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J. Dreyfsandt zu Schlamm : Deutsche Gedichte 3

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TEIL 3

QUO VADIS

 
Ich sehe mich selber
Durch das Auge von anderen
Das ist  nicht wenig
Ich scheine noch immer
Ein arroganter Bursche
Und auch nicht der Geringste
So zähle ich je mit Strichen
 
Falsche Bescheidenheit
War mir schon Jahren
Ein riesiger Dorn im Auge
Ich zweifelte, kannte viele Abers
Womit ich mich selber fortwährend betrog
 
Doch der Ohrwum sprach:
Wer sind Sie denn wirklich
Fragte er in meinem rechten Ohr
Ich ahne, dass Ihre Gedichte,
Am frühen Morgen die Leere bekennen
Und dann leicht in die Vergessenheit reiten   
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 14:47

WENN ICH NICHT SCHAUE

 
Sie starrt nach meinen Augen,
Immerfort,
Wenn ich nicht schaue
 
Lächelnd,eine ganze Geschichte
Geht auf in der Einbildung
Welche aufs neue geboren scheint
 
Was zeichnet meinen Mund
Welcher offensichtlich
Eine Vergangenheit verrät
 
Sie streichelt den Hund
Welcher sie zurücklässt      
Mit leerem Schoß
 
Und kehrt zurück in ihre Welt                         
In welcher sie wartet auf ihren Mann  
Der ist tot                                            
Sie wurde frühzeitig verlost
 
Der Schmerz krümmt wieder ihren Rücken
 
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 14:45

EIN TRIPTYCHON VON DER VERGÄNGLICHKEIT

 
 
(drei gedichte)
 

Mir bleibt noch übrig........................eine Vergänglichkeit welche sich Nähert           
Einige ungeborene Tränen,...............ich verstumme,
Gefroren gleichwohl sie sind.............als ob der Tod schallt
Und ohne Wert................................wie Eisen, rostig und krumm
 
Sie werden nie................................während ich im Tiefen grabe,
Gleich mit der Sonne.......................mitbeugend zur Erde
In einem verhaltenen Schalten..........wo der Schrei schallt vom Rabe
Geschützt schwinden können...........im Lebensbaum vom Beschwerten
 

 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

DIE GEBURT EINES GEDICHTES

 
 
Ich starre auf diese weiße Fläche
Öffne mich in Erwartung
Von dem was kommt das kommt
Ob es kommt und ob es sich anpasst
In ein  Muster mit
Einem geschriebenen Dach
 
Sehe eine Eröffnung
Sich schüchtern ankündigend
Doch noch verzögernd und maskiert
Leicht und noch wenig verdaut
Ach ja es drängt sich raus
 
Gurgelnd aus
Meiner Kehle kommend
Eine aufkommender Prozess
Von einer startenden
Oder hinterlassenden
Zählebigen Resonanz
Der Geist findet
Seinen Weg aus der Flasche
 
In diesem Präteritum von
Jeder passierten Minute,
Ist mein Morgen eine kreative Kita,                  
Hüpfend noch nach abgegrenzter Höhe
Sehe hier mein tägliches frühes Debüt
 
 
 


 

 
 
 
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 19:06

WENN DIE SONNE MICH RUFT

 
 
Glaube mir
Wenn ich rede von
Meiner gelaufenen Runde
Denke dann
Dass es das Heilen ist
Von einer offenen Wunde
 
Sei nicht bange
Wenn mein Blick stockt
Und mein Weg
Sich totläuft
Und meine Fackel
Noch sparsam qualmt
In einer versteckten Nische
 
Noch einmal werde ich
Meine Braut anschauen
Die gekleidet ist in einem
Schwarzen Kleid
 
Sie geht mit der Fahne
Voran in dem Zug
Bis  der Himmel spricht
Von den ewigen Sonne
Die Vergangenheit ist
Dann endgültig
 
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 19:02

UND GOTT SPRACH ZU MIR

 
 
Zum anderen
Sprach Gott zu mir
Und teilte in unverblümten
Worten mit
 
Julius, womit bist du    
So beschäftigt
All diese Worte welche du    
Schwimmen lässt
In deinen Verse
 
Fühlst du dich noch
Im Irdischen anwesend
 
Ach Herr, was ist so falsch
An dem spontanen Rufen
Und Jauchzen im Überfluß
 
Ich bin nicht geschaffen
Um zu warten
Bis den vermaledeiten Tod
Nur mit
Verdruß                                      
 
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 19:00

EIN WORT

 
 
Sich äußern
Ist oft
Balancieren
Auf dem Seil
 
Wie streiten
Zwischen Wahrheit
Und Dämmerung
 
Zwischen Klarheit
Und Entfremdung
 
Zwischen schweigen
Und erleichert
 
Kräfte beeinflussen
Das Gemut
 
Mein Character wird,
Am Ende, entscheiden:
 
Ist das Wort
Hart oder süß
Wie kaltes oder
Warmes Blut
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 18:58

SAUGENDER SCHLAMM

 
 
 
Eine lodernde Zimmerdecke
Wände  mit zerrissener Tapete
Ein völlig ausgeraubtes Haus
 
Dieses dunkle Bild
Durchtränkt meine Gedanken
Zusammen mit einem
Obskuren Totengesang
Du trafst in zunehmendem Maß
Mit eisern vernieteter Stirn
Die bleischweren Türen
Einer Schleuse
 
Wo wie erst noch
Strudeln von Lust und
Zueinander gesogen wurden
Sinkend in der Tiefe von
Unwahrscheinlichem Glück
 
So himmlisch gesinnt
Konnte nichts mehr vergehen
Was hatten wir uns
Vernarrt ineinander
Ich habe dich so geliebt
 
Das Wasser stieg mir
Bis zu den Lippen
Du erzähltest von den anderen
Woran ich nichts ändern konnte
 
Zerstörend fielen deine Blicke
Auf Reststücke von Begriffen
Allmählich konnte ich nur ersticken
Weggeworfen, verschwindend
In saugendem Schlamm
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 18:56

MEIN TESTAMENT

 
 
Ich lese noch einmal
Mein zerknittertes Testament
Mit einem Christdorn
Neben mir auf der Fensterbank
 
So oft habe ich
Meinen letzten Wunsch
Umgeschrieben
 
Wo es nun
Noch allein ein einziges
Wort kennt
 
Mir bleibt übrig nur Dank
Für die Mutter
Meines Lebens
 
Ich bin zufrieden
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 15:11

IN GUTEN TAGEN

 
 
Ich hab dich lieb, mein Nächster     
Vor allem in guten Tagen
Mein Gemüt ist dann vergnügt
Kann soviel geben
 
Ich brauche dann nichts zu fragen
 
Wenn ein Gegenwind mich überfallt       
Mich gegen den Erde knallt
Stelle  ich mich vor, von dir                                            
Von dir und dir getragen zu werden
 
Ich brauche dann nichts zu fragen
 
Fragen, Fragen                     
Habe ich den Mut mich an
Die Unsicherheit zu wagen
In meinen tieferen Lagen
Kann es dir besser behagen 
 
Ich brauche dann nichts zu fragen
 
So entkomme ich auch dem Danksagen
Stelle dir vor, dass ich das sagen würde
Kurz mich verletzbar zeige
Dann sollte ich noch tiefer suchen
Nach meinem Selbstgefühl
 
Ja, ich habe dich lieb
In guten Tagen
 
Ich brauche dann nichts zu fragen
 
 
 
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 15:10

MAUERN DER VORMALIGEN ZEIT

 
 
 
Ja, es ist oft wie laufen über Reisigholz
Ehe ich mich der Schlupftür nähere
Tief hinten im verwilderten Garten
Sie hängt schon Jahre schief
Angegriffen vom Zahn der Zeit
 

Gerade dort erfahre ich die Herrlichkeit
Von Kommen und Gehen
Von Gehen und Kommen
Ich bin da sanft
Manchmal in Träumen
 

Auch wenn ich vom Heute berührt werde
So wie jetzt, dann stehe ich hier
Oder eher stütze mich
Auf Mauern der vormaligen Zeit
Um die Zukunft zu besiegen
Ich fühle sie bereits
 
 
 
 
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 21:38

JULIUS SJEEKSPIERE (SHAKESPEARE)

 
 
Langsam laufe ich leer                       
Gedanken verschwinden
Wenn ich die Schwere
Meiner Gefühle wiege
 

Sie sind umrandet von                  
Gezackten Linien
Fortrollen können sie nicht
Oder in Hoffnung auf
Morgen verweilen
 

Ich sehe die Sonne scheinen           
Aber das Leben nicht erstehen
Die grünen Blätter glimmen
Aber scheinen nicht mächtig
Um meine Seele zu bezaubern
 

********
 

Träge fällt der Vorhang auf der Bühne                    
Ich verliere mich in meiner tragischen Rolle
Applaus ist verhalten, etwas unterkühlt
Nicht nur ich, sondern auch meiner Zuhörerschaft
Floss das Gemüt am Ende mitfühlend über
 
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 21:36

BEI EINBRUCH DER DUNKELHEIT

 
 
Zierlich brennt die Sonne lichterloh    
Wenn sie Feuer schießt über die Dünendelle
Scheuernd Strandhafer und schlafenden Sand entlang        
Scheint sie die Erde zu verschönern zu wollen
 

Wie Messer schneiden Möwen,
Dort wo ich Hitze vermute,
Streifen durch eine weite Glut
Als ob das Wunder kurz gähnen mag
 

Sie aber geht elegant und quälend langsam
Ihrem sich wiederholenden Untergang entgegen
Als ob immerfort die Nacht sie bestraft                    
Während ich doch fortwährend Aufschub bitte
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 18:27

FÜR DICH DA SEIN

 
 
(für mein patenkind)   
 
Ich darf da sein für dich
Wie wasser für blumen
Wie ein blühender strauch
Für den schönsten schmetterling
 

Um deinen namen zu nennen
Öffne ich eine luke
Um atem zu teilen mit dir
Und in gedanken
Deinen lebenspfad zu streicheln
 

Deine hand werde ich nehmen
Und dich tragen auf meiner schulter
Aber auch hinführen zu  anderen, so vielen
Welche dir wärme schenken möchten
 

Manchmal geht die sonne kurz unter
Dann darfst du bei mir bleiben
Ich werde  helfen, das licht zu suchen
Und zusammen träumen wir vom guten
 

 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

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