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das willige Schilf (Deutsch)
das willige Schilf
das willige Schilf
stürz dich nur nicht in die Tiefe,
rufe ich ihr halblaut zu,
erweise lediglich der Oberflächlichkeit Ehre,
es ist eine leere Geste,
das weiß ich gut,
schließlich ist sie zu mehr nicht bereit.
es ist ihr Lachen, das mich überwältigt,
und sie weiß, wie man zu Lippen spricht,
auch die anmutigen Hüften, die ihr Erscheinen
zu umhüllen scheinen, entgehen mir nicht.
nein, die Anziehungskraft ist gewiss nicht gelassen,
ehrlich gesagt, mit verblendeten Augen zum Schwelgen,
tauche auch ich in die Tiefe,
zwischen das willige Schilf.
Ausmalen (Deutsch)
Ausmalen
wenn ich nach vorn blicke,
male ich die Zukunft aus,
jetzt noch neblig getönt,
noch kein Fernblick
wenn ich nach hinten sehe,
bemerke ich
die Schlieren auf meiner angeschlagenen Brille;
doch noch immer ein Leichtgewicht
ich blicke nach links oder rechts,
sehe mein Verlangen sich wie immer bewegen
und blicke nach innen,
erschaffe dort eine Welt,
die näher an aufrichtiger Liebe liegt
sieh einmal dort,
nun sitzt das Glück am Steuer
auf dem Weg zu jener Erwartung
in der Aufrichtigkeit rein erscheint
und ich hoffnungsvoll in den Frühling spähe,
Jugendträume. (Deutsch)
Jugendträume.
.
wenn der Morgen erwacht,
nachdem meine Augen
in der ewigen Nacht geruht haben.
.
die – ungestört –
ein Aufblitzen von zwei Schlägen ist,
oder ein Bruchteil zwischen
einer trägen Einschlafouvertüre
und einem ermüdenden Finale.
.
dieses Letzte gleicht einem Widerstand,
der versucht, die verbleibende Hoffnung
zusammenzuraffen,
von Träumen niedergewalzt,
und erst nach dem Morgengebet
des regelmäßigen Wendens
von der Seite auf den Rücken,
auf die andere Seite,
die Unruhe allmählich nährt.
.
so dass am Ende das Himmlische
sich in pflichthaften Zwang verwandelt,
der die Decken von sich wirft
wie in einem wiederkehrenden Erdbeben.
.
um bald dem Lächeln
wieder einen spiegelnden Glanz zu verleihen,
wie angegeben
auf der Tube mit der
breit lächelnden Dame,
in die ich meine ersten
Frustrationen hinein drücke.
.
und wenn sich die Tür hinter mir schließt,
schaltet der Fortschritt um
auf den Autopiloten.
.
so erfülle ich mir
meine Jugendträume;
Nacht für Nacht.
.
Geburt eines Gedichts.(Deutsch)
ich starre auf diese weiße Fläche,
öffne mich in Erwartung
dessen, was kommt, das kommt,
wenn es kommt und ob es sich sammelt
unter einem Gerüst
mit einem geschriebenen Dach.
.
sehe eine Öffnung,
scheu sich darbietend,
noch zögernd und verkleidet,
lichtvoll und kaum verzehrt –
ach ja, es träumt.
.
es gurgelt mit
durch meine einzige Orgelpfeife,
ein sich erhebender Prozess,
ein beginnender
oder auch zurücklassender
resistenter Widerhall:
der Geist findet seinen Weg aus der Flasche.
.
in diesem Imperfekt
jeder verstrichenen Minute
ist mein Morgen eine kreative Krippe,
noch wippend zu begrenzter Höhe –
sieh hier mein tägliches, frühes Debüt.
eine kleine Runde. (Deutsch)
eine kleine Runde.
.
komm, geh ein Stück mit mir,
eine kleine Runde.
durch schweigendeStraßen.
.
dann bin ich still,
wenn ich mit dir
bei mir selbst
ankomme.
.
du darfst sprechen.
das Band ist zerrissen (Deutsch)
das Band ist zerrissen
..
bis an den bloßen Rand des Zurückweichens
zwang man mich,
als du mich,
im Verborgenen,
mit deinem nichtigen Ding
und beinahem Spiel
meine edlen Regungen,
dir zugedacht,
feige untergraben hast.
.
du bist nichts als unbeholfen,
unwissend darin,
wie man Zuneigung
mit Würde bewahrt.
Fiktion (Deutsch)
Der Stil von Julius Dreyfsandt zu Schlamm – Z.B. :Akademisches Abstract in wissenschaftlicher Sprache
Abstract
Julius Dreyfsandt zu Schlamm ist der Tradition der betrachtenden, philosophisch‑lyrischen Literatur zuzuordnen, in der Dichtung als Medium existenzieller Reflexion fungiert.
Sein Werk ist geprägt von Lebenserfahrung im sozialen und palliativen Kontext und zeugt von einer bewussten Auseinandersetzung mit Endlichkeit, Verletzlichkeit und Sinnsuche.
Charakteristisch ist die Verbindung von introspektiver Haltung und kultureller Präsenz ohne Selbstinszenierung.
Das deutschsprachige Schreiben bildet dabei eine autonome literarische Sphäre, die semantische Präzision und formale Disziplin mit ethischer Ernsthaftigkeit verbindet.
oder:
Liturgie der göttlichen Verzweiflung (traditionell‑liturgische Fassung) Deutsch
Liturgie der göttlichen Verzweiflung
(traditionell‑liturgische Fassung)
1. Introitus
O Mensch,
mein Ebenbild,
nach meinem Bilde geschaffen,
dir wende ich mich zu
und erfülle dich
mit dem Atem der Gnade.
Lasset uns gemeinsam frohlocken
und uns im einen
Lichte sammeln.
Auf erhabenen Wegen,
umgeben von immerwährender Blüte,
lasset uns suchen
nach dem Segen der Schöpfung.
2. Kyrie
Herr, erbarme dich des Menschen.
Ich erbarme mich deiner;
lege deine Hand in die meine.
Herr, erbarme dich des Menschen.
Ich bin in dir;
richte deine Seele
an der meinen aus.
Herr, erbarme dich des Menschen.
Ich bedarf deiner;
erkenne mich im Geringen.
3. Gloria
Ehre sei dir, o Mensch,
Krone unseres
schöpferischen Werkes.
Singe das Lied der Freude
über die gestaltende Schöpfung;
sie trägt den Samen
deiner Fruchtbarkeit.
Rühme den Reichtum
menschlicher Berührung
und preise unsere Gemeinschaft,
unsichtbar und doch innig.
Öffne deine Hände
im Eifer des Handelns,
damit ihr einander
die Liebe bereitet.
4. Credo
Mensch,
ich höre dein Rufen,
voll Bitterkeit und Unzufriedenheit;
Undank steigt
unablässig
aus deinem Herzen empor.
Ja,
es ist schwer,
den Sinn zu erkennen
in ungleichem Leiden.
Ich sehe dich glauben
inmitten der Verzweiflung,
wo der Tod
tausendfach stirbt.
Wie soll ich dir verheißen,
dass ein Ende kommt
der Not der Seelen?
Mensch,
geht gemeinsam euren Weg.
Ich sehe die Schöpfung gespalten
in Schwarz und Weiß,
in Verderben und in Menschen,
ungleich bedacht.
Ich tröste die Ganzheit
mit meinen aufrichtigen Tränen,
oft ohnmächtig
in der verlorenen Stunde.
Doch glaube ich an die Kraft,
gesammelt in den
guten Augenblicken.
Meine göttliche Geduld
währet ohne Ende.
5. Pater Noster
Wir Menschen,
verstrickt im
Schein des Irdischen
und dem Bösen
anheimgegeben:
erkennt die Fülle
der Liebe.
Lebt aus der Einfachheit
des Seins,
erblickt das Licht
in den Augen des Anderen.
Dann erst empfangt ihr
die Kraft der Verbundenheit,
dann erst wird
die Verwirrung
durch Wärme
gemildert.
6. Sanctus
Heilig bist du, Mensch,
erhaben geschaffen
aus meinem sehnsuchtsvollen Atem.
Heilig bist du, Mensch,
reich beschenkt,
und doch erblicke ich
ein Spiel
der Eigenwilligkeit.
Darum, Mensch,
erhebe die Erde,
gib dich hin
und teile mit mir
das Menschsein.
Dies entspricht
meinem brennenden Verlangen.
7. Agnus Dei
Menschenkind,
dir ist gegeben,
erneuernd zu schaffen.
Menschenkind,
wandle die Liebe zu dir selbst
in teilendes Handeln.
Menschenkind,
trage deine Früchte hinaus;
sie werden Ganzheit wirken.
Drei Uhr (Deutsch)
Eine frohe Kunde (Duits)
Eine frohe Kunde
Man sagt:
Es beginnt etwas.
Nicht laut.
Eher so,
als würde die Zeit
für einen Augenblick
langsamer gehen.
Aus der Menge
löst sich einer.
Kein Besonderer.
Er berührt,
ohne es zu wissen,
eine Möglichkeit.
Und schon
ist sein Weitergehen
anders geworden.
Es gibt Gesten,
die sich selbst nicht erklären.
Ein Atem,
ein Innehalten,
ein kurzes Verfehlen des Denkens.
Zwei Körper
finden eine Ordnung,
die älter ist als jedes Wort.
Danach:
Stille.
Und eine merkwürdige Erleichterung.
Ohne Beschluss
entsteht Bindung.
Ohne Versprechen
Dauer.
Das Umhersein
endet unauffällig.
Im Inneren
beginnt das Wachsen.
Kein Betrug mehr,
kein Ausweichen.
Nur Zeit,
die sich sammelt.
Ein Leib
lernt, Raum zu geben,
wird rund,
wird Welt.
Später
wird gehört,
gemessen,
gezählt.
Und dann
geschieht es:
Ein Dasein
verlässt sein erstes Dunkel.
Die Karten
waren längst bestellt.
Namenlos.
Geduldig.
Sie gehen nun hinaus
in die Straßen.
Und nachts,
wenn alles schon überstanden scheint,
denken zwei Menschen:
Das also
haben wir begonnen.
ich sah (Deutsch)
Ich sah
verspätete Schmetterlinge,
nah –
und doch in weiter Ferne.
Sie hatten auf mich gewartet.
Ich hatte sie verbannt,
weit hinaus,
aus meinem Denken gedacht.
Den Weg verengt,
kaum noch Licht gesehen.
Ich verschloss mich,
verkrampft,
vor anderem Guten.
Am Ende war es
kein wirkliches Gedicht.
Da rief ich
die Flatternden zurück,
öffnete meine Fenster
wieder weit,
bis zum Rand der Luft.
Das brauche ich:
nicht allein zu gehen,
mit mehreren
über die Schwellen
meines Lebens.
Mich selbst
kann ich den anderen
nicht vorenthalten.
Das ist es,
was das Leben mich lehrt.
Darum lasse ich mich
neu
rufen.
Schlaf hinein (Deutsch)
Schlaf hinein
Schlaf hinein
in das leise Dunkel.
Ich bin da,
ein Atem neben deinem.
Die Nacht legt
ihre Hände um uns,
weich,
ohne Fragen.
Schließ die Augen.
Was kommen will,
halte ich zurück
an der Schwelle des Traums.
Kein Bild,
das schmerzt.
Kein Ruf,
der dich weckt.
Nur ein Hauch
über dein verletzliches Gesicht,
nur Zärtlichkeit,
die dich findet –
klar wie ein Gedanke aus Licht,
so leicht,
dass selbst die Zeit
dich nicht berührt.
Reich mir deine Hand (Deutsch)
Reich mir deine Hand
Reich mir deine Hand,
eine Hand wie deine.
Ja – du dort,
der gerade vorübergeht.
Diese Hand,
sanft vielleicht,
noch frei.
Würdest du die meine berühren,
sie fühlen,
ergreifen,
nach ihr verlangen?
Oder sie
als Gabe
in der deinen empfangen?
Für einen Augenblick umschließen –
vielleicht teilen, um zu heilen,
oder einfach
aus Vertrauen.
Meine Finger sind weich,
von willigem Flaum umhüllt.
Ohne Zögern
kommen sie näher zu dir.
Ich sage nichts.
Ich lasse
die Stille sprechen.
Lass uns
einander die Hände schenken
und hoffen,
dass Zärtlichkeit
sich niederlässt.
Mein Schild und mein Vertrauen (Deutsch)
Mein Schild und mein Vertrauen
Mein Schild und mein Vertrauen,
äußerlich dargestellt,
leiblich umschlossen
von glänzenden rituellen Gewändern,
wo die Schönheit
ihre stoffliche Zuneigung zeigt.
Darüber hinaus feiert
das sanfte Leuchten
in euren beider Augen;
es spiegelt
den unvergleichlichen Weg
hin zu wortlosem Empfinden,
in dem liebevolle Wiedererkennung
das gegenseitige Dasein,
eine hoffnungsvolle Einheit, belohnt.
Schulter an Schulter
mit dem, was bereits
aus liebevoller Erwartung
geboren wurde,
aber auch mit den
tragenden Zeugen
wollt ihr einander
das Jawort zurufen.
In jener Ewigkeit des Augenblicks
stockte die Zeit,
doch bat euer Herz
um bleibende Glückseligkeit.
Stille Nähe (Deutsch)
Stille Nähe
Wenn Worte sich berühren,
verweilt ein leiser Moment.
Ein Blick bleibt stehen
auf der Haut der Zeit.
Zwischen Atem und Gedanke
entsteht ein sanftes Verstehen.
Nichts drängt, nichts fordert –
nur Nähe,
wie ein heller Raum aus Ruhe.
Dass du da bist (Deutsch)
Dass du da bist
Dass du da bist,
dich selbst verschenkst,
ohne Gegenleistung,
so kann Zuneigung
geboren werden
und – selten nur für einen Moment –
noch stärker sein.
Mehr kann ich es nicht sagen:
– dass du da bist –
das genügt.
Es braucht
keine tausend Worte,
um so etwas zu erklären.
Es war auch nicht so,
dass du darum gebeten hast.
Huldigung (Deutsch)
Huldigung
Mit einer Stimme verabschiedet
das Vaterland
seinen Dichter,
da er ehrenvoll entlassen wurde.
Sein Amt verstand er
überaus gut;
als Poet
ein Vorbild für viele,
zu denen auch ich mich zähle.
Der Baumeister
des vorgeschriebenen Reims
und des wohlbedachten Maßes
legt seine orangefarbene Schleife beiseite,
während er heute
die niederländische Bühne
wie ein wahrer Fürst verlässt.
Mir bleibt vor allem zu sagen:
Die Poesie war
während seiner
gekrönten Zeit
in vollem Maße
mit ihm gesegnet.
Driek van Wissen
Dichter des Vaterlandes
Geburtstag (Deutsch)
Geburtstag
Hallo Bruder, wie geht es dir?
Es war doch gestern,
dass du Geburtstag hattest.
Ich war anderswo auf der Toilette,
dort hing kein Kalender,
auf dem dein Name vermerkt war.
Wie alt bist du nun geworden?
Ja, das frage ich jedes Jahr.
Ich möchte nur ungern,
dass du ein falsch geschätztes Alter
als Zeichen von Desinteresse verstehst.
Hattest du diesmal Besuch,
oder hast du – wie so oft –
den Trubel vor der Tür gelassen?
Am liebsten gehst du an diesem Tag vorbei,
und nach so vielen Jahren
wird es doch zur Routine.
Mir geht es gut,
ich gehe so meinen eigenen Weg,
manchmal noch mit den Kindern,
ein wenig rangeln mit einer Tapete,
und mit dem Rauchen
will ich immer noch kürzertreten.
Nun, Bruder, noch einen schönen Abend,
es war wieder gut, von dir zu hören.
Denn wir bleiben Familie –
schön, dass wir einander
nicht aus den Augen verloren haben.


