Liturgie der göttlichen Verzweiflung
(traditionell‑liturgische Fassung)
1. Introitus
O Mensch,
mein Ebenbild,
nach meinem Bilde geschaffen,
dir wende ich mich zu
und erfülle dich
mit dem Atem der Gnade.
Lasset uns gemeinsam frohlocken
und uns im einen
Lichte sammeln.
Auf erhabenen Wegen,
umgeben von immerwährender Blüte,
lasset uns suchen
nach dem Segen der Schöpfung.
2. Kyrie
Herr, erbarme dich des Menschen.
Ich erbarme mich deiner;
lege deine Hand in die meine.
Herr, erbarme dich des Menschen.
Ich bin in dir;
richte deine Seele
an der meinen aus.
Herr, erbarme dich des Menschen.
Ich bedarf deiner;
erkenne mich im Geringen.
3. Gloria
Ehre sei dir, o Mensch,
Krone unseres
schöpferischen Werkes.
Singe das Lied der Freude
über die gestaltende Schöpfung;
sie trägt den Samen
deiner Fruchtbarkeit.
Rühme den Reichtum
menschlicher Berührung
und preise unsere Gemeinschaft,
unsichtbar und doch innig.
Öffne deine Hände
im Eifer des Handelns,
damit ihr einander
die Liebe bereitet.
4. Credo
Mensch,
ich höre dein Rufen,
voll Bitterkeit und Unzufriedenheit;
Undank steigt
unablässig
aus deinem Herzen empor.
Ja,
es ist schwer,
den Sinn zu erkennen
in ungleichem Leiden.
Ich sehe dich glauben
inmitten der Verzweiflung,
wo der Tod
tausendfach stirbt.
Wie soll ich dir verheißen,
dass ein Ende kommt
der Not der Seelen?
Mensch,
geht gemeinsam euren Weg.
Ich sehe die Schöpfung gespalten
in Schwarz und Weiß,
in Verderben und in Menschen,
ungleich bedacht.
Ich tröste die Ganzheit
mit meinen aufrichtigen Tränen,
oft ohnmächtig
in der verlorenen Stunde.
Doch glaube ich an die Kraft,
gesammelt in den
guten Augenblicken.
Meine göttliche Geduld
währet ohne Ende.
5. Pater Noster
Wir Menschen,
verstrickt im
Schein des Irdischen
und dem Bösen
anheimgegeben:
erkennt die Fülle
der Liebe.
Lebt aus der Einfachheit
des Seins,
erblickt das Licht
in den Augen des Anderen.
Dann erst empfangt ihr
die Kraft der Verbundenheit,
dann erst wird
die Verwirrung
durch Wärme
gemildert.
6. Sanctus
Heilig bist du, Mensch,
erhaben geschaffen
aus meinem sehnsuchtsvollen Atem.
Heilig bist du, Mensch,
reich beschenkt,
und doch erblicke ich
ein Spiel
der Eigenwilligkeit.
Darum, Mensch,
erhebe die Erde,
gib dich hin
und teile mit mir
das Menschsein.
Dies entspricht
meinem brennenden Verlangen.
7. Agnus Dei
Menschenkind,
dir ist gegeben,
erneuernd zu schaffen.
Menschenkind,
wandle die Liebe zu dir selbst
in teilendes Handeln.
Menschenkind,
trage deine Früchte hinaus;
sie werden Ganzheit wirken.