Irmtraud Morgner

Irmtraud Morgner (22 augustus 1933 – 6 mei 1990)De Duitse schrijfster Irmtraud Morgner werd geboren op 22 augustus 1933 in Chemnitz. Na wat prozawerk in de stijl van het socialistische realisme kwam in 1968 voor haar de doorbraak bij het lezerspubliek van de DDR met de roman „Hochzeit in Konstantinopel“. De mix van fantasie en realistische beschrijving van het alledaagse leven vanuit feministisch perspectief zou haar handelsmerk worden. Met de romans die er op volgden zoals „Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz“ en „Amanda“ vierde zij vanaf 1974 ook grote successen in de BRD.
Uit: Die wundersamen Reisen Gustavs des Weltfahrers (1972)
“Mein Vater starb, als ich noch ein Kind war. Er hinterließ mir weder Besitz noch Geld, sondern Talent. Damit bewarb ich mich, als ich das vierzehnte Lebensjahr vollendet hatte, repräsentiert durch meinen Rechtsvertreter Emil Hädler, bei der Königlich-Sächsischen Staatseisenbahn. Ich wurde als Schlosserlehrling eingestellt, lernte aus, wurde Geselle, später Hilfsheizer, Heizer, Reservelokomotivführer und erreichte im Mannesalter, wozu ich berufen war. Ich zeugte vierzehn Kinder und fuhr große Lokomotiven, in meinen besten Jahren nur D-Zug-Lokomotiven. Alle Haupt- und viele Nebenstrecken meiner Reichsbahndirektion kannte ich. Wenn ich vom Dienst kam und die Küche betrat, wo man sein Wort schlechter verstand als auf steifachsigen Lokomotiven, begaben sich die großen Kinder auf die großen Bänke, die um den großen Tisch standen, und die kleinen auf die kleinen Bänke, die um den kleinen Tisch standen. In unserer Küche standen damals nur Tische und Bänke und ein gemauerter Herd. Auf dem kochte meine Frau Klara Kartoffelsuppe, Kaffee und Windeln in großen Töpfen. Über dem Herd hing ein Wandbord. Dort standen ein Dutzend zwiebelgemusterte Gewürzdosen, die nicht enthielten, was ihre Aufschriften besagten, sondern: Thymian, Estragon, Basilikum, Sellerie, Liebstöckel, Kümmel, Majoran, Beifuß, Dill, Pfeffer, Leberwurstgewürz, Blutwurstgewürz.”




















