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Berichten van 10 december 2014

Emily Dickinson, Karl Heinrich Waggerl, Jorge Semprún, Nelly Sachs, Gertrud Kolmar

De Amerikaanse dichteres Emily Dickinson werd geboren op 10 december 1830 in Amherst, Massachusetts. Zie ook alle tags voor Emily Dickinson op dit blog.

 

The sun kept setting, setting still

The sun kept setting, setting still; 
No hue of afternoon 
Upon the village I perceived,— 
From house to house ’t was noon. 
 
The dusk kept dropping, dropping still;        
No dew upon the grass, 
But only on my forehead stopped, 
And wandered in my face. 
 
My feet kept drowsing, drowsing still, 
My fingers were awake;        
Yet why so little sound myself 
Unto my seeming make? 
 
How well I knew the light before! 
I could not see it now. 
’T is dying, I am doing; but        
I ’m not afraid to know.

 

 

Sleep is supposed to be

Seep is supposed to be, 
By souls of sanity, 
The shutting of the eye. 
 
Sleep is the station grand 
Down which on either hand        
The hosts of witness stand! 
 
Morn is supposed to be, 
By people of degree, 
The breaking of the day. 
 
Morning has not occurred!        
That shall aurora be 
East of eternity; 
 
One with the banner gay, 
One in the red array,— 
That is the break of day.

 

 

Ik had ernaar verlangd

Ik had ernaar verlangd altijd
En toen het zover was
Had van wat werd tentoongespreid
De wijn wel wat aparts

Op tafels had ik het zien staan
Verlangend en verloren
Daarbinnen waar de weelde was
Die mij niet toebehoorde

In plaats van brood in overvloed
Waar kruim niets weg van heeft
Had de natuur mij steeds gevoed
Met wat er overbleef

Het deed me zeer, die rijkdom daar
Het was me alles vreemd
Een bosbes voelt zich zo op straat
Niet op zijn plaats, ontheemd

En ook bleek het verlangen weg
Verlangen was alleen
Bedoeld voor wie nog buiten was
En binnen dan verdween

 

Vertaald door Ans Bouter

 

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Emily Dickinson (10 december 1830 – 15 mei 1886)
Standbeeld in Spartanburg, South Carolina

 

 

De Oostenrijkse schrijver Karl Heinrich Waggerl werd geboren op 10 december 1897 in Bad Gastein. Zie ook alle tags voor Karl Heinrich Waggerl op dit blog.

Im Advent

 Für mich begann in der Kindheit der Advent damit, daß mich die Mutter eines Morgens weit früher als sonst aus dem Bett holte. Der Mesner läutete immer schon die Viertelglocke, wenn ich endlich halb im Traum zur Kirche stolperte. Nirgends ein Licht in der bitterkalten Finsternis, und oft mußte ich mich mit Händen und Füßen durch den tiefen Schnee wühlen, es war ja noch kein Mensch vor mir unterwegs gewesen.
In der Sakristei kniete der Mesner vor dem Ofen und blies in die Glut, damit wenigstens das Weihwasser im Kessel auftaute. Aber mir blieb ja keine Zeit, die Finger zu wärmen, der Pfarrer wartete schon, daß ich in meine Albe schlöffe und ihm mit der Schelle voranginge.
Bitterkalt war es auch in der Kirche. Die Kerzenflammen am Altar standen reglos wie gefroren, und nur wenn sich die Tür öffnete und Wind und Schnee hereinfuhren, zuckten die Lichter erschreckt zusammen. Die Kirchleute drückten das Tor eilig wieder zu, sie rumpelten schwerfällig in die Bänke, und dann klebten sie ihre Adventskerze vor sich auf das Pult und falteten die Hände um das wärmende Licht. Indessen schleppte ich das Meßbuch hin und her und läutete zur passenden Zeit, und wenn ich einmal länger zu knien hatte, schlief ich wohl wieder ein. Dann räusperte der Pfarrer vernehmlich, um mich aufzuwecken. Ihn allein focht kein Ungemach an. "Rorate coeli", betete er laut und inbrünstig, "tauet Himmel, den Gerechten". Und dann war alles wieder herzbewegend schön und feierlich, der dämmrige Glanz im Kirchenschiff, der weiße Atemdampf vor den Mündern der Leute, wenn sie dem Pfarrer antworteten, und er selbst, unbeirrbar in der Würde des guten Hirten.
Nachher standen wir zu dritt hinterm Ofen in der Sakristei. Der Mesner schüttelte die eiserne Pfanne und hob den Deckel ab und speiste uns mit gebratenen Kastanien. Ich hüpfte von einem Fuß auf den andern, und auch der Pfarrer rollte die heißen Kugeln eine Weile im Mund hin und her. Es war vielleicht keine Sünde, wenn ich nebenbei flink vorausrechnete, wie lange es wohl noch dauerte, bis er mir zur Weihnacht meinen Lohn in die Hand drücken würde, einen ganzen Gulden."

 

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Karl Heinrich Waggerl (10 december 1897 – 4 november 1973)

 

 

De Spaanse schrijver en politicus Jorge Semprún Maura werd geboren in Madrid op 10 december 1923. Zie ook alle tags voor Jorge Semprún op dit blogen ook mijn blog van 10 december 2010.

Uit: Unsre allezu kurzen Sommer (Vertaald door Evan Moldenhauer)

„Ich mochte den Gedanken nicht, in die Rolle des Überlebenden, des glaubwürdigen, achtenswerten und Mitgefühl verdienenden Zeugen verbannt zu sein. Angst packte mich bei dem Gedanken, diese Rolle mit der Würde, der Zurückhaltung und dem tiefen Ernst eines vorzeigbaren - menschlich und politisch korrekten - Davongekommenen spielen zu müssen.
(…)

Es ist schon immer ein historisches Desaster gewesen, das Leben als höchsten Wert anzusehen. Die reale Welt wäre unaufhörlich in die Sklaverei, die gesellschaftliche Entfremdung oder den selbstzufriedenen Konformismus zurückgefallen, wenn die Menschen das Leben stets als höchsten Wert betrachtet hätten. ...
Das Leben ist nur in abgeleiteter, stellvertretender Weise heilig: wenn es die Freiheit, die Autonomie, die Würde des Menschen garantiert, Werte, die höher sind als der des nackten Lebens an und für sich. Werte, die es transzendieren.”

 

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Jorge Semprún (10 december 1923 - 7 juni 2011)
In 1969

 

 

De Duitse dichteres en schrijfster Nelly Sachs werd op 10 december 1891 in Berlijn geboren. Zie ook alle tags voor Nelly Sachs op dit blog.

 

Chor der verlassenen Dinge

Krug im Schutt
War ich der Krug, daraus der Abend floss wie Wein
Und manchmal ein gefangner Mond zum Rosenstock ?
Die Sterbenacht der Greisin fing ich ein
Als schon ihr Atem keuchte wie die Geiß am Pflock.
O Krüge, Krüge ! in ein Abschiedsmaß gezwängt
Ist was wir halten; rinnende Natur.
Wir sind wie Herzen, draus es weiter drängt
Und stille steht wie Zeit in einer Uhr

Ein halbverbranntes Licht
O Schattenspiegel mein ! Ich sah in dir, ich sah -
Die Hand aus Grabesstaub, die sich an einem Stern verging
Die Zeit in ihrer Sterbewiege schrie - ich sah
Israels Mund in Qual, gebogen wie ein Ring.

Ein Schuh
Verlornes Menschenmaß; ich bin die Einsamkeit
Die ihr Geschwister sucht auf dieser Welt -
O Israel, von deiner Füße Leid
Bin ich ein Echo, das zum Himmel gellt.

Chor
Wir aber sind, seitdem wir Erde waren
Getrieben schon von euch durch soviel Tod -
Bist du ein Band, gepflückt von Totenhaaren
Geh ein zum Wunder, werde Brot.
Hier ist ein Buch, darin die Welten kreisen
Und das Geheimnis flüstert hinter einem Spalt -
Wirf es ins Feuer, Licht wird nicht verwaisen
Und Asche schläft sich neu zur Sterngestalt.
Und tragen wir der Menschenhände Siegel
Und ihre Augen-Blicke eingesenkt wie Raub
So lest uns wie verkehrte Schrift im Spiegel
Erst totes Ding und dann den Menschenstaub.

 

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Nelly Sachs (10 december 1891 – 12 mei 1970)

 

 

De Duitse dichteres en schrijfster Gertrud Kolmar (pseudoniem van Gertrud Käthe Chodziesner) werd op 10 december 1894 in Berlijn geboren. Zie ook alle tags voor Gertrud Kolmar op dit blog.

 

Der Brief

Ein Fetzen Weh, vom Wind daher gefegt,
Das war er nun.
Ich hab ihn still ins heil’ge Buch

gelegt,
Zu ruhn - zu ruhn- - - - - -

Und die vergilbten Blätter schlossen ihn
So linde ein,
Die Totenhülle, weißer denn Jasmin,
Der braune Schrein.

So fern der Unrast, die da draußen tost,
Hat er geruht.
Und war der Klage voll und gab mir Trost -
Er war so gut - - - - -

 

 

Noch eins

Ich wollte schön sein, wie ein frommer Drang
Nach Schönheit ist, – so ohne Lüge schön.
Ich wollte schön sein, wie der Preisgesang
Der Schönheit ist, - ein sternenhoch Getön!

Ich wollte solcher mächtigen Schönheit Gabe,
Die wie ein Glück vor tausend Sinnen blinkt!
Ich will die kleine Schönheit: die ich habe,
Die eines Herzens Güte ins sich trinkt.

 

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Gertrud Kolmar (10 december 1894 – (?) maart 1943)
Berlijn, Nikolaiviertel in de adventstijd

 

 

Zie voor nog meer schrijvers van de 10e december ook mijn blog van 10 december 2011 deel 1 en eveneens deel 2 en ook deel 3.

Geschreven door Romenu om 18:23 Reageer op dit bericht

In Memoriam Ralph Giordano

 

In Memoriam Ralph Giordano

De Duitse schrijver en journalist Ralph Giordano is in de nacht van dinsdag op woensdag op 91-jarige leeftijd overleden. Ralph Giordano werd op 20 maart 1923 in Hamburg geboren. Zie ook alle tags voor Ralph Giordano op dit blog.

Uit: Morris -- Die Geschichte einer Freundschaft

„Er wußte, daß diese Novembertage den ersten vernichtenden Schlag gegen die jüdische Existenz in Deutschland bedeuteten. Er sagte mir das, als ich ihn an dem Unglückstag nach Hause, zur Grindelallee, begleitete. Mit merkwürdiger Stimme meinte er zu mir: "Dabei bleibt es nicht, dabei bleibt es so sicher nicht, wie ich jetzt neben dir gehe. Es war eine Probe, wie weit sie es treiben können, mehr nicht ..." Er hatte da so etwas Furchtbares geäußert, etwas, das alles Unausdenkbare in sich schloß, daß ich mich wie in einem Gefängnis fühlte, aus dem es kein Entrinnen mehr gab, dessen dicke Mauern der menschlichen Kraft und dem menschlichen Willen Hohn spotteten, obwohl ich selbst von diesem aufkommenden Riesenschatten nicht bedroht war. Ich sah zu Morris hoch. Trotzdem ich erst fünfzehn Jahre alt war, wuchs in mir plötzlich ein großes Gefühl, ein Erkennen für die jahrtausendealte Tragik jenes schwer leidenden Volkes, als dessen Repräsentant mir nun Morris erschien. "Kann ich helfen?" fragte ich ihn, um mich in der nächsten Sekunde der Lächerlichkeit meiner Worte zu schämen. "Uns kann niemand mehr helfen, wenn uns nicht schnell geholfen wird", erwiderte Morris sinnend. "Einzelne in Deutschland können vielleicht einzelnen Juden helfen. Aber die Masse der Juden ist verloren, wenn nicht sehr bald Gegenmaßnahmen getroffen werden."
Später erkannte ich, wie wahr er gesprochen hatte. Damals jedoch wußte ich nicht recht, was er meinte. Krieg? Meine Vorstellungen von Krieg waren nebelhaft und verschwommen, bargen bei meiner Unwissenheit keine Schrecken in sich. Während wir weitergingen, dachte ich über jedes Wort nach. Halb verschleiert, gleichsam umschrieben mit lautlosen Worten, kündigte mir Morris etwas Entsetzliches an: nänilich die Vernichtung, die physische Vernichtung von Menschen, weil sie einer bestimmten Rasse angehörten" Wenn ich mich heute in jene Stunde zurückversetze, dann fällt mir ein, daß ich dies schon damals nicht bezweifelte, nachdem ich selbst die Masse gesehen hatte, die des Mordes und der Plünderung Zeuge gewesen war, ohne Widerstand zu leisten.“

 

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Ralph Giordano (20 maart 1923 - 10 december 2014)

Geschreven door Romenu om 13:57 Reageer op dit bericht

Reinhard Kaiser Mühlecker

De Oostenrijkse schrijver Reinhard Kaiser Mühlecker werd geboren op 10 december 1982 in Kirchdorf an der Krems. Kaiser Mühlecker groeide op in Eberstalzell (Opper-Oostenrijk) in het district Hallwang. Van 2003-2007 studeerde hij o.a. landbouw, geschiedenis en Internationale ontwikkeling in Wenen. In 2008 verscheen zijn eerste roman “Der lange Gang über die Stationen”. Nog vóór de publicatie ontving hij de literaire prijs van de Jürgen Ponto Stiftung en een beurs van het lHerrenhaus Edenkoben.

Uit: Der lange Gang über die Stationen

“Ganz am Anfang standen einzelne lange, mit Eis überzogene Grashalme aus einer harten Schneedecke hervor, und kein Wind konnte sie bewegen. Drinnen, im Haus, lag der Tabakbeutel, daneben zwei in Rechteckform zurechtgeschnittene Papierchen auf dem schweren Küchentisch. Dazwischen die gestopfte Pfeife mit dem langen, sich zweimal biegenden Hals. Das Aroma des Tabaks breitete sich in der Küche aus. Die Türen waren geschlossen und die Luft im Raum aufgewärmt.
Meine Frau kam auf mich, der ich dort am Tisch nach hinten gelehnt, das Kreuz hohl und die Beine ganz durchgestreckt, saß, zu. Sie hatte den Lappen mit der übergroßen hellen Schlaufe zum Aufhängen in der Hand und ließ es sich nicht nehmen, nach dem ausgiebigen Frühstück gleich den Tisch zu wischen. Im Milchtopf war nur noch eine dicke Rahmschicht ganz unten am Topfboden,
in der sich eine Fliege auf eine Art rührte, als hätte sie da in dem Augenblick eine mühsame Arbeit zu verrichten. Eine der Katzen strich mit aufrechtem Schwanz eng um meine Beine, sodass es den Stoff der Hose gegen die Haut drückte; dabei miaute sie, oder sie schrie, das Maul weit aufgerissen und das Körnige der Zunge deutlich sichtbar. Ich betrachtete das in die Tischplatte Geschnitzte, bis mein Blick unscharf wurde; es steckten mir noch die Müdigkeit und der Schlaf in den Knochen.
Meine Frau hatte den Lappen in Spülwasser getaucht und ihn ausgewrungen. Ihre Hände hatten sich ein Stück mitgedreht dabei, die Haut über den Pulsschlagadern hatte schmale Falten geworfen, und die Knöchel waren blutleer, weiß hervorgetreten. Das Wasser, das grau geworden dann aus dem Lappen gedrückt worden war; das Geräusch dieses Wassers auf dem Metall des Abwaschbeckens.
Ich saß dort am Tisch, hielt den Pfeifenkopf in der hohlen Hand, zuerst in der rechten, dann in der linken; die Hosenträger spannten sich über meine Brust, über die Rippenbögen. Saß dort – und tat nichts anderes, als der jetzt Arbeitenden zuzusehen. Sie wippte beim Abwischen vor und zurück, ganz nah an mir. Ihr harter Beckenknochen stieß zweimal seitlich gegen die Lehne meines Stuhls; stieß weich, und doch ging der Stoß weiter und drang durch die Lehne in mich. Ich sah ihr zu, aber dennoch sah ich sie auf eine Weise auch nicht, ich sah nur eine Silhouette, die sich bewegte. Ich sah diejenige tanzen, die nicht tanzte.“

 

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Reinhard Kaiser Mühlecker (Kirchdorf an der Krems, 10 december 1982)

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Cornelia Funke

De Duitse schrijfster en illustratrice Cornelia Funke werd geboren in Dorsten op 10 december 1958..Zij studeerde onderwijskunde aan de Universiteit van Hamburg en daarna gaf ze een tijdlang les. Dankzij het diploma dat Funke voor illustreren had, werd ze ook gevraagd om boeken te illustreren. Zo kreeg ze het idee om zelf boeken te schrijven. Funke kreeg zowel voor “De dievenbende van Scipio” als voor “Hart van Inkt” een Zilveren Griffel. Beide boeken werden verfilmd (als The Thief Lord en Inkheart). “Web van Inkt” en “Nacht van Inkt” zijn deel twee en drie van de Inkheart-trilogie. Haar internationale doorbraak kwam in 2002 toen haar al in 2000 in Duitsland verschenen boek “De dievenbende van Scipio” in de VS gepubliceerd werd en daar vele maanden op de Amerikaanse bestsellerlijsten stond. De ontdekking van dit boek voor de Engels-sprekende wereld leidt Funke op "Clara" terug, een tweetalig opgegroeid meisje dat zich bij de uitgever van Harry Potter, Barry Cunningham, erover beklaagd dat ze haar favoriete boek.niet kon delen met haar schoolvrienden in Engeland De neef van Funke schreef vervolgens een ruwe vertaling in het Engels, op basis waarvan het contract met de Engelse uitgever werd gesloten. Inmiddels is dit boek vertaald in 23 talen.

Uit: Herr der Diebe

“Goldene Höhle« hatte Bo die Basilika getauft, als Prosper mit ihm zum ersten Mal hineingegangen war. Aber die goldenen Mosaiken von Engeln, Königen und Heiligen, die Wände und Decken schmückten, leuchteten nur zu bestimmten Stunden, wenn das Sonnenlicht hoch oben durch die Kirchenfenster fiel. Jetzt war alles dunkel. Und die Bilder, zusammengefügt aus Tausenden von glitzernden Glassteinen, verschluckte das Dämmerlicht, das die riesigen Gewölbe füllte. Helligkeit und Wärme waren draußen auf dem Platz geblieben, als gäbe es sie nicht mehr.
Zögernd gingen die drei Jungen den breiten Mittelgang entlang, ihre Schritte hallten auf dem steinernen Boden. Über ihren Köpfen wölbten sich die goldenen Kuppeln, deren Pracht die Dunkelheit verhüllte. Zwischen den hohen marmornen Säulen, die sie trugen, fühlten sich die Jungen so käferklein, dass sie unwillkürlich näher zusammenrückten. Das Dämmerlicht um sie her war getränkt mit Stille, mit flüsternden, wispernden, andächtig raunenden Stimmen und dem Schaben von Schuhsohlen auf kaltem Stein.
»Wo sind denn die Beichtstühle?«, flüsterte Mosca und blickte sich unbehaglich um. »Ich bin noch nicht oft hier drin gewesen. Ich mag keine Kirchen. Sie sind mir unheimlich.«
»Ich weiß, wo s
ie sind«, sagte Scipio und schob sich die Maske wieder übers Gesicht. Selbstsicher, wie einer der Führer, die den Reisegruppen die Wunder der Basilika zeigten, schritt er den anderen beiden voran. Die Beichtstühle standen etwas abseits, im Seitenschiff der großen Kirche. Der erste auf der linken Seite unterschied sich in nichts von den übrigen, ein Kasten aus dunklem Holz, verhängt mit dunkelroten Vorhängen, mit einer Tür in der Mitte, durch die der Priester in den engen Verschlag schlüpfen konnte. Dort nahm er dann Platz auf einer schmalen Bank und legte sein Ohr an ein kleines Fenster, durch das ihm jeder, der wollte, seine Sünden zuflüstern konnte, um sie sich so von der Seele zu schaffen.“

 

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Cornelia Funke (Dorsten, 10 december 1958)

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