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juliusdreyfsandtzuschlammprosa 3 (Deutsch)

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Die gelehrte Kapelle, anderswo

Die gelehrte Kapelle, anderswo

.

heute war ich nicht dort.

ich fehlte — leise, fast unbemerkt,

wie ein Stuhl, der nicht herangerückt wird.

dort, wo Worte sich fanden,

wo sie im vertrauten Kreis von Seele

zu Seele glitten, war ich nicht.

.

meine Gedanken jedoch warteten auf etwas Zartes,

etwas Spiegelndes, ein stilles Wiedererkennen in anderen Augen.

doch ich blieb fern.

mein Prosa — aus alten Gedichten gehoben,

neu geformt, neu empfunden

— ruht weiter auf meinem Papier, schwarz auf weiß,

als wartete es selbst auf eine Hand, die es berührt.

.

ich sandte es einem König, einem Hispanisten,

einem Madrilenen, der mich fand, mich erkannte,

mich annahm. das war genug für einen Augenblick.

.

nein, ich war nicht bei jener Runde von Freunden und Bekannten,

alle geübt im Lauschen, alle suchend nach Worten,

die in der kleinen Kapelle wie feine Fäden aufstiegen.

.

ich habe ein Brüten verpasst, ein warmes Werden.

„deine Zeit kommt noch“, sagte meine innere Stimme,

so sanft, dass ich ihr glauben musste.

.

Prosa ist wie Prozac — sie löst die Schwere,

nimmt den Geruch der Nacht,

und manchmal auch die Spur der Abwesenheit.

meine Gedanken stehen Wache, nah an mir,

wie Tiere, die wissen, wann ich heimkehre.

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Geschreven door Dreyfsandt Deutsch om 15:53 Reageer op dit bericht

Mîn Hof

Mîn Hof

mîn garte kennt steinene vierkante vil an der zal

.

umbegeben von kunstgrase eines meters breit

.

ûz dem serre‑hûs beschouwe ich diesen rîcheit

.

doch zu der vollekunge suoche ich einen sîden rododendron

.

ich stelle in mitten in mîn betôn‑hof

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Geschreven door Dreyfsandt Deutsch om 15:30 Reageer op dit bericht

im Park

im Park

gebogen unde stram stütze ich mich an mînen stoc

.

und sehe under mînen brûwen zu ir der grâwen tûbe, die noch durch mich varn kan daz begegnen ist ein wân für zwei getragen von einer spilenden lôke

.

ein kurzer blic, und wir varn uns ein schalklîch birt ein lacheln nû geborn jeder tac hât sîn hôhe stunde

.

durch ein wênic lât ich mich gewinnen daz ist uns beider sêle gegôn

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Geschreven door Dreyfsandt Deutsch om 15:29 Reageer op dit bericht

Tropfen

Tropfen

daz wazzer in dem sêe glîzet lîhte als tanzten kleine sternlîn drüber diu früe sunne, noch niht warm, suochet tröpfelîn für ein gedicht

.

ein ende steiget ûf, sô nâhe verstôret von geraschel im riete klappende vluoc der vederen sî suochet eine stat im vürgesihte

.

diu ringe nôtent daz wazzer zu runzeln durch einen lîhten wîndes hûch doch der morgenlîcher schal verswîget oder bin ich selbe, der daz erwählt

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Geschreven door Dreyfsandt Deutsch om 15:29 Reageer op dit bericht

Der irdîsche Himel

Der irdîsche Himel

diu offenen tor zu mînem garte lâzen mich blicken in daz grüene hant in solher varwe truoc ich nie doch sint mir mage, die daz tûn

sô gât diu natûre ir eigen wîc in mînem wesenlîchen verlengede dâ bin ich hûslich inne nie gewizzenswanc dar an gekant

.

nû sprichet ein lîhte rîse über mîn lant und leget schirmende hût ûf mîne sêle ez ist als schouwen âne brille als wære al diu werlt gelîchet milde manchmal heimelîch, manchmal innerlieht durch daz grâ, daz immer mêre wachet und ich erschaue rîhe unde vüchse unde nâchbûren in ir besten tât ja, solhe vergrôzer dienen mir als ventîl

.

eine der muren ist mit samfte moose belîbet als bilde ich mir daz vor dâ hinder lît ein teil der werlte ez schenket mir ein vrîe wîse des sîn und mich verdrîeuzet niht daz vogele rônkend durch die lûfte varn ich kan wol tragen sehende blintheit unde hôrende tôve daz al geschenket mir einen wolverdienten sûtzer

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Geschreven door Dreyfsandt Deutsch om 15:28 Reageer op dit bericht

Auf brackigem Grund

Auf brackigem Grund

.

Er erzählt seine Geschichte,an diesem Morgen,

so wie er jeden Sonntag zu mir spricht;

sein Alter ist hoch, doch seine Welt noch höher,

er saugt nichts aus dem Daumen

oder einer anderen Mist,

und lässt mich jedes Mal ein Stück mitgehen

an seiner Seite.

.

„Ich brauche noch Zeit,

um meine Geschichte zu bezwingen;

obgleich körperlich verschlissen,

bin ich geistig noch tief von Bedeutung“,

lässt er mich beiläufig wissen.

.

Er durchkreuzt seine Jugend,

arm an Wärme, doch schreibt er mit den Lippen,

wie Schicksal oder Wille seine Welt erobern,

wobei er nahezu jede Bewegung zu benennen scheint.

.

Durch all die Jahre sammelt er Weisheit,

geschichtet auf jenem einen Stück brackigem Grund;

ja, vor mir sitzt ein besonderer Mensch,

der Gipfel und Täler einander zu erklären weiß.

.

Ich gönne ihm Zukunft

— so mein inniger Wunsch;

denn seine Welt erzählt vom Dasein vieler,

und gern gehe ich noch ein Stück seines Weges mit.

Deo volente bestimmt am Ende

seine oder meine Grenze.

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Geschreven door Dreyfsandt Deutsch om 14:55 Reageer op dit bericht

Gerief —(Zuflucht)

Gerief —(Zuflucht)
.
Kurz sind meine Gedanken,
einzeln gefüllt mein Gedächtnis,
und das Fallen in die Grube heißt Erwarten,
es schließt sich an den menschlichen Ungedulds‑Trieb,
durchzogen von unwahrhaftigem, weichgespültem Trösten.
.
Die Sonne fällt durch mein Fenster,
und ich sehe das Grün meines Gartens,
doch auch viel Stein, übereinander geschichtet,
drüben,
wo Menschen wohnen,
die schräg nach unten blicken
mit Wünschen, mir allen unbekannt.
Manchmal denke ich:
werden sie versuchen,
das Atmen zu vermeiden.
.
Leben ist Üben im Loslassen,
sagt mein Berater —
zum Glück bin ich das selbst, herrlich subjektiv.
Oder ich spüre, aus Entfernung, lebende Kumpels,
auch sie suchen ihre eigene Farbe
und wohnen am Horizont,
doch nicht allzu fern.
.
Sie zehren an einem alten Duft,
oder träumen noch von einem nahen Stern,
oder wühlen in ihrem eigenen
verbildenden Gerief.

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Geschreven door Dreyfsandt Deutsch om 13:23 Reageer op dit bericht

in einem anderen


.
ich kann nur schweigen,
mich sacht in Tiefe legen,
wartend auf das Ungewisse,
während ein feiner Zweifel
an meinem Nicht‑Wissen zerrt.
.
Wärme trägt mich durch den Tag,
doch die Sonne
streift die Seele mit
einem leisen Schmerz.
.
der Mensch — ein Würfel,
sechs stille Seiten;
welche Zahl
muss ich fallen lassen,
um Zukunft zu berühren.
.
Gedanken schimmern,
verwirrt,
und dennoch dringen
sanfte Töne
zu mir herüber.
.
kann nur der wache Schlaf
meinen Atem führen,
damit ein langer Sommer
in mir zu wohnen beginnt.
.
ich fühle mich nah gehalten,
doch nur wenige
reichen tief genug,
um mich durch alle Schichten
zu fragen.
.
und Antworten…
sie liegen in mir,
aber ich rühre sie kaum an.

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Geschreven door Dreyfsandt Deutsch om 12:26 Reageer op dit bericht

Übergang

.
mein Sein ist sich neu zu fügen begonnen,
allmählich nur ward mir dies kund.
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mein Zug stand stille, das Fernbild verging,
in Gedanken, die die Seele nimmer will;
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erst hart, hernach milder, sanfter
zu spät vernahm ich — wie mir eigen —,
dass eine Wandlung im Verborgenen nahte.
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Ungewiß ward ich im Tun, denn
was mich scheu macht, ist ein noch ungeschriebenes Fehlen,
Verwirrung ließ mich erst den schwindenden Atem spüren.
.
Mehr noch: ich begann gehetzt zu leben,
flüchtig ward mein vormals stiller Gang,
mein Leib gleichsam allzu sehr getrieben;
.
so hab’ ich dieser Tage wenig Klang in meinem Gesang.
.

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Geschreven door Dreyfsandt Deutsch om 13:55 Reageer op dit bericht

(Un)gereimt

 

.

Heute will ich für dich reimen,

nicht, um deiner Weisheit zu schmeicheln;

nein, ich hole es aus dem Misskredit,

als hätte unsere Sprache es längst verlassen,

da offenbar niemand mehr Gefallen findet daran,

Sätze in Formen zu fügen.

.

Wenn Bilder nicht mehr verflochten werden

zu innigen Leidenschaften,

oder Satans Gebilde keine Finsternis mehr

durchschreiten in wiederkehrenden Klängen —

.

was ist dann ein Weinstock ohne Ranken,

oder ein Rundweg ohne Biegungen.

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O gewiss, auch ich kenne das Ungereimte,

worin die Wurzel des Lebens berührt wird

und Schönheit ungekünstelter in der Tinte vertrocknet.

.

Wo Liebe aufblüht in zartem Verlangen,

oder der Tod fortschreitet zwischen Jetzt und Dann.

.

Ach, lass uns die Sprache umarmen,

ob verschwiegen oder aus Stille aufgebaut.

.

Blicke mit mir über Berge von Buchstaben,

wo Worte an Händen haften dürfen.

.

Ordne sie nur, und ein Gedicht entsteht;

es ist unser aller Streben.

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Geschreven door Dreyfsandt Deutsch om 13:13 Reageer op dit bericht

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