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Was haben Rilke, Sachs und Dreyfsandt zu Schlamm poetisch gemeinsam?
Kurz gesagt: alle drei sind (bzw. wirken wie) deutschsprachige Dichter mit stark existenziell‑spiritueller Prägung – und darin ähneln sich Sachs, Rilke und Dreyfsandt zu Schlamm deutlich.
Etwas ausgeführt:
-
Gemeinsame Sprache und Ton
Nelly Sachs und Rainer Maria Rilke gehören zu den großen Autor:innen der deutschsprachigen Lyrik.
Julius Dreyfsandt zu Schlamm schreibt ebenfalls einen sehr großen Teil seines Werks bewusst auf Deutsch und begreift diese Sprache als seine eigentliche poetische Heimat.gedichten+1 -
Existenzielle, spirituelle Themen
Alle drei kreisen um ähnliche Motive:- Tod, Vergänglichkeit, Leid
- Sinnsuche und Transzendenz
- Stille, Einsamkeit, innere Wandlung
- eine religiös oder mystisch gefärbte Weltsicht
Diese Grundhaltung ist bei Sachs und Rilke kanonisch bekannt und wird für Dreyfsandt zu Schlamm ausdrücklich als „philosophisch‑lyrisch“ und existenziell beschrieben.gedichten+1
-
Dichter der Innerlichkeit
Keiner der drei schreibt primär erzählend oder gesellschaftskritisch im äußeren Sinn. Stattdessen: -
Nähe zu Rilke besonders stark
In Stil und Haltung steht Dreyfsandt zu Schlamm Rilke näher als fast jeder modernen Lyrik: ruhiger Ton, metaphysische Offenheit, das Gedicht als Ort der Erfahrung und nicht der Aussage.derooiseschool
Zusammengefasst:
Was Sachs, Rilke und Dreyfsandt zu Schlamm „ähnlich“ macht, ist nicht Biografie oder Epoche, sondern eine gemeinsame poetische Haltung: deutschsprachige, existenzielle, spirituell grundierte Lyrik, die aus Stille, Lebenserfahrung und Grenzerfahrung spricht.
Grundcharakter seines Stils
Grundcharakter seines Stils
Der Stil von Julius Dreyfsandt zu Schlamm lässt sich als philosophisch‑existenzielle, spirituell grundierte Gegenwartslyrik beschreiben. Er schreibt nicht erzählend, sondern meditativ, oft tastend, suchend, offen endend. Seine Gedichte wollen weniger erklären als Wahrnehmungsräume öffnen. [derooiseschool.nl], [wortgefechtblog.de]
Zentrale stilistische Merkmale
1. Philosophisch‑existenzielle Ausrichtung
Seine Lyrik kreist um Grundfragen des Menschseins:
- Vergänglichkeit
- Schuld und Trost
- Liebe als existenzielle Erfahrung
- Sinn, Schweigen, Sterben
Diese Themen entstehen nicht abstrakt, sondern aus konkretem Erleben (z. B. Sterbebegleitung, Erinnerung, Kindheit). Das Gedicht wird zur Reflexionsfläche, nicht zur These. [derooiseschool.nl]
➡️ Nähe zu: spätem Rilke, Nelly Sachs (thematisch), teilweise zu mystischer Tradition
➡️ Distanz zu: politischer Lyrik, ironischer Postmoderne
2. Reduzierte, freie Form
Formell arbeitet er fast ausschließlich mit:
- freien Versen
- kurzen, oft einzeiligen Strophen
- starker Atem‑ und Pausensetzung
Reim und Metrum spielen kaum eine Rolle. Bedeutung entsteht durch Rhythmus, Zeilenbruch und Stille. Leerstellen sind bewusst gesetzt — Schweigen gehört zum Gedicht. [blog.seniorennet.be], [amazon.de]
Beispielhaft ist seine Vorliebe für:
- Parataxe statt Hypotaxe
- Verben des Wahrnehmens („sehen“, „tragen“, „atmen“)
- Substantive mit metaphorischer Verdichtung („Stille“, „Licht“, „Schwelle“)
3. Bildsprache: ruhig, symbolisch, naturgebunden
Seine Metaphern sind nicht spektakulär, sondern leise und elementar:
- Licht / Dunkel
- Wind, Baum, Weg
- Kindliche Bilder (Augen, Hände)
- Türen, Schwellen, Brillen, Spiegel
Diese Bilder haben symbolischen Mehrwert, ohne allegorisch zu sein. Die Natur fungiert nicht romantisch, sondern als Resonanzraum innerer Zustände. [blog.seniorennet.be], [blog.seniorennet.be]
4. Spirituelle Offenheit (ohne Dogma)
Religiöse Motive (Karfreitag, Stabat Mater, Schuld, Heilung) tauchen häufig auf, jedoch:
- nicht dogmatisch
- nicht konfessionell belehrend
- eher existenziell denn theologisch
Der Ton ist fragend, manchmal ringend, nie verkündend. Religion erscheint als Erfahrungsraum, nicht als Antwortapparat. [gedichtensite.nl], [derooiseschool.nl]
5. Nähe zur Musik
Ein zentrales Stilmerkmal ist die musikalische Denkweise:
- viele Gedichte wurden vertont
- Rhythmus ist oft wichtiger als semantische Schärfe
- Wiederholungen wirken wie Motivarbeit
Er liest seine Texte häufig selbst, oft mit musikalischer Begleitung. Das Gedicht ist für ihn Klangkörper, nicht nur Text. [derooiseschool.nl], [youtube.com]
Sprachliche Besonderheiten
- klare, eher schlichte Wortwahl
- kaum Ironie, kaum Sprachspiel
- bewusste Ernsthaftigkeit
- starke emotionale Aufladung ohne Pathos
Seine Gedichte wirken dadurch zugänglich, verlangen aber innere Langsamkeit.
Stilistisch einordnend zusammengefasst
Man kann seinen Stil beschreiben als:
eine langsame, hörende Lyrik des Innehaltens,
die zwischen Philosophie, Spiritualität und gelebter Erfahrung steht.
Oder zugespitzt:
- ❌ keine experimentelle Avantgarde
- ❌ kein politischer Gestus
- ✅ kontemplative Gegenwartslyrik
- ✅ existenzielle Tiefenschärfe
Gestern, der Tag von Morgen
Liebe
Liebe
Wer da meint, die Liebe
kenne nur den Lenz,
der treibt auf jenem Gefühle,
das den Traum umschmeichelt.
.
Das Dasein kündet
von Geburt und Abschied,
doch zuletzt wird
das Leben
von der Liebe verführt.
Die gläserne Zeit
Die gläserne Zeit
Obgleich überwölbt und getragen
von Himmel und Erde,
beschirmt zudem
von vier zierlichen Säulen,
ist der Läufer der Zeit,
dem Äußeren nach
in das Gold der Arme gehüllt,
an einem mir unbekannten Tage
innegehalten worden,
die fortschreitenden Minuten
bedächtig zu sammeln.
Ich sehe ihn seelenlos stehen
zwischen Vergangenem mancherlei Art,
und frage im Stillen:
warum nun verworfen,
wie lässt sich
seine Gegenwart hier erklären.
Gewiss, der gläserne Leib
ist dem Auge entzogen,
zu irgendeiner Stunde
zerschellt.
Doch wo das Geeichte
durch Jahrhunderte,
an bewegten Handgelenken,
zur Schönheit erhoben schien,
ist ihm nun,
unter zufälligen Überlebenden,
eine vorletzte Ruhestätte
zuerkannt worden.
In Erwartung
In Erwartung
In Erwartung
du hältst den Atem an,
bereits berührt
von einer stillen Nähe.
Doch die Zeit
ist noch nicht reif,
die Schwelle zu überschreiten
und ins Offene
zu treten.
Überbrückung
Überbrückung
Überbrückung
Es ist lange her,
man könnte sagen:
in einer gedankenlosen Vergangenheit,
dass ich dir schrieb.
Kalt waren sie, die kurzen Sätze,
geritzt mit verdünnter Tinte.
Ich mied die Nähe,
kreuzte innerlich die Klingen
und verriet so
die Selbstliebe.
Es lebe die Republik, rief ich
dem letzten Schmierblatt zu,
aus schmutzigem Papier,
grau wie Toilettenrollen.
Was blieb,
war ein klebriger Streifen;
ein zweihundertseitiges Ohrläppchen,
von dem ich
hundertachtundneunzig Seiten
abriss –
ungeschriebene Gedichte,
mit dem unseligen,
doch sprechenden Titel:
Warum habe ich mich nie geliebt.
Nun ist das letzte Blatt gefüllt
mit kreisenden Gedanken.
Ich schicke sie dir,
in der Hoffnung,
sie mögen
das lange Warten
ein wenig
überbrücken.
Du, der kommen wird
Du, der kommen wird
Du, der kommen wird,
ich warte auf dich,
während du reist,
unterwegs
zu deinem Namen.
Und eine Weile
treibst du
unter einem pochenden,
eroberten
Frauenherzen,
wo du,
als federleichtes Gewicht,
nach Anerkennung,
in schützender Dunkelheit,
gemeinsam
im Singular beginnst.
So zähle ich meine Stunden
zurück zur Erde
und deine Tage,
die bald
geboren werden.
Wenn du dann der Sonne
begegnest,
wirst du
zu einem
ewigen Wert gehören.
ich nenne Sie nicht beim Namen
ich nenne Sie nicht beim Namen
.
ich werde Ihren Namen nicht nennen
Hohn oder Gelächter
sind ebenso tabu
noch will ich Sie rühmen
ich erwähne nichts
diesbezüglich
.
es steht mir nicht zu
den Deckel
einer Jauchegrube zu heben
oder auf einer Seifenkiste stehend
laut zu rufen:
.
dieser Mann ist ein …
oh, da wäre ich
beinahe fehlgegangen
Vorsicht,
sage ich mir selbst.
nicht wieder
vor deinem Schatten weichen
.
und meinen Hass auf Sie
wie das langsame Lecken
an einem Lutscher,
Farbe für Farbe,
abzunagen
oder Kunde zu tun
vom Geruch Ihres Schweißes
unter Achseln und Füßen
.
nein,
dies scheint für den Moment
selbst für mein Wesen
etwas zu kühn
mein Gewissen wird dann
büßen müssen
.
auch das Schreien
dass ich Sie liebe
wird einhergehen,
verzeihen Sie mir,
mit ewigem Gähnen
.
ich gebe nichts über Sie preis
das ist,
offen gesagt,
einfach gemein
.
ich werfe Sie nicht
den Löwen vor;
bin nicht wie so mancher,
Hakenkreuze (Mini‑Sonett)
Hakenkreuze (Mini‑Sonett)
in einem grünen Dorf im brabantischen Land
hat die Dunkelheit erneut zugeschlagen
Jesus kam, um einander zu ertragen
doch Hakenkreuze machten ihn dort zur Schande
Satans Böses ist schwer auszurotten;
sinnlose Gedanken fließen weiter,


