Elfriede Jelinek, John von Düffel, Theresia Walser, O. P. Zier

De Oostenrijkse schrijfster Elfriede Jelinek werd geboren op 20 oktober 1946 in Mürzzuschlag, een kleine stad in de deelstaat Stiermarken. Zie ook mijn blog van 20 oktober 2008 en ook mijn blog van 20 oktober 2009.
Uit: Die Klavierspielerin
„Ein klavierlicher o. ä. Kollege rast totenblaß in dieser Sekunde direkt von seiner Übertrittsprüfung herein, wirft sich in eine der Kabinen und kotzt in die Kloschüssel, einem Naturereignis gleich. In seinem Körper scheint ein Erdbeben zu wüten; vieles ist schon eingestürzt inklusive der Hoffnung auf eine nahe Reifeprüfung. So lange hat dieser Prüfling seine Aufregung zurückhalten müssen, weil schließlich der Herr Direktor der Prüfung beigesessen hat. Jetzt erwünscht die Aufregung energisch ihren Auftritt, damit sie ins Klobecken kann.
Die Obertastenetüde ist dem Prüfling mißraten, er hat sie allerdings schon im doppelten Tempo begonnen, was kein Mensch aushalten kann und Chopin auch nicht.
Klemmer verachtet die geschlossene Klotür, hinter der sein Mitmusiker jetzt mit Durchfall kämpft. Ein Pianist, der so stark vom Körperlichen dominiert wird, kann nichts Entscheidendes beim Spiel zulegen.
Sicher sieht er die Musik nur als Handwerk an und nimmt es unnötig schwer, wenn eins seiner zehn Handwerkzeuge einmal versagt. Diese Stufe hat Klemmer bereits überschritten, er achtet nur mehr auf den inneren Wahrheitsgehalt eines Stücks.
Für ihn gibt es beispielsweise an den Sforzandos in Beethovens Klaviersonaten nichts mehr zu diskutieren, weil man sie erfühlen muß, ja dem Zuhörer mehr suggeriert, als daß man sie spielt.“

Elfriede Jelinek (Mürzzuschlag, 20 oktober 1946)
De Duitse schrijver John von Düffel werd geboren op 20 oktober 1966 in Göttingen. Zie ook mijn blog van 20 oktober 2008 en ook mijn blog van 20 oktober 2009.
Uit: Ego
"Noch fünf Millimeter. Ich darf gar nicht daran denken, dass es am Anfang sieben waren - oder mehr, zu einer Zeit, als ich noch nicht gemessen habe! Eigentlich könnte ich ganz zufrieden sein. Aber ich bin's nicht. Ich will meinen Nabel auf Null bringen. Ich hasse es, in ein Loch zu starren, wenn ich mir meine Bauchpartie ansehe. Eine verdammte Grube. Oder ein Grübchen, mittlerweile. Es lenkt von meinen Bauchmuskeln ab. Ich muß unbedingt an meiner Nabeltiefe arbeiten.
Ich mache spontan fünfzehn Crunches in Superzeitlupe und schließe drei Sätze à zwanzig Liegestützen an. Klassisch und mit versetzten Armen. Man soll den Fitness-Impuls nie unterdrücken. Währenddessen schaue ich mir meine Oberarme an und meine Laune steigt. Ich bin kein Bizeps-Fanatiker. So ein Bizeps ist im Grunde nur eine Beule. Aber mein Trizeps ist wirklich sehenswert. Ein echter Reliefmuskel. Nichts modelliert einen Oberarm so eindrucksvoll wie ein gut trainierter Trizeps.
Ich stelle mich wieder vor den Spiegel un d finde auf Anhieb meinen Nabel nicht. Meine Laune bessert sich zusehends. Der erste Blick zählt. Ich bin ein großer Anhänger des ersten Blicks. Nichts ist mysteriöser als die Frage, wie man im ersten Augenblick auf einen anderen Menschen wirkt. Dazu muss man alles vergessen, was man von sich weiß. Man darf sich noch nie gesehen haben.
Ich starre eine Weile auf das Regal mit den Pflegeserien und versuche mich zu erinnern, wann, wo und warum ich was gekauft habe. Dann schwenke ich wie zufällig auf den Spiegel. Wieder nichts. Erst bei näherem Hinsehen entdecke ich meinen Nabel etwas unterhalb der mittleren Bauchmuskeln in meinem durchtrainierten Sixpack. Näheres Hinsehen zählt auch, aber nicht so wie der erste Blick, der Blickfang. Wenn man die Leute dazu bringt, näher hinzusehen, ist das Ziel schon so gut wie erreicht.
Im Großen und Ganzen kann ich mit dem Trainingsstand leben. Bis jetzt! Mein Nabel macht wirklich Fortschritte. Er ist nicht mehr das Loch, das er mal war. Wenn ichdas S ixpack etwas anhebe, sieht man, dass er leicht schräg verläuft. An der Unterseite ist er ein wenig flacher. Weiter oben sinkt er um etwa zwei Millimeter ab - die Stelle, an der ich immer messe. Neu ist das Häutchen, das sich um den oberen Rand spannt. Dreieinhalb Monate habe ich gebraucht, um das herauszuarbeiten. Ein entscheidendes Detail, weil es den ganzen Nabel straff erscheinen läßt. Ich weiß nicht, ob es einen Namen dafür gibt. Sollte es aber!“

John von Düffel (Göttingen, 20 oktober 1966)
De Duitse schrijfster Theresia Walser werd geboren op 20 oktober 1967 in Friedrichshafen. Zie ook mijn blog van 20 oktober 2008.
Uit: Am Anfang war die Nacht Musik
„20. Januar 1777
An diesemWintermorgen geht der bekannteste Arzt der Stadt, verfolgt von seinem Hund, die Treppe vom Schlaftrakt zu seinen Praxisräumen hinab. Die honigbraunen Stufen erlauben bequeme Schritte und den Hundepfoten einen mühelos rhythmischen Trab. In diesem Haus gibt es keine steilen, schmalen Stiegen. Wie früher, im Haus seiner Eltern. Wo er stets durch eine Luke in den Dielen wie auf einer Leiter in den unteren Stock hinunterkletterte – wenn er nicht fiel und sich dabei blaue Flecken holte.
Natürlich wäre er lieber im Bett geblieben. Draußen ist es stockdunkel und kalt. Doch steht ein wichtiger Krankenbesuch an, vielleicht der wichtigste seiner Laufbahn: Er soll die blinde Tochter des kaiserlich-königlichen Hofbeamten Paradis untersuchen. Frau Hofsekretär hat um einen Hausbesuch gebeten.
Des Aufstiegs wegen ist er so früh auf den Beinen. Und steigt diese Treppe hinab, die zu keinem Frühaufsteher passt. Die üppige Breite, die nur angedeutete Spirale – ein nicht ganz zu Ende
gedachtes Schneckenhaus – erinnern an eine Harmonie, die höchstens der Ausgeschlafene empfindet. Ist er nicht. Und dass Kaline, das Hausmädchen, Lampen und Ofen angezündet hat, ist nur ein schwacher Trost, solange sie selbst sich nicht blicken lässt. Wenn er wenigstens musizieren dürfte. Da wohnt er nun seit seiner Heirat in diesem prächtigsten aller Häuser, mit so vielen Zimmern, dass selbst sein Instrument ein eigenes hat, und darf jetzt trotzdem nicht spielen. Dabei fängt ein guter
Tag immer mit Musik an. Fünf Minuten auf seiner Glasharmonika genügen. Mozart, Haydn oder Gluck oder einfach die Finger laufen lassen, bis sie selbst eine Melodie finden und leicht über die Tastatur fegen wie eine Katze, die im Schnee spielt. So leicht läuft dann auch der Tag.“

Theresia Walser (Friedrichshafen, 20 oktober 1967)
De Oostenrijkse schrijver O. P. Zier werd geboren in Schwarzach im Pongau op 20 oktober 1954 en groeide op in Lend. Zie ook mijn blog van 20 oktober 2008 en ook mijn blog van 20 oktober 2009.
Uit: Mordsonate
„Verunsichert sah Peter Aberger kurz wieder in die Richtung seiner Frau, nachdem auch dieses Telefonat ohne Erfolg geblieben war, um danach zum x-ten Mal die Nummer zu drücken, unter der er noch niemanden erreicht hatte. Da er dies ohnehin schon zweimal getan hatte, sprach er jetzt nichts mehr auf den Anrufbeantworter. Sie wäre doch dort... Sie musste dort sein! Denn wo sollte sie denn sonst sein? Er hatte auch schon bei den Eltern der anderen Freundinnen seiner Tochter angerufen. Von Anjas Eltern kannte er leider nur die Festnetznummer. Bei so herrlichem Wetter... da hatten die einfach mit den Mädchen noch etwas unternommen, waren mit den Kindern ins Grüne gefahren. Was läge denn näher als das, an so einem Tag! Wo Anjas Familie dieses alte Haus besaß, in Seekirchen. Dorthin war Birgit doch schon öfter mitgefahren. Und heute eben auch wieder. Oder sie waren einfach noch ein Eis essen gegangen. Und Birgit, mein Gott, sie konnte daheim nicht anrufen, weil er heute früh diesen Radau gemacht hatte, wegen der Telefonwertkarte! Wahrscheinlich wollte Anjas Vater mit dem Ausflug auch zeigen, dass er akzeptiert hatte, dass Birgit am Wettbewerb in Vilnius teilnehmen würde, nachdem Anja in der Endausscheidung auf dem zweiten Platz gelandet war. Ja, so musste es sein, denn Birgit... sie war doch nicht ausgerissen, um Himmels willen! Unsere Tochter ist doch nicht abgehauen, beschwor er sich ein ums andere Mal. Sie hatte nur deshalb nicht angerufen, dass sie sich verspäten werde, weil... ja, weil es heute früh diesen saublöden Streit gegeben hatte, an den er nicht denken wollte, weil er längst bereute, dass er ihn einmal mehr auf die Spitze getrieben hatte, als folge er einem Zwang. Und daran, dass Birgit jetzt nicht anrief – nicht anrufen konnte –, trug allein er die Schuld... weil er am Ende nur die Tür hinter sich zugeknallt hatte und ins Büro gefahren war.“

O. P. Zier (Schwarzach im Pongau, 20 oktober 1954)
































































