HAIKU
Gefallenes Blatt
Zeichen eines Sterbenden
Unschuld bringt Neues
HAIKU
DIE LETZTE STROPHE
WENN DIE SCHARFBLICK ABLAUFT
FLÜCHTIG
Fühle ich nun
Einen Tropfen abgleiten
Auf meiner unrasierten Wange,
Eine Träne, welche Abschied
Umsetzt in flüchtige Feuchtigkeit
Von innerem Trauergesang?
Ich sehe noch empor
Als ob ich die Wahrheit
Erwarte von oben:
Das gefallene Leid eines Blattes
Mit Aussicht auf herbstliches Sterben
*
Ich will nichts
Wahrnehmen
STERBEN IM TAGESLICHT
SINT- OEDENRODE (NIEDERLANDE)
Getragen vom Brabanter Land,
Gehe ich über Sandpfade,
Die sich in staub verwandelten
Und Wildblumen an jeder Seite
Wo das Kraut von Tüpfeljohannis
Noch immer ungewollt gewachsen
In einer natürlichen Ordnung
Ich gewahre in der nahen Ferne
Stramm und stolz dem Turm mit dem Knopf
Schon ewig wachsam über Rodisch Gebiet
Und bis heute über unser Dorf sieht
Wo schwer klingende Glocken
Läuten über den Markt
Und alten schmale Straßen
Wo Menschen sich
Verbunden fühlen
Und freimütig miteinander reden
FREIEN IN DER FREMDE
Friedlich freiweg freien in der Fremde
Mit einer Freifrau ohne einzigen Skrupel,
Hängend am farbigen Ballon
Oder schwebend in Weidenbäumen
Von Schokolade gefüllt
Es ist Saugen an Sahne mit Erdbeeren
Unsinnig, verblendet und unbesonnen
Obschon das Sichhinlegen
Neben solch einer Schönheit
Bereits das Erfahren von Gnade ist
Ehe ich wirklich angefangen habe
Mit meiner Unbedachtsamheit
Ach, über unbekannte Grenzen hin
Kann ich so fein phantasieren
Es ist sicher wie Treiben auf den Wolken
Und die Liebe auf höchster Ebene verehren
DIE RUHE
BEGEGNEN
IM WALD VON MORGEN
Hebe auf die Blätter, mein Sohn
Im Wald von Morgen
Sie erzählen von dem, was gewesen ist
Aber insbesondere, von dem, was kommt
Und tragen die Vergänglichkeit,
Das Sterben,
Doch auch die Nerven
Der Weisheit, welche befreit,
Während sich Erleichterung einstellt.
Verbeuge dich, mein Sohn
Vor der Erde in Blüte
Verhalte deinen Schritt
Beim Fühlen von sanftem Moos
Denke dabei an die Menschen
Welche unverhältnismässig schwirren
Von unendlichem Verdruß
Schaue die Bäume an
Mit spitzen und breiten Wipfeln
Sie zeigen die Höhe,
Wachsen in die Luft
Um gelegentlich zu träumen
Wenn die Ruhe dich halten möchte
So dass du dich kurz erholen darfst
Ohne deine Pflicht zu versäumen
EIN BLAUER SCHMETTERLING
EIN LETZTER SCHREIRauh schrie
Meine Kehle
Den letzten Schrei
Ihre Haare sind
Zerzaust vom Wind,
Wenn das Rad
Sie geleitet
In die Ferne
Ich fühle
Mich wie
Ein Waisenkind
Sie möchte
Nicht mehr umkehren
Und sehen, wie sie
Mich im Schmerze
Zurückließ
Ich werde ihre Liebe
Entbehren
DER LEBENDE TOD
IN VOGELPERSPEKTIVEIn Vogelperspektive
Also unerforscht mit
Meiner anwesenden Sehnsucht
Flüchtet sie weg von
Meiner Zärtlichkeit
Sie lässt sich nicht
Fangen in meiner Seele
Und werden meine Worte
Allmählich verschwiegen,
Drängelnde Gedanke
Entfliehen dem Lärm
Während das mögliche
Messerscharf eingeschnürt wird
Und zu Boden geworfen von
Meiner eigenen Erwartung
Es sind so die Momente
Von denen man sagt
Dieser Frühling trägt
Keine Früchte
Deshalb werde ich selbst
In den Winter flüchten
DEIN BLANKES FLEISCH
QUO VADIS
WENN ICH NICHT SCHAUE
ES TRÄGT DIE STILLE
EIN TRIPTYCHON VON DER VERGÄNGLICHKEIT
DIE GEBURT EINES GEDICHTES