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juliusdreyfsandtzuschlammprosa 3 (Deutsch)

dreyfsandtdeutsch
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einfalt

einfalt
.
es vergeht kein tag
ohne das vergangene mitzutragen
im heutigen, unterwegs zum morgen.
in jedem augenblick zeigen sich die schichten,
die immer wieder deutlich machen,
dass es am ende über mich selbst geht.
.
ich bin nicht zu erklären; wer könnte das schon.
sich selbst einschätzen ist ein unerreichbares ziel.
es ist eine aufzählung der zeit in einem einzigen moment.
doch ist es so, dass jeder augenblick gebunden bleibt
an immer wieder ein anderes gefühl.
der mensch ist ungekannterweise an die seele gebunden,
oder an etwas, das ich denke — manchmal denke ich,
dass ich vielleicht etwas darstelle.
.
bis mir etwas in den sinn fällt:
spreche ich einfach über die einfalt
einer ausgesprochenen freundschaft?
.
ja,
nichts ist schöner, als die früchte zu pflücken,
sie aufzuheben oder sich zu erinnern.
.
sie tragen mich weiter, bei jedem kommenden schritt
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Geschreven door Dreyfsandt Deutsch om 14:53 Reageer op dit bericht
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Es muss gesagt werden

Es muss gesagt werden
.
Mein Gemüt hat bei Zeiten Windeier gelegt —
zerbrechliche Zeichen eines Atems, der zu schnell geht,
wenn ich beim Neubeginn die Latte so hoch hebe,
dass die Luft darunter dünn wird
und meine manische Naivität wie ein greller Blitz
durch meine Brust fährt.
.
Dann bricht die Freude,
ein kurzer Schimmer auf einem kalten Boden,
und ein blinder Traum zieht mich fort,
eine Hand ohne Körper,
ein Ruf ohne Stimme.
.
Dann kommt der Anlauf zu einem nächsten Licht,
ein Licht, das nicht fragt, sondern erscheint,
auf einem Pfad, an dem die Wirklichkeit
wie rauer Stein an meinen Flanken schabt
und meine Energie sich wie ein dunkler Strom
nach innen stürzt,
tiefer, als ich manchmal ertragen kann.
.
Es ist, verstandesmäßig, mein alter Weg —
doch das Gefühl verengt sich,
wird ein schmaler Raum in meinem eigenen Schatten,
den ich ungewollt in Watte bette,
bis die Nacht sich ausdehnt
wie eine formlose Flüssigkeit.
.
An Worten fehlt es mir nicht,
ich kenne das Teilen und Herrschen,
ich kenne den Trick, das Klümpchen ins Schilf,
wohin ich mich selbst schicke
wie ein Gegner, der mich zu gut kennt.
Und irgendwo, hinter dem Horizont meines Atems,
läuten die Glocken
für eine Zeit, die noch nicht beginnen will —
das Angelus, das die Stille schneidet
wie ein Versprechen ohne Gestalt.
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Geschreven door Dreyfsandt Deutsch om 14:52 Reageer op dit bericht

Ein Vers bring’ ich euch dar.

Ein Vers bring’ ich euch dar.
.
nicht dass ich ein Lied vortrage,
gewiss, es ist zwischen dem Tanzen,
mit dem kleinen Schwarzen und den langen Weißen,
wo ich die Schritte kurz halte oder verlängere,
so die Melodie meine Knochen vibrieren lässt.
.
auf fühlbarem Elfenbein, von dem ich eines meide,
sie sitzen dort, die Hände dirigieren,
doch niemals den ganzen Chor.
meine Arme reichen manchmal nicht weit,
wenn ich in einem wohlgefälligen Fauteuil sitze,
mit alten Federn, älter als meine Jahre zählen.
.
zu hart find’ ich die lederne, straff gestählte Stütze;
mein Wunsch ist’s, aus einem Kokon heraus zu spielen,
vielleicht lehne ich auch nur auf meiner Trägheit.
.
ich hab’ gern die Wärme im Rücken.
ihr kennt das wohl; gleich
einem erhebenden Gefühl der Sonne.
.
es ist Zeit, dass ich meine Worte zähle,
jedes Lied kennt schließlich ein Ende,
ach, ich wusste das gewiss,
als ich für euch, am Anfang, begann…

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Geschreven door Dreyfsandt Deutsch om 14:49 Reageer op dit bericht

Was bleibt

Was bleibt
.
Ein Blick.
Dann ein Lächeln.
.
Vielleicht Tiefe.
Vielleicht Nähe.
Vielleicht ein leises Fehlen.
.
Ein Wunsch.
Ein Traum.
Ein Rest von Zuneigung.
.
Das Herz sucht.
Immer.
.
Es geschah.
Kurz.
Doch sie bleibt.
Im Atem.
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Geschreven door Dreyfsandt Deutsch om 14:47 Reageer op dit bericht

Entfliehen

Entfliehen
.
Ich lehne mit beiden Ellenbogen auf einen breiten,
dickhölzernen Stab,
einem der geflochtenen Pfeiler des Überstandes,
und überblicke die nahen grünen Halme
und weiter von mir fort,
die beiden Seiten unseres einzigen dörflichen Mäanders
(erspähe gar ein scheu trinkendes Reh).
.
Und geklärte Oberfläche deutet die Höhe
des Wassers an, bisweilen spiegelnd,
denn das Tageslicht liegt noch
da und dort in der Woche,
es mag ein Schein sein, doch dann wiegend,
verursacht vom Einfluss der entstandenen Dürre.
.
Unter mir tanzt ein Blatt an einem Stiel,
es neigt sich auf und nieder, vor mir,
so halte ich mich dafür;
im Wesen ist es unterwegs
zum auflichtenden Spiegel.
.
Doch nickt es gleichsam dienstbeflissen,
mit etwas Eleganz,
durch die Regelmäßigkeit einer krausen Strömung,
ermutigt von schon manchem entstiegenen Halm,
und mit in seinem Wesen beschlossener Willenskraft,
daher bietet dieser verheißungsvolle Morgenstund ihm
und jedem anderen wachsenden Gewächs
manch entfliehende Chance.

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Geschreven door Dreyfsandt Deutsch om 14:46 Reageer op dit bericht

Die Rosenlaube

Die Rosenlaube
.
Ich gehe noch immer vorwärts, immer weiter,
doch die Jahre zählen mit; die Früchte,
die ich pflücke, sind reifer, doch weniger geworden.
Älterwerden verlangsamt, lässt seufzen;
mein Leib wird träger, wie gesund ich auch lebe.
.
Der Geist hingegen hält besser Schritt —
noch jedenfalls.
Es ist ein Spannungsbogen,
den jedes denkende Wesen kennt.
.
Wir alle begannen mit unserem ersten Schluck,
dann folgten Wachsen und auch Fürchten,
von den ersten Kinderwörtern,
den einfachen Silben des Anfangs,
bis hin zum täglichen Lesen der Nachrichten.
.
Einsicht und Weisheit, langsam erworben,
sind wie Rosen an einer grünen Laube,
aus Eisen oder aus Natur gewachsen;
ihr Aufstieg nährt die freudige Erwartung.
.
Oben, so hofft man, herrscht eine friedliche Zeit,
doch nach der Blüte sinkt auch dieses Gebilde
auf irdische Weise. Es verfärbt sich,
wie das Ergrauen der Haare, und schließlich
wird es Dünger für die wartenden Schollen,
die das Weiterleben vielleicht anders erfahren.

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Geschreven door Dreyfsandt Deutsch om 14:43 Reageer op dit bericht

der, der ich bin

.
wohnen im Schatten
gehört zu mir; ich bin dort
gewiss nicht scheu, nicht stumm, nicht tot
.
meine Seele hört eine Stimme,
oder ein fernes Verlangen,
schwebend zwischen dem Heute
und einem ungebetenen Morgen
.
wohnen im Schatten
ist auch Warten auf Licht,
und wenn es nur eine Illusion ist
.
denn die Wirklichkeit zeigt,
wie Sie wissen, schöpferisch gesehen,
jeden Tag ein anderes Gesicht
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Geschreven door Dreyfsandt Deutsch om 14:42 Reageer op dit bericht

eine durchschossene Schattenspur,

so war es wohl,
dachte ich einen Moment,
als die Halle,
die ich betrat,
gerandet von
Schatten und
schreiendem Sonnenlicht
durch ein quadratisches Fenster,
mich übermannte.
ich trat hinein
in eine Welt,
anders als draußen,
nicht wissend,
was zu erwarten war:
ein steinernes, gebogenes Himmelsdach
und Jugendstil‑Platten
als Boden
einer gefüllten Leere.
.
das Stille‑Orgelwerk
pochte meine verlorene Ruhe wach,
ich war nichtig
und doch so stolz —
dies war
göttlich komponiert
von Menschenhand.
.
einen Augenblick lang
wähnte ich mich
als Organist
in diesem Theater
ohne Sitze.
.
ich legte mich nieder
und verlor mich selbst
einen Augenblick lang
wähnte ich mich
als Organist
in diesem Theater
ohne Sitze.
ich legte mich nieder
und verlor mich selbst
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Geschreven door Dreyfsandt Deutsch om 14:40 Reageer op dit bericht

Alt und Neu

Alt und Neu
.
wie spröde waren meine Lippen,
da ich, endlich und ermüdet, dürstend
von staubiger Weisheit kostete
.
knirschend zerbarst
mein Weltgefüge,
überhäuft von dürren Blättern
.
suchte von neuem,
wie der Mensch nun einmal ist,
eine andere Schemenform
.
ich war Zeuge
meiner eigenen Erschaffung
und begehrte abermals,
den Horizont zu deuten
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Geschreven door Dreyfsandt Deutsch om 14:37 Reageer op dit bericht

Aufblühend


gemeinsam,
er jung,
ich schon weit,
und sprach von meiner vergangenen Zeit
so nah am Horizont.

.
Er strahlte
wie ein hell blinkender Stern,
wohl noch aus früher Honig geformt,
und drehte an der Leier,
unterdessen
fast zerbrechlich vor Rührung.

.
Es war, als nähme seine Musik
mich mit in eine aufblühende Leidenschaft,
in der ich unweigerlich
verlorenging.

.
Er kannte die entweichende Ausstrahlung
eines frühen Troubadours;
die Saiten standen bereits
in Engelakkorden.

.
Seine glänzenden Augen führten die Zuhörer
und mich
in Verzückung.

.
Wunderbar
wuchsen wir einander entgegen,
ganz ohne Übung zuvor.

.
Es geschah bei einem Fest der Menschen
in ihrem Abend,

doch vor allem bei jenen, 

die trotz  jedes späten schweren Atems

.

der untergehenden Sonne ihre Stille gaben
und das Herz eines jeden
an das des anderen banden

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Geschreven door Dreyfsandt Deutsch om 14:36 Reageer op dit bericht

Automat,

Ich glaube nicht, dass die Vergangenheit
mich aus dem Heute treibt.
Nein — sie legt das Kommende
in einen deutenden Rahmen.
.
Immer bewusster wird mir,
dass ich gehe vom Anfang
in eine Zeit ohne Namen,
in eine Ruhe, die sich endlos anfühlt.
Unterwegs nähr’ ich mich an Liebe und Gebrauch,
vermischt mit meinem eigenen Schatten —
ein Weg des Erkennens hin zur „Sinn“.
.
Doch weiß ich nicht,
wie weit ich mich selbst
in die rechte Richtung stoße.
Und ob es zählt,
dass ich das Leben liebe.
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Geschreven door Dreyfsandt Deutsch om 14:30 Reageer op dit bericht

Blaues Träumen

Blaues Träumen
.
mein Schauen ist von außen her eingefasst,
in sechs Scheiben klaren Glases.
so erscheint sie mir als umgrenzt,
doch ihr Leuchten kündet leise
über hölzerne Schwellen hinweg
eine Schönheit,
die in ihrem Erscheinen meinen Traum berührt.
.
darinnen kreisen wir um die Tafel,
die uns einen schattenhaften Raum verleiht.
sie schreitet im Duft „rosiges Parfum“,
fast greifnah,
doch stolz wahrt sie den Adel ihres Ganges.
ich habe nur zu folgen,
denn sie hat es also gefügt.
.
und ich — ich verharre in meinem Seufzen,
mit fast geblendeten Augen,
und werde in einen warmen, schwülen Hauch getragen.
es ist blaues Träumen im Gewebe der Luft
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Geschreven door Dreyfsandt Deutsch om 14:29 Reageer op dit bericht

Erwachen ..

die Straße ist wieder entjungfert
vom sanft sprühenden Regenwasser,
Hitze und klamme unsichtbare Seufzer
hielten das Fußbett und die Klinker,
gehüllt in staubiges Sandlicht und auch meinen dumpfen Geist,
lange gefüllt mit fragenden, aussichtslosen Fluchten,
jede auf ihre eigene Weise,
so wie man Bedürftigkeit selbst liest.
.
ich sehe auch, wie die Früchtchen an den Zweigen
Tröpfchen weinen, eine zarte Geste
in dieser bewölkten Morgenstunde;
für mich hat das etwas Rührendes,
wenn ich durch ihre dünnen Häutchen starre,
möchte ich gern das fallende Nass,
in verlangsamtem Tempo,
mit meinem Mund auffangen.
.
unterdessen beugen sich die Zweiglein unter dem Leichtgewicht,
auch sie müssen sich an den so ersehnten Umschwung gewöhnen;
die Blätter scheinen zu winken durch sich lösende Tropfen,
ich bemerke ein zurückgehaltenes Lächeln.
.
fast unbemerkt ruft ein Passant,
während meines Starrens und Suchens,
ein etwas getragenes „Guten Tag“.
.

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Geschreven door Dreyfsandt Deutsch om 11:56 Reageer op dit bericht

Deinendes Licht

Deinendes Licht
.
Ich habe mich geöffnet,
damit die Welt wieder eintreten darf.
.
Das vergangene Jahr war, und ist zuweilen noch, erschöpfend —
mit einem bescheidenen Lächeln hier und da.
Nun suche ich erneut einen Pfad,
um zu meinem Eigenwesen aufzusteigen.
.
Es sind kleine Schritte, wohlbedacht.
Ich war geistig weltmüde,
und meine Seele war weit von mir abgedriftet;
das ständige Müssen hat mich mitgerissen.
.
Eine Tat habe ich vollbracht:
Ich vergrößerte meinen Garten,
schnitt das wilde Gehölz um die Terrasse zurück —
Licht hinein, fort mit dem überflüssigen Schatten.
Ich sägte Äste in Stücke
und pflanzte sogar Sonnenlichter,
damit man mich wieder dort sitzen sieht.
.
Tag und Nacht arbeite ich, wach oder schlafend,
an meinem inneren Baum,
der, wie ich erkenne, seit Jahren
teilweise von selbst
durch einen namenlosen Übergang geführt wird.
.
So kennt die Aussicht wieder einen sanft wogenden Saum.

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Geschreven door Dreyfsandt Deutsch om 12:40 Reageer op dit bericht

Bus 156 – Tag 2 (Prosa)

Prosa.
.
Bus 156 – Tag 2
.
Ich steige aus Bus 156 und gehe Richtung Zentrum. Diesmal gehe ich nicht durch die ganze Stationspassage, sondern laufe mit den anderen Aussteigenden um den gesamten Komplex herum. Überall abgesperrt mit Gittern und hochgebauten Gestellen, gefüllt mit Tausenden Fahrrädern. Ich gehe durch die Stellstraßen und tatsächlich, ich treffe sofort einen Aufseher. Noch nie gesehen. Ich grinse: „Guten Morgen“, zu dem Mann im Dienst mit Abzeichen auf der Brust. Ja, ich möchte zuverlässig wirken. Er geht weiter.
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Unterwegs zu meinem festen Kaffeeplatz, an der Ecke eines Knotenpunkts von Straßen mit Autos und den früh unterwegs seienden Schnäppchenjägern…
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Ach, es könnten natürlich auch Arbeiter oder Büroleute sein. In dieser Stadt gibt es noch eine zusätzliche Arbeitergruppe: die hochgebildeten Menschen aus dem Ausland, angezogen, um die „High Tech“ der Stadt und der Niederlande auf einem unangreifbaren Niveau zu halten. Man konkurriert hier mit der Volksrepublik China.
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Ich bestelle also den billigsten Kaffee… man gibt mir die Wahl zwischen einer großen und einer kleinen Tasse… anschaulich, als sähe ich wie ein Fremder aus. (oder aus einem Bauerndorf komme, was ja auch stimmt, aber das nur nebenbei)
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„Möchten Sie ein Keks dazu?“ – na ja, sage ich… mach nur… ich hatte diese Zucker zu lange gemieden. Unsinn natürlich. Die Liebe des Mannes geht durch den Magen, sagen wir in unserer Sprache.
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Was mir schon öfter aufgefallen ist: Es kommt regelmäßig eine Mutter mit Kindern vorbei. Und ich stelle fest, dass die Beinstellung der Kinder die gleiche Anlage hat wie die der Mutter. Ich werde den Buchstaben nicht nennen, den wir dafür gewöhnlich verwenden.
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Ich suche den Vater und betrachte seine Beine. Erschreckend dünn, eine Art Bohnenstangen, sagen wir. Es gibt gleich einen Einblick, wie die Verhältnisse in der Familie liegen – sofern es eine Familie ist, man weiß das ja nicht mehr.
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Heutzutage gibt es allerlei Zusammensetzungen im Bindungsverband.
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Um meinen Platz kurz zu beschreiben: Ich sitze jetzt in einer der größten Bibliotheken des Südens und schaue direkt auf eine schwarze Wand. In großen bunten Buchstaben steht darauf: Young Adults. Wow, denke ich… sitze ich hier überhaupt richtig? Ich hatte doch extra gefragt, ob ich dort mit meinem bestellten Kaffee sitzen darf.
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Ich versuche mir einen Platz zu geben zwischen den anderen Anwesenden bei „Young Adults“. Von den acht Personen waren natürlich alle jünger als ich. Mit etwas Einschätzungsvermögen holte ich zwei Jugendliche heraus. Zwei Anwesende waren pensioniert, darunter ich…
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Ich schaue nach links und sehe dort ein junges Elternpaar mit drei sehr kleinen Kindern sitzen (ich sitze neben dem Restaurant). Das älteste Kind schätze ich auf drei Jahre. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich mit meinen Kindern in diesem Alter ein Bibliotheksrestaurant aufgesucht hätte. Aber ja… man muss früh anfangen mit Lesen oder Erzählen, das wird wohl die Motivation sein. Nachdem sie ihr Getränk ausgetrunken haben, rennen die Kinder durch den Raum. Ja, das wirkt auf mich etwas gesünder.
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Währenddessen höre ich über YouTube und Ohrhörer meine eigene komponierte Musik. In diesem Fall eine Orgelkomposition, die ich zur Jahrhundertfeier der Hl. Oda gemacht habe, Namensgeberin unseres Dorfes. Es ist Teil 1 einer Serie von Etüden. (Ich komponiere unter dem Namen Johannes Revisius. Ja, ich habe mehrere Identitäten: Das ist auch, um mich anonym durchs Dorf zu bewegen.)
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Auf einer Informationsseite werde ich als eine etwas geheimnisvolle Figur beschrieben… ein bisschen seltsam, ist gemeint.
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Gestern hatte ich mich bei einem zentraleuropäischen Schriftstellerkollektiv angemeldet. Ich wurde zwar akzeptiert, aber es wurde nichts von mir in einer slawischen Sprache veröffentlicht. Na ja, dann nicht, dachte ich, und ich nahm mir vor, es später anderswo zu versuchen. Doch ich öffne gerade meinen PC und sehe eine Einladung, doch Mitglied zu werden. Ich stelle fest, dass es noch verwirrend wirkt. Aber das liegt natürlich an mir… Man hat sich natürlich erschrocken… was soll ein Käsehändler in der Orthodoxie?
.
Ich habe natürlich auch etwas Positives in mir. Ich verbinde mich gern mit anderen Menschen und Sprachen. In diesem Fall durch Poesie und ich bemühe mich, den anderen in seiner Sprache zu verstehen und etwas zurückzugeben. Es ist so nötig in unserem Europa. Übrigens, in welchem Land braucht man nicht mehr Verbindung?
.
Aber gut, mein Beitrag zum Weltfrieden ist, mich selbst zu teilen. Ob nah oder fern.
.
Einen schönen Tag noch,
.
Julius
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Geschreven door Dreyfsandt Deutsch om 00:00 Reageer op dit bericht

Jeden Morgen

Jeden Morgen
Jeden Morgen begegne ich dem Mann mit dem kleinen Hund.
Aus der Ferne hebt er seinen Arm,
als wolle er der Welt versichern,
dass wenigstens eine Gewohnheit noch zuverlässig funktioniert.
Seit Jahren dasselbe Ritual,
wortlos,
aber erstaunlich stabil in einer wankenden Zeit.
Manchmal genügt mir dieses stumme Zeichen.
Andere hingegen reden wie ein Wasserfall,
der nie gelernt hat, Pausen zu machen.
Ich denke erst nach, bevor ich frage –
und dann ist der Moment schon vorbei,
vom Redestrom weggespült.
Im frühen Licht gehe ich meinen üblichen Weg
durch das kleine Parkstück am Ende der Straße,
halb wach, halb in jenem Zustand,
in dem man sich fragt,
ob man überhaupt al wakker is.
Und doch spüre ich:
Es gibt mehr Raum für mich,
als die Routine mir gönnt.
Seit kurzem gehe ich anders.
Ich öffne die Tür
und schaue in eine andere Richtung,
als hätte ich plötzlich begriffen,
dass Freiheit manchmal einfach ein anderer Blickwinkel ist.
Die Straße mit den großen Häusern,
den schweigenden Autos,
den fleißig ladenden Batterien.
Nur wenn die Schulen öffnen,
wird die Stille von Eile zerknackt.
Eltern setzen ihre Kinder ab,
in schwarzen Wagen,
die alle aussehen,
als hätten sie dieselbe Designschule besucht.
Mütter mit Lastenrädern,
ein Morgenchor aus halben Sätzen,
Pflichten, die schon mit verschränkten Armen warten.
Ich erkenne sie,
wie ich mich selbst erkenne
in den langen Wegen meiner Vergangenheit.
Nach dem Ausführen meines Hundes, Mikos,
stehen die Zurückgebliebenen noch da,
die „Hängeplatz-Eltern“,
die letzten Funken des Morgens,
die sich gegenseitig wärmen,
bevor der Tag sie auseinanderreißt.
Sie tauschen Neuigkeiten aus,
oder erfinden welche –
beides funktioniert erstaunlich gut.
Abends, stelle ich mir vor,
wiederholt sich alles,
nur mit anderen Requisiten.
Liebe, Routine,
ein Seufzer,
ein Lächeln,
ein einfaches Essen,
weil die Hitze am Küchenblock
keine Geduld hatte.
Und irgendwo ein Kind,
das Aufmerksamkeit verlangt,
als wäre sie ein Grundrecht.
Ich weiß, wie das ist.
Ruhe ist selten ein Geschenk,
meist ein hart erkämpfter Zustand.
Später, an der Bushaltestelle,
steht der Mann mit dem Hund
mit einem Koffer,
der nach fernen Ländern riecht.
Bangkok, sagt er.
Schon morgen.
Ein freundlicher Mensch,
bereit für ein paar Worte,
als hätte er sie jahrelang gesammelt
und nun endlich ausgeben wollen.
Im Bus setzt sich eine Frau neben mich.
Sie möchte nach vorne schauen, sagt sie.
Doch der Koffer des Mannes
nimmt ihr die Sicht,
wie ein übermotivierter Berg.
Wir lachen —
ein kleiner Moment von Menschlichkeit
zwischen zwei Haltestellen,
zwischen zwei Leben,
zwischen zwei Bildschirmen,
die niemand wirklich braucht.
Bei Bakker Bart trinke ich Kaffee,
der Wind streicht über meine Gedanken.
Ein alter Mann stürzt vom Fahrrad,
direkt vor mir,
doch mein Geist ist fern,
vielleicht im nächsten Kapitel.
Andere eilen zu ihm.
Er steht wieder auf,
springt sogar,
und fährt davon
mit jener eigentümlichen Würde,
die nur alte Männer besitzen,
die schon öfter gefallen sind.
Die Stadt atmet früh,
Terrassen sind schon besetzt,
als wäre dies ein fremdes Land.
Und ich gehe weiter,
mit einer leisen Verwunderung
und einem Rest Kaffee
in meinem Inneren.
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Geschreven door Dreyfsandt Deutsch om 12:10 Reageer op dit bericht

irdische Ewigkeit,

irdische Ewigkeit,
.
ein leises Band von Freundschaft,
Brüderlichkeit im Schatten des Lebensbaums.
.
Ein zusätzlicher Arm,
der mich hält,
wenn meine Seiten schwach werden.
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Groß sind jene,
die meine Tränen kennen –
Schmerz oder Freude,
beides heilig.
.
Freundschaft wächst im Gleichklang,
in der Nähe,
und bleibt bestehen
selbst im Fernsein.
.
Ich kann meine Freunde lieben,
auch wenn ihre Augen
bereits geschlossen sind;
denn Liebe erinnert sich
in vielen Gestalten.
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Geschreven door Dreyfsandt Deutsch om 13:01 Reageer op dit bericht

Parade.

Was die Liebe mit mir anstellt
gleicht bisweilen dem Florett auf leuchtenden Bahnen;
es ist wie ein Ballett, mit wechselndem Schritt,
den anderen zu berühren in meinem Überfluss‑Verlangen.
.
Doch nahezu nur der Torso, wohlgemerkt,
und wachsames Anschauen,
wie meine geliebte Beute auf ihre Fertigkeit setzt.
.
Es ist ein Spiel von Kommen und Gehen,
als wechselte man fortwährend die Schatten,
und doch kann man keineswegs ohne den Leib des anderen sein;
sie als Frau, ich als Mann.
.
Oft ist es ein Suchen nach verletzlichen Stellen,
während der Blick in den Augen hinter dem stählernen Gitter gefangen bleibt
und ich meiner Parade und ihrem Riposte gewahr werde.
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Auch jetzt wird das Herz wohl meine Zärtlichkeit wecken,
denn mein Geschick lebt von Natur aus hinter einem sinnlichen Schleier.
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Geschreven door Dreyfsandt Deutsch om 17:29 Reageer op dit bericht

Morgendämmerung .

Morgendämmerung
.
Ich habe letzte Nacht schlecht geschlafen
Meine Gedanken waren verwirrt
Und schwebten düster
In einer unbekannten Ferne
.
Sie sind schwer zu verstehen;
Es gab singende Engel
Oder zischende giftige Schlangen
Die sich in mein Bewusstsein drängten?
.
Sicher ist nur, dass ein schwerer Pendelschlag
Nun die sechste Stunde geschlagen hat
Und während ein Zebrafink erwacht
Beginnt sich der Himmel blau zu entfalten
.
Verzaubert die Morgendämmerung
Gott sei Dank mit neuem Licht
Durch meine beschlagenen Fenster
Ein Lächeln auf meinem Gesicht
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Geschreven door Dreyfsandt Deutsch om 10:16 Reageer op dit bericht

Wenn die Sonne steigt

Wenn die Sonne steigt
.
Ich gehe umher, bald hin, bald zurück
auf einem Gehweg, entlang Sand und Zelten.
Es ist noch früh, doch atme ich die Schattenluft
der späten, vorangegangenen Stunden
in diesem dauernden Sommerfrühling.
.
Der Mensch, dem ich begegne, träumt noch oft
von nächtlichen Stunden oder drängenden Gedanken,
und kommt im Vorübergehen fast wie in Trance daher.
Auch ich werde überholt von allen Arten Turnschuhe,
die mein Schlendern wohl verachten.
.
Ein Morgenwind verleiht den schrillen Lauten Würze
der starrköpfigen Möwen über mir,
die kreuz und quer meinen niedrigen Himmel zeichnen
und in ihrer Jagd nach möglicher Beute schreien;
was meist auf vom Menschen hinterlassenen Unrat deutet.
.
Am Hafenkopf spritzt das Wasser gegen Betonblöcke,
und ich sehe und höre das Aufeinanderschlagen
der natürlichen Elemente:
aufwühlende Wasserstreifen, die fallend klatschen.
.
Leicht ist es nicht, dies in Schwarzweiß festzuhalten;
doch fühle ich die herrschende, atmende Atmosphäre
deutlich mich in ihre Arme locken.
Die Nordsee wirkt daran mit, immer wieder.

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Geschreven door Dreyfsandt Deutsch om 09:57 Reageer op dit bericht

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