Überbrückung
Überbrückung
Überbrückung
Es ist lange her,
man könnte sagen:
in einer gedankenlosen Vergangenheit,
dass ich dir schrieb.
Kalt waren sie, die kurzen Sätze,
geritzt mit verdünnter Tinte.
Ich mied die Nähe,
kreuzte innerlich die Klingen
und verriet so
die Selbstliebe.
Es lebe die Republik, rief ich
dem letzten Schmierblatt zu,
aus schmutzigem Papier,
grau wie Toilettenrollen.
Was blieb,
war ein klebriger Streifen;
ein zweihundertseitiges Ohrläppchen,
von dem ich
hundertachtundneunzig Seiten
abriss –
ungeschriebene Gedichte,
mit dem unseligen,
doch sprechenden Titel:
Warum habe ich mich nie geliebt.
Nun ist das letzte Blatt gefüllt
mit kreisenden Gedanken.
Ich schicke sie dir,
in der Hoffnung,
sie mögen
das lange Warten
ein wenig
überbrücken.


