgerst

 

 

Geschreven door Julius Dreyfsandt zu Schlamm om 00:00

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