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J. Dreyfsandt zu Schlamm : Deutsche Gedichte 3

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TEIL 3

EIN BLAUER SCHMETTERLING

 
 
Ich bin ein blauer Schmetterling
Fühle mich frei in den Wolken
Nicht dass es mir immer so gut ging
Im Vergnügen sind auch mal  Kolken   
 

Dann drehe ich immer rund
In unerklärbaren Gedanken
Manchmal mit Feuer in dem Mund
Um  an der Dunkelheit zu ranken
 

Glaube mir nicht, wenn ich rede mit diesen Worten
Sie sind nur von weicher Kraft gemacht
Ich schwebe meistens an angeféuerten Orten
Bin nicht schlecht, hatte ich so gedacht
 
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 10:38

EIN LETZTER SCHREI

Rauh  schrie

Meine Kehle

Den letzten Schrei

  

Ihre Haare sind

Zerzaust vom Wind,

Wenn das Rad

Sie geleitet 

In die Ferne

 

Ich fühle

Mich wie

Ein Waisenkind

 

Sie möchte                          

Nicht mehr umkehren

Und sehen,  wie sie          

Mich im Schmerze

Zurückließ

 

Ich werde ihre Liebe

Entbehren

 

Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 22:58

IN VOGELPERSPEKTIVE

In Vogelperspektive
Also unerforscht mit
Meiner anwesenden Sehnsucht
Flüchtet sie weg von
Meiner Zärtlichkeit
Sie lässt sich nicht
Fangen in meiner Seele

Und werden meine Worte
Allmählich verschwiegen,
Drängelnde Gedanke
Entfliehen dem Lärm
Während das mögliche
Messerscharf eingeschnürt wird
Und zu Boden geworfen von
Meiner eigenen Erwartung

Es sind so die Momente
Von denen man sagt
Dieser Frühling trägt
Keine Früchte
Deshalb werde ich selbst
In den Winter flüchten


 

Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 13:03

DEIN BLANKES FLEISCH

 
Deine Rundungen tragen
Von oben nach unten
Den Saft mit einem süßen
Geschmack
 
In all deinen begehrenswerten Lagen
Entwickeln sich,
Je nach dem Reifegrad,
Verlockende Wunder
 
Aus dehnen sich deine willigen
Hüften allmählich
Malerisch formen und
Deine Spitze etwas weniger
Dementsprechend
 
An dir sauge ich mit eigenen Normen
Verliere die Umgebung,
Wenn ich dich greife
Mit sanfter Hand
 
Gierig beiße ich in dein blankes Fleisch
Und sehe über deine Haut
Es dauert nur kurz
Es scheint ein gewonnener Wettlauf
Oder werde ich zu  immer mehr greifen
 
Nein, die Schüssel ist leer
Außer einem  sauren Apfel
 

 
 
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 14:50

QUO VADIS

 
Ich sehe mich selber
Durch das Auge von anderen
Das ist  nicht wenig
Ich scheine noch immer
Ein arroganter Bursche
Und auch nicht der Geringste
So zähle ich je mit Strichen
 
Falsche Bescheidenheit
War mir schon Jahren
Ein riesiger Dorn im Auge
Ich zweifelte, kannte viele Abers
Womit ich mich selber fortwährend betrog
 
Doch der Ohrwum sprach:
Wer sind Sie denn wirklich
Fragte er in meinem rechten Ohr
Ich ahne, dass Ihre Gedichte,
Am frühen Morgen die Leere bekennen
Und dann leicht in die Vergessenheit reiten   
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 14:47

WENN ICH NICHT SCHAUE

 
Sie starrt nach meinen Augen,
Immerfort,
Wenn ich nicht schaue
 
Lächelnd,eine ganze Geschichte
Geht auf in der Einbildung
Welche aufs neue geboren scheint
 
Was zeichnet meinen Mund
Welcher offensichtlich
Eine Vergangenheit verrät
 
Sie streichelt den Hund
Welcher sie zurücklässt      
Mit leerem Schoß
 
Und kehrt zurück in ihre Welt                         
In welcher sie wartet auf ihren Mann  
Der ist tot                                            
Sie wurde frühzeitig verlost
 
Der Schmerz krümmt wieder ihren Rücken
 
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 14:45

EIN TRIPTYCHON VON DER VERGÄNGLICHKEIT

 
 
(drei gedichte)
 

Mir bleibt noch übrig........................eine Vergänglichkeit welche sich Nähert           
Einige ungeborene Tränen,...............ich verstumme,
Gefroren gleichwohl sie sind.............als ob der Tod schallt
Und ohne Wert................................wie Eisen, rostig und krumm
 
Sie werden nie................................während ich im Tiefen grabe,
Gleich mit der Sonne.......................mitbeugend zur Erde
In einem verhaltenen Schalten..........wo der Schrei schallt vom Rabe
Geschützt schwinden können...........im Lebensbaum vom Beschwerten
 

 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 00:00

DIE GEBURT EINES GEDICHTES

 
 
Ich starre auf diese weiße Fläche
Öffne mich in Erwartung
Von dem was kommt das kommt
Ob es kommt und ob es sich anpasst
In ein  Muster mit
Einem geschriebenen Dach
 
Sehe eine Eröffnung
Sich schüchtern ankündigend
Doch noch verzögernd und maskiert
Leicht und noch wenig verdaut
Ach ja es drängt sich raus
 
Gurgelnd aus
Meiner Kehle kommend
Eine aufkommender Prozess
Von einer startenden
Oder hinterlassenden
Zählebigen Resonanz
Der Geist findet
Seinen Weg aus der Flasche
 
In diesem Präteritum von
Jeder passierten Minute,
Ist mein Morgen eine kreative Kita,                  
Hüpfend noch nach abgegrenzter Höhe
Sehe hier mein tägliches frühes Debüt
 
 
 


 

 
 
 
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 19:06

WENN DIE SONNE MICH RUFT

 
 
Glaube mir
Wenn ich rede von
Meiner gelaufenen Runde
Denke dann
Dass es das Heilen ist
Von einer offenen Wunde
 
Sei nicht bange
Wenn mein Blick stockt
Und mein Weg
Sich totläuft
Und meine Fackel
Noch sparsam qualmt
In einer versteckten Nische
 
Noch einmal werde ich
Meine Braut anschauen
Die gekleidet ist in einem
Schwarzen Kleid
 
Sie geht mit der Fahne
Voran in dem Zug
Bis  der Himmel spricht
Von den ewigen Sonne
Die Vergangenheit ist
Dann endgültig
 
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 19:02

UND GOTT SPRACH ZU MIR

 
 
Zum anderen
Sprach Gott zu mir
Und teilte in unverblümten
Worten mit
 
Julius, womit bist du    
So beschäftigt
All diese Worte welche du    
Schwimmen lässt
In deinen Verse
 
Fühlst du dich noch
Im Irdischen anwesend
 
Ach Herr, was ist so falsch
An dem spontanen Rufen
Und Jauchzen im Überfluß
 
Ich bin nicht geschaffen
Um zu warten
Bis den vermaledeiten Tod
Nur mit
Verdruß                                      
 
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 19:00

EIN WORT

 
 
Sich äußern
Ist oft
Balancieren
Auf dem Seil
 
Wie streiten
Zwischen Wahrheit
Und Dämmerung
 
Zwischen Klarheit
Und Entfremdung
 
Zwischen schweigen
Und erleichert
 
Kräfte beeinflussen
Das Gemut
 
Mein Character wird,
Am Ende, entscheiden:
 
Ist das Wort
Hart oder süß
Wie kaltes oder
Warmes Blut
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 18:58

SAUGENDER SCHLAMM

 
 
 
Eine lodernde Zimmerdecke
Wände  mit zerrissener Tapete
Ein völlig ausgeraubtes Haus
 
Dieses dunkle Bild
Durchtränkt meine Gedanken
Zusammen mit einem
Obskuren Totengesang
Du trafst in zunehmendem Maß
Mit eisern vernieteter Stirn
Die bleischweren Türen
Einer Schleuse
 
Wo wie erst noch
Strudeln von Lust und
Zueinander gesogen wurden
Sinkend in der Tiefe von
Unwahrscheinlichem Glück
 
So himmlisch gesinnt
Konnte nichts mehr vergehen
Was hatten wir uns
Vernarrt ineinander
Ich habe dich so geliebt
 
Das Wasser stieg mir
Bis zu den Lippen
Du erzähltest von den anderen
Woran ich nichts ändern konnte
 
Zerstörend fielen deine Blicke
Auf Reststücke von Begriffen
Allmählich konnte ich nur ersticken
Weggeworfen, verschwindend
In saugendem Schlamm
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 18:56

MEIN TESTAMENT

 
 
Ich lese noch einmal
Mein zerknittertes Testament
Mit einem Christdorn
Neben mir auf der Fensterbank
 
So oft habe ich
Meinen letzten Wunsch
Umgeschrieben
 
Wo es nun
Noch allein ein einziges
Wort kennt
 
Mir bleibt übrig nur Dank
Für die Mutter
Meines Lebens
 
Ich bin zufrieden
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 15:11

IN GUTEN TAGEN

 
 
Ich hab dich lieb, mein Nächster     
Vor allem in guten Tagen
Mein Gemüt ist dann vergnügt
Kann soviel geben
 
Ich brauche dann nichts zu fragen
 
Wenn ein Gegenwind mich überfallt       
Mich gegen den Erde knallt
Stelle  ich mich vor, von dir                                            
Von dir und dir getragen zu werden
 
Ich brauche dann nichts zu fragen
 
Fragen, Fragen                     
Habe ich den Mut mich an
Die Unsicherheit zu wagen
In meinen tieferen Lagen
Kann es dir besser behagen 
 
Ich brauche dann nichts zu fragen
 
So entkomme ich auch dem Danksagen
Stelle dir vor, dass ich das sagen würde
Kurz mich verletzbar zeige
Dann sollte ich noch tiefer suchen
Nach meinem Selbstgefühl
 
Ja, ich habe dich lieb
In guten Tagen
 
Ich brauche dann nichts zu fragen
 
 
 
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 15:10

MAUERN DER VORMALIGEN ZEIT

 
 
 
Ja, es ist oft wie laufen über Reisigholz
Ehe ich mich der Schlupftür nähere
Tief hinten im verwilderten Garten
Sie hängt schon Jahre schief
Angegriffen vom Zahn der Zeit
 

Gerade dort erfahre ich die Herrlichkeit
Von Kommen und Gehen
Von Gehen und Kommen
Ich bin da sanft
Manchmal in Träumen
 

Auch wenn ich vom Heute berührt werde
So wie jetzt, dann stehe ich hier
Oder eher stütze mich
Auf Mauern der vormaligen Zeit
Um die Zukunft zu besiegen
Ich fühle sie bereits
 
 
 
 
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 21:38

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