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J. Dreyfsandt zu Schlamm : Deutsche Gedichte 5

Teil 5
akke.beakke.be

Archief

Den Sehkreis Überschreiten

 
 
laufe wieder verloren  
im eigenen Land
rückwärts schauend
oder im Kreis laufend
nach vorn
 
oder sitze ich
hinter Schloss und Riegel
wo keiner mich kennt
und auch ich mich
selber nicht verstehe
 
gewöhne ich mich je an das
 
es scheint
zielloses Fischen
mit Köder ohne Angel
wo ein Fremder
meine Gedanken lenkt
 
es ist herumirren
in Gewölben
überfüllt oder von
Leere erschöpft
ich werde gezwungen
Finsternis auszuheben
 
*
hinter Gittern
von Übermacht
höre ich das
Orakel sprechen:
 
"erkenn dich selber"
 
ach, könnte ich doch atmen
unter einer bleischweren Decke
*
Geschreven door Julius Dreyfsandt zu Schlamm om 00:00

Mein Spiegelbild (Einakter für zwei Personen)

 
 
Mein Spiegelbild
 
jouw spiegelbeeld
 
meine matten Augen
starren durch das Fenster
wo nichts
und alles zu sehen ist
hier schein ich
offensichtlich
im luftleeren Raum
aufgestiegen
 

je fletse ogen
staren door het raam
waar achter niets
en alles is te zien
hier, lijk je,
ogenschijnlijk,
in het luchtledige
opgegaan
 

vor mir steht Kaffee,
auf einem Tisch:
eine große braune
quadratische Fläche
in einem verkommenen
Herrenlokal mit
altmodischem Ornament
wo alle Menschen sind
aber einander nicht erkennen
 
voor je staat koffie,
op een tafel,
een groot bruin
vierkant vlak
in een verlopen
herencafé met
ouderwets ornament
waar iedereen is
maar elkaar niet kent
 

in diesem Lokal, braungeraucht
sehe ich im Glanz eines Fensters:
ein reflektierendes Selbstbild
es ist das einzige,
das ich, unabsichtlich,
mit dir teil
 
in dit lokaal, bruin gerookt
kijk jij in de
glans van een ruit:
een weerkaatsend eigenbeeld
het is het enige
dat jij, onbedoeld,
met mij deelt
 
 
 
Geschreven door Julius Dreyfsandt zu Schlamm om 00:00

Cecile, Komtesse von Brugge

 

ich tanze mit Ihnen
würdige Komtesse
des Abends
 
es klingt die Melodie
welche uns bewegen lässt
 
dem Rhythmus folgend
eines mir in diesem Moment
entsprießenden Liedes 
 
so können
unsere beiden Leiber
gezeichnet von der Zeit
 
kurz 
 
in einem frohen
Weitergehen
verweben
 
Geschreven door Julius Dreyfsandt zu Schlamm om 00:00

Der süße Wind

 
 
 
der süße Wind streicht
mit Genuss die Wangen
während einer
betastenden Sehnsucht
 
er streichelt die Haut
mit sanfter Hand
und ich, winkend nach Möwen,
werde gebadet getragen
im warmen Sand
 
über  mir spreizt sich
in Azur
die himmlische Weide,
weit und sprachlos rein
 
in mir treiben
noch gelegentlich,
einzelne Wolken
 
bis auch sie vergessen,
das irdische Denken
darzustellen
 
es darf so sein
 
 
Geschreven door Julius Dreyfsandt zu Schlamm om 00:00

GEHE DOCH

Gehe doch
Flüstert
Meine innere
Stimme

Ich will den Ruf
Nicht vernehmen

Du bist durch
Die verstrichene Zeit
Gekrochen

Dauernd eine Mischung
Atmend
Von Abstoßen und Hoffen

Meine Hände rühren
Noch kurz an deiner Haut

Die Seele empfindet
Mit Abneigung
Eines abwesenden Tones

Gehe doch
Schweigen meine Lippen

*

Ich habe nicht gelernt
Eine Nabelschnur
Durchzuschneiden

Geschreven door Julius Dreyfsandt zu Schlamm om 22:37

UMNEBELTE LEINWAND

 
 
Das Grün sieht
Mich fragend an
Aus einer Palette
Mit Gras, Bäumen
Und Sträuchern
 
Oder werde ich
Zutiefst beeindruckt
Da der Regen mich vom
Lebendigen Saft riechen lässt
 
Wenn die umnebelte Leinwand
Mühelos eine Komposition
Skizziert im stillem Morgen
 
Und der Zusammenhang
Von Tönen
Worte verstummen lässt
Wo alles sich selber
Von sich aus lieb hat
 
Und natürlicherweise
In geräuschlosem Wachsen
Geborgen scheint
 
 
 
 
 
Geschreven door Julius Dreyfsandt zu Schlamm om 16:37

ICH, WIE EIN SAUGENDER GELIEBTER

 
 
Ich sauge immer
Weich und träge
Vom süßen Blut
 
Auch liebevoll,
Kann man sagen,
Wie das nur
Ein echter Geliebter tut
 
Aber es ist so
Stöhnt der sterbende Floh
Meine Zeit des Scheidens
Ist gekommen
Immer mehr
Treffe ich den
Versauerten Menschen
 
Und wenn ich am Ende an dir            
Begann zu schlürfen
Wusste ich es gewiss,
 
Der Missmut
Lässt sich nicht mehr
Bezähmen
 
Für mich gibt es
Keinen neuen Lenz
 
 
Geschreven door Julius Dreyfsandt zu Schlamm om 16:35

MEIN FLACHES LAND

 
 
An den niedrigen
Sumpfigen Feldern vorbei
Scheuert der Fluß
 
Welcher manchmal
Die Ufer mit Kraft verführt,
Über alle Maßen,
Wie nur ein Mann das kennt
 
Aber auch in fast
Streichendem Wogen
Gleich  wie eine Frau
Mir ihre Lippen schenkt
 
So ist mein flaches Land
Unvorstellbar beweglich
Wie Liebe und Hass
 
Fortwährend suchend
Nach einem Treffen
In trockenem oder
Eingeweichtem Gras
 
 
Geschreven door Julius Dreyfsandt zu Schlamm om 16:28

DIE GLASZEIT

 
 
Obschon überdacht und getragen
Von Himmel und Erde
Und beschützt von
Vier zierlichen Säulen
 
Hat der Sandfilter der Zeit
Äußerlich gehüllt
In das Gold der Armen 
 
Eines für mich unbekannten Tages
Aufgehört
Die fortschreitenden Minuten
Träge aufbauend zu sammeln
 
Ich sehe ihn
Zwischen Vergangenheit allerlei Art
Unterdessen doch ausrangiert,
Wie kann seine Anwesenheit
Hier erklärt werden.
 
Sicher, der Glaskörper
Hat sich den Blicken entzogen,
Zertrümmert in einem Moment
 
Aber wo der Geeichte
Jahrhundertelang
Durch bewegende Handgelenke
In  Schönheit erhoben scheint   
Ist ihm nun                                           
Zwischen beliebigen Überlebenden
Eine vorletzte Ruhestätte zuerkannt
Geschreven door Julius Dreyfsandt zu Schlamm om 16:25

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