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Archief

auch jetzt ist es morgen

ich zwinge kein Morgen aus meinem Willen
vielmehr lasse ich das Kommende leise entstehen
man kann ruhig sagen: der Tag hebt sich sanft
und denke an das stille, sichere Wachsen der Bäume
.
gewiss, ein Weitergehen bleibt notwendig
doch im Grunde trägt das Innere alles
kann es auf Vertrauen ruhen, wird „Drängen“ unnötig
und ich spüre, wie die Einsicht allmählich
zu einem freieren Atem findet; sie kann, vielleicht will sie
wieder bauen an einem helleren Zuhause
.
etwas in mir meldet sich, ungefragt doch willkommen
dass der heutige Tag immer mehr das Morgen in sich trägt
es ist kein Vorhersagen, nur ein sanftes Bewegen
wie ein stilles Schwingen, rhythmisch, leicht geschichtet
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Geschreven door Dreyfsandt Deutsch om 12:20 Reageer op dit bericht

Ich, als ein Liebenswerter/Prosa

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Ich suche eine Zärtlichkeit, die ohne Worte auskommt. Ein stilles, warmes Wissen, dass jemand da ist und mich sieht, wie ich wirklich bin: ein Mensch mit vielen Seiten, manchmal im eigenen Sein, mit seinen leisen Gegensätzen. Und doch bleibt es entscheidend, dass ich mich selbst kenne und mich nicht verliere.
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Der Weg durchs Leben fühlt sich oft an wie ein Reitparcours. Man berührt die erste Stange, manchmal die hohe, die für einen Moment wie etwas Besonderes wirkt. Und dann ist es die letzte Querlatte, die das Verlangen einfach in die Luft entgleiten lässt, als wäre es zu leicht geworden für die Erde.
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Ich habe gelernt, dass Freude kommt und wieder vergeht. Die Wirklichkeit führt mich, mal sanft, mal hart, und zeigt mir ihre Wahrheit, sofern sie überhaupt besteht. Sie hat viele übersehene Seiten, und manchmal wirkt sie wie ein stilles Los, das dich begleitet, ohne sich aufzudrängen.
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Es kommt darauf an, mit sich selbst Freundschaft zu schließen. Das Sanfte um einen herum aufzunehmen, zu bewahren, nicht zu vergessen. Die Steine auf dem Weg muss man selbst tragen. Und man muss lernen, das Ganze im Herzen zu lieben, auch durch die Schichten hindurch, die sich sträuben und dennoch bleiben die man langsam lernt zu halten, wie alte Lagen von sich selbst ohne Hast, ohne Urteil.
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Geschreven door Dreyfsandt Deutsch om 13:27 Reageer op dit bericht

Seitenraum (messenger)

Seitenraum (messenger)
.
ich sprach mit ihr
leise, fast ohne Gewicht
ihr Akzent: nirgends zu fassen
nur Zeichen, die sich
behutsam zurückzogen
.
es störte nicht
es waren Lettern im Seitenraum
halb im Licht, halb im eigenen Schweigen
und mit Ikonen kommt man weit
ein kaum hörbarer Glanz
.
die Hitze stand schon im Äther
drum wirkt hier vieles
wie unter einer dünnen Schicht Frost
ach, sie schrieb: bis ein andermal
und ich nickte nur
still
ich bin keiner, der sich aufdrängt
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Geschreven door Dreyfsandt Deutsch om 11:35 Reageer op dit bericht

Die Indische Weisheitslehre des erhabenen Rhamie des Verschlossenen (Prosa)

Die Indische Weisheitslehre des erhabenen Rhamie des Verschlossenen
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Heute habe ich die seltene Ehre, einem wahrhaft edlen Menschen zu begegnen. Obwohl klein von Gestalt, umgibt ihn – ja, es ist tatsächlich ein er – jene stille Ausstrahlung, die nur wenigen Auserwählten zuteil wird: Weisheit mit einem großen, beinahe königlichen W.
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Nach Jahren des vergeblichen Bemühens, ein Gespräch mit dieser rätselhaften Persönlichkeit zu führen, ist es – durch die gütige Vermittlung Ihrer Majestät – endlich gelungen, ihn hier im Atrium seines asketischen, fast schon heiligen Wohnsitzes zu treffen.
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Ich präsentiere Ihnen: den weltberühmten Weisen Rhamie den Verschlossenen aus Indien.
Julius:
Mit welchem Titel darf ich Sie anreden, erhabener Meister?
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Rhamie:
Sag einfach Schlösschen. Ich halte viel von Einfachheit.
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Julius:
Dann falle ich gleich mit der Tür ins Haus: Wie sind Sie zu jener erhabenen Gestalt geworden, die ich hier vor mir sehe?
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Rhamie:
Ich habe meine Brille abgesetzt und angefangen zu denken.
Dann habe ich aufgehört zu denken und einfach in die Ferne gestarrt.
Da ging das Licht an. Ich sah plötzlich alles, was ich nicht brauchte, und ließ einen Gebrauchtwarenladen meine Besitztümer abholen.
Ich vertraue der Kreislauf‑Philosophie: Wenn ich etwas vermisse, kehrt es schon zurück.
Seitdem sorgen meine zahllosen Schüler für mich.
Du siehst sie dort – wie sie mich mit sehnsüchtigen Augen anstarren. Wunderschön, nicht?
.
Julius:
Verehrtes Schlösschen, die Frage, die die Menschheit seit Urzeiten bedrückt, lautet: Was ist der Sinn des Lebens?
Muss man glauben, was die Religionen uns vorsetzen?
Ich bitte um Ihre erleuchtete Meinung.
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Rhamie:
Lieber Julius, diese Frage hätte ich von dir nicht erwartet – aber gut.
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Julius:
Ich sitze hier nicht für mich, sondern für unsere große Schar unwissender Leser.
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Rhamie:
Dann will ich beginnen.
Und damit packe ich den Stier gleich bei den Hörnern: Man geht an den Start.
Man steckt den Schlüssel in die Steckdose und das Auto springt an – meistens.
Sobald wir geboren sind, starten wir, hängen ein paar Jahre an Mutters Rockzipfel, lernen dann alles, was wir nicht brauchen, verlernen es später wieder, um unserem Leben doch noch etwas abzugewinnen – und dann kommt sie, die große Frage:
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Was ist der Sinn des Lebens?
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Doch das Wort Sinn ist ein Chamäleon:
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A) Ich habe Lust auf einen Apfel
B) Ein Satz mit Wörtern
C) Ich habe keine Lust
D) „sein“ wird im Dialekt manchmal als „zunne“ ausgesprochen
E) sinn‑los gibt es auch
.
Du siehst: Das kleine Wort ist ein ganzes Universum.
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Die Frage lautet also nicht Was ist der Sinn des Lebens?
Sondern: Welche Bedeutung des Wortes „Sinn“ wählt man?
.
Die Hedonisten entschieden sich für: Ich habe Lust auf einen Apfel – genießen also… wie die Brabanter und ein einzelner Zeeländer.
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Deine weiblichen Leser werden sich eher im Satz wiederfinden: Ich habe keine Lust.
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Andere behaupten, es gebe keinen Sinn im Leben. Das ist töricht.
Frag einen Buschmann: Was ist der Sinn des Lebens? – er antwortet sofort: Würfeln.
Er macht da kein Theater.
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Das eigentliche Problem begann mit dem Denken.
Denken hat selten Sinn.
Schau auf eure Betuwe‑Bahnlinie: Jeder Experte mischte sich ein – und nun kostet sie doppelt so viel.
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Nein, der Sinn des Lebens ist einfach.
Ich schreibe ihn selbst – in Form eines Verses:
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wacht nicht bis ein anderer
der für euch den Sinn bestimmt
schreibt ihn selbst und
haltet euch daran fest
und solltet ihr doch daran tragen
geht zu einem Dichter
der schreibt euch einen Sinn
und euer Leben wird leichter
denn er kann euch sagen
in einem Satz gefasst
dass der Sinn des Lebens
in eurem Traum zusammengefasst ist
.
Julius:
Ich bin überwältigt, Meister Schlösschen… sprachlos…
Sie lösen hier etwas, das niemand vor Ihnen gewagt hat auszusprechen.
Ich danke Ihnen aus tiefstem Herzen.
.
Rhamie:
Ja, mein Traum ist es, viel Geld zu verdienen – siehe meinen Beitrag zur Armutsbekämpfung.
Ich schicke dir die Rechnung für diese Audienz.
.
(2006
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Geschreven door Dreyfsandt Deutsch om 15:54 Reageer op dit bericht

Untergeordnet

manchmal ist man genötigt
in der Hitze des Gefechts
sich wie ein Chamäleon zu verhalten
und sich folglich zu verbergen
.
um sich den Schattenlagen anzupassen
damit man ganz gegen das helle Feuer am Himmel
mit seiner umgebenden Atmosphäre ausweichen kann
.
nun kommt der Tag völlig zum Stillstand
nicht weil es gesagt wird, sondern weil ich
auch von einem sättigenden, durchsichtigen,
schwülen Dunst überwältigt werde
.
und mich nicht hinaus wage, anders gesagt:
ich überlasse mich der Natur;
eigentlich mit einem widerspenstigen Seufzer
.
Wasser trägt dazu bei, das Dämpfen zu fördern
um den Lebensrhythmus etwas zu verlangsamen
und heute legt uns die Natur ihren Willen auf
damit wir wieder wissen, wie wir uns
auf das Höhere einzustimmen haben
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Geschreven door Dreyfsandt Deutsch om 14:46 Reageer op dit bericht

Transformation - (Prosa)

Transformation
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In der Zwiefalt des sogenannten Seins
öffnet sich mir das Eigene in seinen vielen Gestalten.
Wenn ich es im Herzen bewahre,
folge ich jener leisen Stimme,
die nicht spricht, sondern sich zeigt
wie ein innerer Klang.
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Es bedeutet keine Gewöhnung,
auch wenn es aus dem natürlichen Gefüge stammt.
Ich trage es mit mir,
als Weise, wie Welt und Selbst
einander berühren.
Und ich lerne, in diesem Mit‑Erscheinen
zu verweilen,
wie in einem Atemzug,
der mich führt.
.

So steht auch die Menschheit
in einer Epoche des Nicht‑Wahrnehmens.
Wir erschöpfen die Natur
und damit die Weise,
wie Welt uns entgegenkommt.
.
Doch einst wird die Welt sich wandeln,
und unser herrschendes Gebaren
wird, so ahne ich,
dem bloßen Willen entwachsen
und sich fügen
unter ein sich wandelndes, übergreifendes Gewölbe,
in dem Sein selbst
wie ein neuer Ton
durch uns hindurchklingt.

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Geschreven door Dreyfsandt Deutsch om 10:46 Reageer op dit bericht

Suchen

Suchen
.
ich schaue irgendwohin fort,
doch sie nach innen,
nicht die Lippen reden,
sondern Blicke,
die einen Ausweg tasten.
.
die ihren wie
unter einer Decke hervorgeschoben,
denn ihre Augen tragen Schwarz
als leises melancholisches Zeichen;
die Wangen bleich gefärbt,
als würde das Herz sie lenken.
.
ich selbst folge einem unbestimmten Gedanken,
in Weißgrau gehüllt;
meine Gläser ruhen
in einer Schattenfarbe, sonst
wäre ich nur ein irdischer Geist.
.
so warten wir auf jene Begegnung,
in der unser Gefühl
mit Hoffnung gefüllt wird;
in der träumerischen Abwesenheit,
wo die Leere selbst
aus ihrem Tagebuch vorliest.

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Geschreven door Dreyfsandt Deutsch om 17:40 Reageer op dit bericht

Utrecht

Utrecht.
.
Auch heut’ verrührte ich kein Klavier,
„die Finger suchten die Tasten nicht zu berühren“,
ein matter Dunst lag früh auf meinem Gemüte,
und ich schritt hinaus, wie einer, der aus dumpfem Schlafe
sein inneres Antlitz wiederfinden will.
.
Die Alltagsstunden, feucht und schwer,
hatten mein Herz in starres Leder gehüllt;
doch ein Tag mag enden in einem linden Hauch,
wenn nur ein Schimmer der Seele
wieder an die Welt zurückkehrt.
.
So fuhr ich über das Eisen,
fort aus der bleiernen Stille,
hin zu jenem Orte, der mich rief
wie ein alter, wachender Quell.
In der Stadt meiner Ahnen
tat sich ein Tor in mir auf,
und ich sog die mannigfaltigen Bilder,
die wandelnden Menschen, die atmenden Gassen.
.
Gestalten und Stimmungen im leisen Weben,
ein Aufklaren, das sich in meinen Schritt senkte.
Da denkt man nicht mehr an den schläfrigen Sand,
man sucht eine Abkehr, einen Seitenpfad,
eine Gracht, ein stilles Wasser,
irgendeinen Weg, der wieder strömt —
und findet sich, wie heimgerufen,
im warmen Mittlande meines alten Landes.
.
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Geschreven door Dreyfsandt Deutsch om 20:17 Reageer op dit bericht

du, mein Kind

du, mein Kind
.

siehest du auch, mein Kind,
die Ferne aus der Nähe;
du schaust hinaus, nach vorn,
indem ich frei mich wende
zu meinem einst’gen Sein.
.
deine Augen folgen Träumen,
die auch ich vormals geliebt.
.
dein hoffnungsschweres Herz
begegne ich in spätem Widerhall,
der nun in mir verweilt.
.
reich mir,
so du willst,
deine kleine Hand.
.
und wenn es darf,
fühlt mein Herz sich
für einen Augenblick
wie eine Ewigkeit froh.

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Geschreven door Dreyfsandt Deutsch om 14:36 Reageer op dit bericht

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