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J. Dreyfsandt zu Schlamm : Deutsche Gedichte 3

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TEIL 3

DER VERLASSENE ACKER

 

 

Wenn der Tag

Sich beugt

Sonne und Erde entgegen,

Den Himmel küsst

 

Sucht der Schatten

Träge seinen Weg          

Über bereits

Umgepflügtes Feld

 

Es sehnt sich      

Nach Stille, einer

Geborgenen Ruhe

 

Und formt die

Herbstliche Kälte

In der zunehmenden

Finsternis,  langsam   

Ausbreitend, eine

Decke von Bekümmernis

 

Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

VOR KURZEM

 
Vor kurzem
Also noch
Nah dem heutigen Tag
Wurde ich in eine Zelle
Von Schweigen gezogen

Es war Übermacht
Von aussen
Möglicherweise eigene
Unbewußte Gedanken
Oder gestorbenes Verhalten
Werde ich betrogen?

In jedem Fall lauerte
Irgendwo auf mich
Ein betäubendes Licht
Oder ein Teufel
Hinter den Höllepforten

Die Aussicht
Ist mir deswegen entzogen
Und ich kann nur im Schatten
Nach einigen Einblicken trachten
Ich werde gezwungen
Hineinzustarren
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

ICH HABE DICH LIEB

 

 

Jedes Mal wenn ich mich sehe,

Mich spiegelnd

In meinen Augen,

Kann ich einem Lachen

Nicht widerstehen

 

Bereits früh fiel der Abend

Wobei  die Haut,

Geweitet von Jahren

Immer mehr an dem Räumlichen baut ,

Um deutlich die Vergänglichkeit

Sichtbar zu erklären

 

Wenn ich  mich sehe

Spreche ich in aller Stille

Den einen hoffnungsvollen Satz:

Ich hab dich lieb,

Mein vertrautes Doppelkinn

Was andere darüber sagen,

Ist nur Quatsch

 

Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

WIE FLUGSAND


Buchstaben
Zum Flugsand

Geworden

Rieseln durch meine

Kurzen Finger

 

Verwehen

Ohne jemals ein

Wort zu formen

Fallen zurück

Auf den Strand


Wo das alte Meer

Sie wiederum

Übermannt


Unterworfen werden  

Den vermaledeiten

Stürmen

 

Ich halte meine Hände auf

Zum Tragen  bereit

Aber sehe mit

Unvermögen

Was durch meine

Finger rutscht:


Es ist  die

Machtlosigkeit

 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

DAS MÄDCHEN VON HEUTE

 
 
Sie kommt um die Ecke,
Hoffnungsvoll schauend
Nach dem Bild von Morgen
Das Mädchen der frohen Erwartung
Noch geborgen in einer Engelsseele
Voll von Licht und sprachloser Achtung
 

Ich möchte sie dann doch so gerne trösten
Wenn der Tag sie allmählich überfallen wird
Und sie wahre Schatten ernten wird
Würde trachten sie zu schützen
Gegen unvermeidbare nächtlichen Dämme
 

In ihr sehe ich die Freude
Vom Tanzen in nassem Gras
Oder noch zufrieden sein
Mit unbeantworteten Fragen
 

Ich werde bei dir,
Mädchen von heute,
Stets suchend bleiben
Nach der paradiesischen Unschuld
Welche du gewiss
In deinem Herzchen mittragen wirst
Die  meine Leere füllt
 

 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

UNGESCHRIEBENE GEDICHTE

 

Weiter in der Straße
Gibt es Siedlungen
Schon früh im Abend
Von Rolläden abgedichtet

Ich habe nicht den Eindruck,
Dass da viel zu holen  ist
Nie hat man dort Diebe
Herumschleichen sehen
Oder dass im Hause
Üble Taten verrichtet wurden

Dagegen, macht man die Türe weit auf
Das heißt, nur an der Hinterseite
Kann man ungehindert hineinlaufen
Zumindest wenn die Holzpforten
Nicht mit Schlössern versehen sind     

Vorderfronten sind für mich Gesichter
Mit glasartigen rechteckigen Augen
Ich gucke gerne bei jedermann  hinein
Es sind die Strophen
Von ungeschriebenen Gedichten

Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 15:07

EINE PHANTASIE

 
 

Es ist zu hören, was man nicht hören kann
Selbst nicht mit weit geöffneten Ohren
Ich betrachte mit meinen Augen
Und sehe nicht, was ich empfinde
Es ist die Wiedererkennung,
Welche ich innerlich behüte
 
Wie schildere ich innerliches erwachen
Das tanzen von Nebel über einem See
Oder das knistern von gefallenen Blättern
Wenn ich sie mit meinen Füßen verletze
 
Wo auch noch die Herbstfrüchte
In Eicheln gegossen
In großer Zahl den Boden zudecken
 
Das zu deuten würde doch
Die irdische Üppigkeit einschränken
Und mich aus einem Traum
Von Erweichung wecken
 
Ich betrachte mit meinen Augen
Und sehe nicht,was ich empfinde
Es ist die Wiedererkennung,
Welche ich innerlich behüte
 
 
 
 
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 17:06

DIE LETZTE STROPHE

 
Eine letzte Strophe trägt das Gewicht
Der  Obenstehenden
Oft ein offener Schluss
Oder  wird da gar am Ende,
Ein Zipfel des Schleiers gelüftet
 
Aber wenn der Vorhang
Geschlossen bleibt oder
Der Text nicht im Gedächtnis haftet
Schaut man sich um nach dem letzten Satz
Und gerät mit der Erwartung
In einen unvermeidbaren Unfrieden
 
Bei meinen ersten Worten hätte man
Eigentlich aufhören können
Indessen man nun, unerfüllt,
Auf eine unsinnige Erörterung stößt
 
Ich kann deswegen die Gedanken raten:
Sie drücken vor allem die Langeweile aus
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 09:07

WENN DIE SCHARFBLICK ABLAUFT

 
 
Späne hängen am Boot entlang
Ein Fluß treibt mich vorwärts
Weiß nicht wohin
 
Aus der Ferne hier                                            
Am äußerstes Ende
Eines abgehackten Sprosses
Nach dem Unbekannten dort
 
Ich habe Ahnung
Der erlahmenden  Passion     
Der aufgeschlossenen Zierde
 
Als ob ein immerwährender
Grauer Star der Seele
Mich weiterschiebt in der Sandwüste,
Möglicherweise,
Eine unvermeidliche Lebensgestik
 
Die Sonne strahlt zurück
Auf Schatten von gelöschtem Feuer
In einem lodernden Wald
 
Augenblicke aus geklebtem Knäuel,
Kein Draht zu fassen, kein Ende lose
 

Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

FLÜCHTIG



Fühle ich nun
Einen Tropfen abgleiten
Auf meiner unrasierten Wange,
Eine Träne, welche  Abschied
Umsetzt in flüchtige Feuchtigkeit
Von innerem Trauergesang?

Ich sehe noch empor
Als ob ich die Wahrheit
Erwarte von oben:
Das gefallene Leid eines Blattes
Mit Aussicht auf herbstliches Sterben

*
 
Ich will nichts
Wahrnehmen

 

 

Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

STERBEN IM TAGESLICHT

 
Ich habe dir
Meine Hand gereicht
Schon viele Male
Im Moment des Seins
 
Ständig stoße ich
Beim Sterben des Tages
Auf den Tod deiner Jugend
 
Deine Finger werden mich
Nie berühren können
Sie sind bereits gebrochen,
Nicht mehr zu heilen
 
Auch die Seele,
Getrübt von schwarzen Visionen,
Kann mich nicht mehr erfühlen
 
Alles was ich mit dir
Zu teilen wünsche
Verschwindet, im vorhinein,
Durch deine Kehle
Von Verzweiflung und Leere
 
*
 
Der Lichtblick haust
In undurchdringlichen
Atmosphären
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

SINT- OEDENRODE (NIEDERLANDE)



Schlendernd die Kornfelder entlang
Rieche ich die schwüle Luft

Getragen vom Brabanter Land,

 

Gehe ich über Sandpfade,

Die sich in staub verwandelten      

Und Wildblumen an jeder Seite

Wo das Kraut von Tüpfeljohannis

Noch immer ungewollt gewachsen 

In einer natürlichen Ordnung

 

Ich gewahre in der nahen Ferne

Stramm und stolz dem Turm mit dem Knopf

Schon ewig wachsam über Rodisch Gebiet               

Und bis heute über unser Dorf  sieht

 

Wo schwer klingende Glocken                         

Läuten über den Markt

Und alten schmale Straßen

Wo Menschen sich

Verbunden fühlen

Und freimütig miteinander reden

 

 

 

Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

FREIEN IN DER FREMDE

 

 

 

Friedlich freiweg freien in der Fremde

Mit einer Freifrau ohne einzigen Skrupel,

Hängend am farbigen Ballon

Oder schwebend in Weidenbäumen

Von Schokolade gefüllt

 

Es ist Saugen an Sahne mit Erdbeeren

Unsinnig, verblendet und unbesonnen

Obschon das Sichhinlegen

Neben solch einer Schönheit

Bereits das Erfahren  von Gnade  ist

Ehe ich wirklich angefangen habe

Mit meiner Unbedachtsamheit

 

Ach, über unbekannte Grenzen hin

Kann ich so fein phantasieren

Es ist sicher wie Treiben auf den Wolken

Und die Liebe auf höchster Ebene verehren

 

Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

DIE RUHE

Die Ruhe ruft mich, meine Liebe
Während ich treibe
Auf den Schatten von heute
Es fehlt mir wirklich das Genießen
Das Atmen macht tiefe Schnitte
 

Nicht, dass ich vom Sterben berührt bin
Oder bereits die Waken zähle für morgen,   
Von diesem oder jenem bemängelt werde
Nein, die Seele ist gezwungen, sich zu verbergen
 

Ich baue auf alte Steine
Sie formen das Bild mit Geduld
Um wieder etwas von der Zukunft zu leihen
Jedoch nun noch verhüllt von Nebeldunst
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 10:54

IM WALD VON MORGEN

 

 

Hebe auf die Blätter, mein Sohn

Im Wald von Morgen

Sie erzählen von dem, was gewesen ist

Aber insbesondere, von dem, was kommt

Und tragen die Vergänglichkeit,

Das Sterben,

Doch auch die Nerven                                             

Der Weisheit, welche befreit,

Während sich Erleichterung einstellt.

 

Verbeuge dich, mein Sohn

Vor der Erde in Blüte           

Verhalte deinen Schritt

Beim Fühlen von sanftem Moos

Denke dabei an die Menschen

Welche unverhältnismässig schwirren

Von unendlichem Verdruß

 

Schaue die Bäume an

Mit spitzen und breiten Wipfeln

Sie zeigen die Höhe,

Wachsen in die Luft

Um gelegentlich zu träumen

Wenn die Ruhe dich halten möchte

So dass du dich kurz erholen darfst

Ohne deine Pflicht zu versäumen

 

Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 19:57

EIN BLAUER SCHMETTERLING

 
 
Ich bin ein blauer Schmetterling
Fühle mich frei in den Wolken
Nicht dass es mir immer so gut ging
Im Vergnügen sind auch mal  Kolken   
 

Dann drehe ich immer rund
In unerklärbaren Gedanken
Manchmal mit Feuer in dem Mund
Um  an der Dunkelheit zu ranken
 

Glaube mir nicht, wenn ich rede mit diesen Worten
Sie sind nur von weicher Kraft gemacht
Ich schwebe meistens an angeféuerten Orten
Bin nicht schlecht, hatte ich so gedacht
 
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 10:38

EIN LETZTER SCHREI

Rauh  schrie

Meine Kehle

Den letzten Schrei

  

Ihre Haare sind

Zerzaust vom Wind,

Wenn das Rad

Sie geleitet 

In die Ferne

 

Ich fühle

Mich wie

Ein Waisenkind

 

Sie möchte                          

Nicht mehr umkehren

Und sehen,  wie sie          

Mich im Schmerze

Zurückließ

 

Ich werde ihre Liebe

Entbehren

 

Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 22:58

Meer van J. Dreyfsandt zu Schlamm : Deutsche Gedichte 3

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