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J. Dreyfsandt zu Schlamm : Deutsche Gedichte 5

Teil 5
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Archief

Lebe wohl Sommerernte


 
Wenn  das Verfärben
der Blätter
noch vor dem Fall
seinen Anfang nimmt
 
und das Herbstgrau
die Ruhe einläutet
um sich an Tod
und Auferstehung
zu gewöhnen
 
entfremdet der Mensch
sich oft schnell
der Sommerernte
und wird den Verfall
plötzlich erkennen
 
morgen besteht
nur noch in Hoffnung,
in Worten und Träumen
 
*
 
wird er, lediglich, so durch
das Stillwerden gelotst?
 
 
 
Geschreven door Julius Dreyfsandt zu Schlamm om 15:04

Blinde Sehnsucht

 

immerfort
erwarten
 
ist versuchen
eine losgelöste Vergangenheit,
wohl oder nicht gewollt,
in Schmerz wieder zu finden
 
und erscheint
Einsamkeit aufs neue
 
wenn das Sterben sich dann herlebt
und meine Seele sich spiegelt
an der blinden Linde
 
wird  niemals
das irrende Echo vergehen
welches die Sehnsucht
in der Zukunft webt
 
 
 
 
 
Geschreven door Julius Dreyfsandt zu Schlamm om 20:00

Zwischen weiten Lidern

 
 
 
zwischen weiten Lidern
sehe ich klares Blau                                        
sie sind etwas runder als normal
 
doch sind sie wie üblich umrändert
von einer dünnen haarigen Hecke
noch beschützend, aber grau
 
es sagt etwas von meinen Augen
und dem sprechenden Klang
wovon ich erzähle
 
pass auf, sie betreten nicht nur so
einen willkürlichen Weg
ohne Anspannung werden sie zugleich:
 
gewogen, bewundert,
oder zentrifugal
zu meiner Ferne gesogen
 
die Falten, breit gefüttert,
sowohl oben wie unten
die sichtgebärende Fähigkeit  
 
sind  himmlisch tief gerunzelt                   
und irdisch ebenso, aber
mit Hängesäcken besetzt
 
die Blickfänger
stellen Spiegel im Sand
und laden das Heute
besonders bei tagendem Licht
 
manchmal, ja dann und wann
werden sie getrübt von
unvermeidbarem Seelengewicht
 
 
 
 
Geschreven door Julius Dreyfsandt zu Schlamm om 20:00

Der Geruch des Widerhalls

 
 
die Lippen
pressen sich
noch einmal zusammen
 

versuchen hinter
meiner geschlossenen Tür
zum Abzug zu blasen
 

ich möchte noch,
noch eine letzte Ehre
planen
 

aber der tiefe Ton,
quälend langsam steigend,
scheint schon schwarz von Farbe
 

in der Ferne höre ich dich
auf den Widerhall lauern
mit "Amen" in seinem Geruch
 
 
 
Geschreven door Julius Dreyfsandt zu Schlamm om 19:59

Meine Ungeduld

 
 
die Zeit steht still
so bemerke ich nebenbei
 
doch mein stimmlicher Ton
verrät einigen Ärger,
überträgt deshalb die Unruhe
einer anschwellenden
inneren Unbequemlichkeit
 
ähnlich dem
quengeligen Gedröhne
einer Horde anstürmender
Pferde im Galopp
 
meine eigene Ungeduld
brennt mir,
für Kennerblicke merkbar,
unter den Füßen
 
gewiss, wenn Warten
mich irritiert
gleich der schleppenden
Gangart einer noch
lebendigen Schnecke
 
 
Geschreven door Julius Dreyfsandt zu Schlamm om 19:57

Der Mythos von Fatuma

 
 
Sie, Fatuma, versucht
hinter ihrem Gazeschleier
gleich einer fahrenden Pagode
sich stützend auf ihre Flöte
wie eine reizende nützliche Braut
die Götter zu verführen
wenn sie von ihren
finsteren äußersten
Sehnsüchten erzählt
 
um damit die himmlischen Heerscharen
in eine irdische Verlockung zu bitten
so daß sie, Fatuma, ihre Saat
im sprechenden Staub gebären würde
wo jede willkürliche Macht
umgeschaltet werden kann in ihre Gebote
die erschöpften Götter sie                           
als alleinige Allmächtige
erklären würden
 
also geschah...
mit weiblicher Geduld
dass nicht nur die Bärte
aber auch die Mitgöttinnen
mit seligen Brüsten,                           
unbeschwert von befruchtenden Säften
umhüllt wurden mit ewiger Schuld;
ihre Grossartigkeit zu akzeptieren
 
 
 
 
Geschreven door Julius Dreyfsandt zu Schlamm om 19:55

Der schwangere Schatten

 
 
stellst du dich mit mir unter,
möchtest du?
hier,
unter meinem Schmetterlingsbusch
welcher rosa verziert ist
 
die Zweige hängen
etwas schwer
mit  himmlischer
Feuchtigkeit  bedeckt
 
sie schenken uns
den schwangeren Schatten
wo ein leichter Duft 
seine Blüte feiert
 
und wirklich,
eine aufgehende Passion
erweckt wird
 
ich lecke den roten
süßlichen Geschmack
deiner Lippen
 
wenn dem Mund entlang
das Grün einige Tropfen
nach unten gleiten lässt
 
von diesem Saft möchten
unsere Zungen
rhythmisch nippen
 
wird es uns
in flüchtige
Höhen führen?
 
Geschreven door Julius Dreyfsandt zu Schlamm om 19:54

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