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J. Dreyfsandt zu Schlamm : Deutsche Gedichte 3

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TEIL 3

Archief

MEIN TESTAMENT

 
 
Ich lese noch einmal
Mein zerknittertes Testament
Mit einem Christdorn
Neben mir auf der Fensterbank
 
So oft habe ich
Meinen letzten Wunsch
Umgeschrieben
 
Wo es nun
Noch allein ein einziges
Wort kennt
 
Mir bleibt übrig nur Dank
Für die Mutter
Meines Lebens
 
Ich bin zufrieden
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 15:11

IN GUTEN TAGEN

 
 
Ich hab dich lieb, mein Nächster     
Vor allem in guten Tagen
Mein Gemüt ist dann vergnügt
Kann soviel geben
 
Ich brauche dann nichts zu fragen
 
Wenn ein Gegenwind mich überfallt       
Mich gegen den Erde knallt
Stelle  ich mich vor, von dir                                            
Von dir und dir getragen zu werden
 
Ich brauche dann nichts zu fragen
 
Fragen, Fragen                     
Habe ich den Mut mich an
Die Unsicherheit zu wagen
In meinen tieferen Lagen
Kann es dir besser behagen 
 
Ich brauche dann nichts zu fragen
 
So entkomme ich auch dem Danksagen
Stelle dir vor, dass ich das sagen würde
Kurz mich verletzbar zeige
Dann sollte ich noch tiefer suchen
Nach meinem Selbstgefühl
 
Ja, ich habe dich lieb
In guten Tagen
 
Ich brauche dann nichts zu fragen
 
 
 
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 15:10

MAUERN DER VORMALIGEN ZEIT

 
 
 
Ja, es ist oft wie laufen über Reisigholz
Ehe ich mich der Schlupftür nähere
Tief hinten im verwilderten Garten
Sie hängt schon Jahre schief
Angegriffen vom Zahn der Zeit
 

Gerade dort erfahre ich die Herrlichkeit
Von Kommen und Gehen
Von Gehen und Kommen
Ich bin da sanft
Manchmal in Träumen
 

Auch wenn ich vom Heute berührt werde
So wie jetzt, dann stehe ich hier
Oder eher stütze mich
Auf Mauern der vormaligen Zeit
Um die Zukunft zu besiegen
Ich fühle sie bereits
 
 
 
 
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 21:38

JULIUS SJEEKSPIERE (SHAKESPEARE)

 
 
Langsam laufe ich leer                       
Gedanken verschwinden
Wenn ich die Schwere
Meiner Gefühle wiege
 

Sie sind umrandet von                  
Gezackten Linien
Fortrollen können sie nicht
Oder in Hoffnung auf
Morgen verweilen
 

Ich sehe die Sonne scheinen           
Aber das Leben nicht erstehen
Die grünen Blätter glimmen
Aber scheinen nicht mächtig
Um meine Seele zu bezaubern
 

********
 

Träge fällt der Vorhang auf der Bühne                    
Ich verliere mich in meiner tragischen Rolle
Applaus ist verhalten, etwas unterkühlt
Nicht nur ich, sondern auch meiner Zuhörerschaft
Floss das Gemüt am Ende mitfühlend über
 
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 21:36

BEI EINBRUCH DER DUNKELHEIT

 
 
Zierlich brennt die Sonne lichterloh    
Wenn sie Feuer schießt über die Dünendelle
Scheuernd Strandhafer und schlafenden Sand entlang        
Scheint sie die Erde zu verschönern zu wollen
 

Wie Messer schneiden Möwen,
Dort wo ich Hitze vermute,
Streifen durch eine weite Glut
Als ob das Wunder kurz gähnen mag
 

Sie aber geht elegant und quälend langsam
Ihrem sich wiederholenden Untergang entgegen
Als ob immerfort die Nacht sie bestraft                    
Während ich doch fortwährend Aufschub bitte
 
Geschreven door julius dreyfsandt zu schlamm om 18:27

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