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J. Dreyfsandt zu Schlamm : Deutsche Gedichte 3

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TEIL 3

DAS MÄDCHEN

Nicht dass ich sie kennen würde
Denn nie zuvor sah ich ein Bild von ihr
Als mir unverhofft einige Worte
Ja, nur ein paar geschriebene Worte
Von ihr in die Hände fielen
 
In solch einem Augenblick erkenne ich
Dass ich nur ein irdisches Wesen bin
Male mir aus wie sie in Wirklichkeit sein könnte
Nur durch diese Buchstaben, die ich lese
 
Wie würde es Ihnen ergehen, an meiner Stelle
Würden Sie die Nerven behalten
Oder in ein schwarzes Loch fallen
Also, ich schaue still vorwärts
Und bin mir kurzfristig
Dieses Zeitvertreibes bewusst
 
Das Mädchen, wie ein Kryptogramm
Ein nicht alltägliches Ereignis
Ich bekomme das Gefühl
Meinen Verstand zu verlieren
Und wie so oft, beim ausbleibenden Erfolg
Beginne ich unzufrieden
Die leeren Zwischenräume auszumalen
 
Oh ja, sie zählt vierzehn Lenze
Sie hält mich für jemand anderen
Was nicht sehr schmeichelhaft ist
Für mich,  einen ergrauten Herrn
Aber das, was sie in Verse fasst
Sagt mir mehr, sehr viel mehr
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

WENN DAS LICHT TRITT HINEIN

 
 
Das Licht tritt träge herein
Möchte das Schwarz
Unaufgefordert vertreiben
Muss keinen Moment sich besinnen
Dehnt den Raum aus
Um ihn mit Beschlag zu belegen
 
Zuerst noch vereint den Weg gehend
Als unerwünschte Fremde
Mit stoßenden Schatten
Doch gierig wie es ist
Frisst es sich hinein in die Nacht
Aufbewahrend was verzehrt
In seiner alles umfassenden Hecke 
 
 
 

 
 
 
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 14:26

INNENHOF

Um viereckige grüne Erde
Inmitten Galarien von steinernen Säulen,
Die Luftfenster bilden            
 
Höre ich das schlurfende Schreiten
Der rauschenden schwarzen Kutten
In Kolonnen suchend nach Bindung
Um die Erhabenheit zu erfahren
Und Unruhe zu trennen von Entfremdung
 
Wenn die süßen Stimmen sich
Mit mir vermengen
Stirbt allmählich mein drückendes Denken
Damit nichts in mir die noch spürende Stille
Schädigen kann oder möglicherweise ablenken
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 18:03

DER ENGEL DER EINFACHKEIT

Noch früh und beim
Dämmrigen Tagesanbruch
Erschien mir der Engel
Der Einfachheit

Es war ganz unerwartet
Ohne vorausgehende Beratung
Das bewiesen später seine Worte
Auf eigene Faust wurde
Ich von ihm besucht

Sie, Julius, so sprach er mit Ehrfurcht,
Sind ein Muster von Eitelkeit
Noch nie habe ich den Himmel verlassen
Für einen Menschen
Welcher leidet an solcher
Blindheit für seine eigenen Fähigkeiten
Und Überschätzung seines Sein

Mindestens liegt das Fegefeuer in ihrer Perspektive
Obschon eine einfache Reise in die Höle
Bereits zu lesen ist im Kursbuch

Guter Freund, es gibt noch Hoffnung
Sagte er mit gedämpfter Stimme
Höre gut meine Rat
Und suche die Stille

Aber bleibe noch kurz du selber
Es gibt dann noch eine gute Chance
Daß wir zusammen Spaß erleben
Ich sitze nähmlich in der Klemme
Mit meiner Bescheidenheit


 

Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

STILLE STRAßEN

Durch stille Straßen irre ich herum
Hinter einer verblendeten Sehnsucht jagend
Suchend nach etwas, das ich nie fand
In meinen zarten Kinderliedern:

Tanzen zum Morgen
Lachen zu Vögeln
Lediglich himmlische Sorgen
Ich brauchte nur
Schöne Träume zu fangen

An Türen gehe ich vorbei
Zähle sie alle, eine nach der anderen
Dahinter sehe ich Gesichter
Am Tisch sitzend rundum
Erwärmt von sprechendem Licht

Ich weiß bestimmt
Einmal werde ich irgendwo läuten
Nein, sie werden mich herein rufen,
Erzählen von Berührungen
Und vom Springen in Gassen

Ja, so muss es gehen
Und die Leere wird
Mich nicht mehr quälen

 

 

Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

ICH UND DIE OHNMACHT

 

 

 

Ich erzähle von einer inneren Platz,

Von dem die, die wissen, sagen

Dass dort das  Paradies zu finden ist

Von üppigem Lieben mit einer Schönheit,

Unvorstellbar dargeboten

 

Ich öffne scheu meine Türen,

Bekleidet von einem dicken Fell,

Begebe mich auf den Pfad in die

Vorgeschriebene Richtung

Jedoch bei jedem Schritt vergrössert sich

Ein weinerlicher Ton,

Es zeigt sich meine Seele

Schreiend nach einiger Erleichterung

 

Überwältigt von Erbarmen

Möchte ich zu ihr kommen, reiche meine Arme

Aufrichtig und zärtlich weit vorwärts

Würde nichts lieber als wachen wollen über ihr

 

Ich kann es nicht,

Es gibt zu viel Schmerz

Welcher sie umschließt

 

 

 

Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

SCHLIEßE DEINE AUGEN

 
 
Während du schläfst
Versuche ich
Über dich zu wachen
 
Schließe deine Augen
Heute Nacht
Im betrauten Schutz
 
Ich verjage
Die Träume die
Du offensichtlich erwartest
 
Und während ich
Über dein schutzloses
Gesicht blase
 
Wird meine Zärtlichkeit
Rein und leicht
Deinen natürlichen Charme
Verstärken
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

BILDER MEINES TRAUMES

 
 
Ich forme im dunklen Licht
Die Bilder meines Traumes
Sie sind gezielt auf Vollkommenheit
Während ich sie umrande mit Freude
 
Meine Hände geraten gehetzt
Wenn sie nach dem schwarzen Lehm suchen
In welchem die Gedanken geschichtet werden
Bis ich sie ihr gleich geformt habe
 
Ich wage es nicht ihr
Den Morgen zu schenken
Vielleicht sehe ich dann mich selber
 
Werde nur dem Mond kurz zuwinken
Ehe ich mich bei Morgenröte
In Enttäuschung vergrabe
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

SCHWARZE STARE

 

 

Schwarze Stare kreischen die Bäume voll

Grüne Blätter verdampfen in grosser Zahl

Sie wissen jedesmal zu hausen in dem Geäst

Ohrenbetäubend ihre Anwesenheit zu bekunden

Und Stille mir rundum zu vertreiben

 

Sie haben lange Zeit, ich rede von Jahren

Ihre feste Stelle in meinem Gesichtskreis

Prangerte gelegentlich den ungefragten Besuch an

Nicht ewig werde ich sie beobachten, doch

Oft ist es so, daß ich ihr Schreien verfluche

 

Jeden Winter beseitige ich ihre Plätze

In der Erwartung, daß ich ihre Gewohnheiten durchbreche

Aber beim letzten Hauen zerbricht etwas in mir

 

Offenbar berühre ich meinen eigenen Frühling

Nehme  ihnen und mir die jährliche Hoffnung?

Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

DAS LIED VON DER STILLE

 

 

 

Wenn ich das Lied dichte von der Stille

Bewegt sich die Hand auf pulsierenden Schlägen

Werden meine Finger spielerisch gehoben

Und tragen Tinte in das Weltall der endlosen Wege

 

Kein einziges Wort wird aufs Papier geraten

Denn wie zumindest soll ich schreiben

Von einem sanften Baumsäuseln in meiner Vorstellung

Oder davon mit dir in der Vollheit der Leere zu bleiben

 

Wenn ich das Lied von der Stille dichte

Singt die Nacht ihre nicht greifbaren Träume

Und ich höre mir an, was die Finsternis mir andichtet

Es sind schöne Verse, welche uns zugedacht sind




Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

LUFT UND LICHT

 

 

Schaue doch um dich hin

Und sehe meinen Geist

Zaudern und verirren

Er geht und kommt

Und lass dir erzählen        

Von verborgener Schönheit

Von Luft und Licht

Von Lachen

Von Sucht und Sicht

Er nimmt dich mit

Zu hohen Spitzen

Regelmäßig zu

Unbekannten Flops 

Aber meistens

Zu Wärme und Liebe

So tief und gerne

In sauberem Komfort

Schwebe mit, mein Mensch

Treibe mit in den Wolken,    

Wer kennt nicht den Wunsch

Zu strudeln im Genuß

Er führt dich an deiner Hand

Mein Geist verfehlt keinen        

O, von Herrlichkeit übermannt

Verbleiben wir miteinander

 

Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

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