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Nah dem Vorübergegangenen
.
Ich streckte meine Hand aus, und sie,
sie legte ihre Zart‑Zerbrechlichkeit
in die tragende Fläche meiner Hand
und offenbarte Adern von greiser,
würdevoller Schönheit.
.
Der hohe Sitz, darin sie ruhte,
mit Wölbungen zu beiden Seiten auf Haupteshöhe,
und Kissen, die sie trugen, doch kaum zu stützen vermochten
(sie war von statthafter Art, so dass sie nicht lehnte),
zeigte, was noch berührbar war.
.
Ihr Leib trug den Vorboten der Dürre,
doch ihre Stimme war kräftig und rein im Klang.
Ihre Augen aber sprachen in unserem Begegnen von Ergebung,
Sanftmut und geduldigem Dank.
Gehen .
Gehen
.
Auch wenn ihre Seele
mich aus nächster Nähe streift,
wo Augen sich mir zuwenden,
.
ist sie keinen Herzschlag lang bei mir,
noch will sie mir irgendein Zeichen senden.
.
Sie wohnt in ihrem Blick,
am äußersten Saum des Daseins,
schaut eher nach innen; was wir,
im Leben, nimmer zu deuten vermögen.
.
Es ist die Sterblichkeit,
die sie unablässig ruft,
während sie verweilt
in einer zerbrechlichen Würde.
.
Darin harrt ein einziger Hauch, der diese Hinscheidende über ihre letzte Schwelle geleitet.
Mein Feelein
Quartet von Julius — Vier Miniaturen .
Spähen
ich spähe
auf die gleichschlagende uhr
.
sie wälzt sich
nackt und weit geöffnet
im heißen, bröckelnden sand
.
trotz der hohen schutz‑zahl
brennt das fleisch
im nu
zu rotem schweigen
.
und ich,
ich lecke das salz
von meinen lippen
nach einem tag
voll digitalem
zerschneiden
Jagen und Hetzen
Melpomene
Himmlisch.
Die Klatschmohnblüte
“In Zwischenzeit”
Ode an mich selbst
Ihr vergessen ich
lieben im Schatten
sichtbar
Aktiv
Dankbar
Dankbar
.
ich habe mich kürzlich selbst ein wenig verwöhnt
nicht, weil andere mir das verwehren würden
doch es war ein Tag, an dem ich nur langsam aus dem Bett fand
und lieber noch ein wenig „liegen“ geblieben wäre
.
dieser Morgen geschah in einem neuen Jahr
eine Art Silvester mitten im Sommer
ein Moment, in dem mir dämmerte: ich habe Geburtstag
und wie bekannt, gehöre ich zu den sogenannten Babyboomern
.
diesmal wieder deutlich gesagt: „Leute, ich feiere nicht.“
das hatte natürlich die gewünschte bremsende Wirkung
dennoch fanden Liebende den Weg, wie man es jedes Jahr sieht
und so hatte ich die Ruhe, mich mit allen „an Deck“ zu verständigen
.
oh, es ist nicht so, dass ich mich einfach davonstehle
nein, die Nachkommenschaft ist zahlreich und vielfältig
also wenn die Blätter fallen und alle zurück sind vom Ferienvergnügen
essen wir dort gemeinsam, wo jeder für sich
seinen eigenen Geschmacksweg findet, der zur gewünschten Sättigung führt.
"Das Deutsche Requiem" von Julius Dreyfsandt zu Schlamm
REQUIEM — Deutsche Vortragsfassung
- Text ; julius dreyfsandt zu schlamm
- Musik: johannes Revisius
Zu hören: youtube page : julius dreyfsandt zu schlamm
INTROÏTUS — langsam, weit, mit langem Atem
schreite ein… du zu Staub… verfallener Mensch…
lege dich nieder… vor den Altar… des Lebens…
ich grüße dich… mit Weihrauch… und mit Licht…
ich segne dich… mit Wasser… aus dem Jordan…
der Geist… schwebe über dir… ewig…
und hier… singen alle… von deinem Lebenslied…
sie stehen… um dich her… dir innig… zugetan…
feiere… dein ewiges Leben… schreite ein… du zu Staub… verfallener Mensch…
KYRIE — etwas schneller, doch weiterhin getragen
ich höre euch rufen… nach meinem Namen…
fühlet… ich bin… allzeit… mit euch verbunden…
lasst uns… gemeinsam… die Schöpfung tragen…
ich bin bei euch… bis wir… die Ewigkeit… vernehmen…
die Irdische Liebe… höret euch an… und teilet… ihr lichtes Bild…
lasst uns… das Licht… gemeinsam schauen…
Er ist es… der dem Menschen… die gnadenvolle Hoffnung… schenkt…
GLORIA — breiter, dunkler, mit schleppendem Fall
wenn ich jauchze… mit verdorrten Zweigen… hinwinkend… zu meinem Ursprung…
wenn ich… gezwungen… noch nach Halt… mich strecke… und doch… abdrifte… zu erstorbenen Wassern…
ich kann… nicht mehr… rein gedenken…
obgleich… mein Herz spricht… blicke auf… zum Herrn…
doch ich bin… ein toter Mensch… der sein Vergangenes… verlor…
ich kann es… nicht mehr…
ich wollte… meine Hände heben… zu himmlischen Gaben…
doch mein Fleisch… erstorben… verharrt… im machtlosen Winken…
CREDO — langsam, schwer, mit tiefen Pausen
der Herr… von Leben… und von Sterben…
kennt… als Hüter… das Vertrauen… des leidenden Menschen…
und ewig… trauert Er… um zerrissene Herzen…
es ist… die Verzweiflung… der endlosen… schwarzen Nächte…
die den Menschen… das Leben… verachten lässt…
das Scheiden… alles Geschaffenen… zerschlägt… den Felsen… von Glaube… und Hoffnung…
und füllt… die Taufbecken… mit uferlosen Tränen…
wie betäubt… wie geblendet… scheint der Geist… unnahbar…
und wird… zum irdischen Dämon… der die Empfänglichkeit… im schweigenden… Höllenfeuer… vergehen lässt…
da ruft… die Menschenseele… machtlos…
wozu… dient die Liebe… warum… ist mein Blut… verflossen…
AGNUS DEI — sanft, langsam, beinahe flüsternd
deine Irdische Liebe… zum Sterben bereit…
an totes Holz… geschlagen…
doch selbst… in der Verlassenheit… vertrauend…
wird bei uns sein… wenn das Zerbrechliche… verführt…
deine Irdische Liebe… uns nahe… wenn der Schatten… lockt…
empfange… den Menschen… der gegangen ist…
verleihe ihm… den Frieden… im himmlischen Sein…
IN PACEM — sehr langsam, wie ein letzter Atemzug
https://www.youtube.com/watch?v=tGddpJvkcK4
lebt wohl… ihr Freunde… um mich versammelt…
ich fühle… eure warme Liebe… noch immer…
ich trage sie… mit mir… alles bleibt… in meinem Herzen…
sie stärkt… den Weg… zum Unvergänglichen…
dort… wird der Schöpfer… mich erwarten…
und Engel… vom Geist durchglüht… fein besaitet…
werden eure Trauer… mit erhellten Flügeln… lindern…
noch einmal… weine ich… mit euch…
und rühre… mit meiner Seele… an große Herzen…
die zarte Ruhe… erzählt mir schon… von der Stille…
sie lehrt mich… die irdischen Schmerzen… abzulegen…
singt mit mir… das Lied… des ewigen Friedens…
damit eure Tränen… zu einem Gewebe… werden…
die Göttliche Freude… wird neu… in euch geboren…
nun darf ich gehen… und ich höre… die Cherubim… rufen…
sie wollen mich… auf Händen tragen… zum Herrn…
lebt wohl… bis ich… zu euch… wiederkehre…
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Music: youtube Julius Dreyfsandt zu Schlamm Komponist: Johannes Revisius
Gerüche
das enthauptete autorität
das enthauptete autorität
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die kirche war tot keine seele zu erkennen auch nicht in den gewölben das gottlämpchen ist erloschen oder aus sich selbst heraus verglimmt
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die nase riecht nur eine muffige atmosphäre eine, die längst jenseits der gegenwart liegt nicht mehr lebend, atmend, geschweige denn noch fähig, diesem einen menschen zuzuhören wohl aber der schwarzen tropfkerze aus einer letzten messe
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ja, es bleibt irgendwo doch belebt mit vielen leeren bänken als würden sie schreien, den raum füllen zu wollen; aus der kanzel ist eine ruine geworden, aus dem beichtstuhl verbreiten sich saure und verfaulte schwaden
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so zeichne ich das menschenbild und die erde ringsum mit einer allseits entkleideten autorität, dekadent und geblendet
.
draußen schreien demonstranten, zum feuer bereit weil jener eine flüchtling hier einen platz findet wo wird noch aus dem schwarz die hoffnung auf vernunft verführt


